Der Kärtner Stefan Köchel holte sich kurz vor den massiven Einschränkungen durch die Corona-Krise eine Begehung des Traumboulders Bügeleisen im Maltatal. LACRUX hat mit Stefan über seine Begehung gesprochen und zeigt das Video seiner Begehung.

Während einige Kletterer, wie Stefan Scarperi innert kürzester Zeit den Boulder Bügeleisen kletterten, investieren andere viel Zeit und Geduld in den Boulder. So auch Stefan Köchel. Er nahm über 50 Mal Anlauf, bis es mit dem Durchstieg klappte.

Stefan Köchel im Interview mit LACRUX

Du hast sehr viel Zeit in die Begehung des Boulders Bügeleisen gesteckt. Warum genau diese Linie?
Meine Antwort in kurzer Form: Das Gesamtpaket beim Bügeleisen ist einfach unschlagbar: Eine zeitgeschichtlich bedeutende Linie, ästhetisch am obersten Ende der Skala, erstbegangen von Klem Loskot und auch relativ schwer. Thomas Fichtinger hat es so ausgedrückt: “Man klettert das Bügeleisen nicht wegen dem Grad, sondern weil es das Bügeleisen ist.”

“Damals war es natürlich undenkbar es jemals zu probieren, aber es war eine Motivationsquelle für mich und mein Umfeld.”

Stefan Köchel

Aber eigentlich muss ich etwas ausholen, denn die Begehung hat eine längere Vorgeschichte. Als ich mit dem Klettern begonnen habe, war Bügeleisen quasi “der schwerste Boulder der Welt” und Klem Loskot in aller Munde. Nicht zuletzt war auch das Video von Martin “Mungo” Hanslmayr mitverantwortlich, dass sich der Boulder in das Kletterbewusstsein meiner Generation einbrannte. Damals war es natürlich undenkbar es jemals zu probieren, aber es war eine Motivationsquelle für mich und mein Umfeld.

Jahre später hatte ich gemeinsam mit David Schickengruber die Möglichkeit, Nalle Hukkataivals Erstbegehung des Sitzstarts zu dokumentieren. Die Dreharbeiten bildeten den ersten richtigen Berührungspunkt für mich. Die Video-Produktionen mit Jakob Schubert und Kilian Fischhuber haben meine Motivation noch einmal verstärkt, die ursprüngliche Linie auch selber zu probieren. 

Nalle Hukkataival und der Sitzstart des Boulders Bügeleisen

Wie viele Sessions hast du in den Boulder investiert?
Genau kann ich das leider nicht mehr nachvollziehen. Wenn ich raten müsste, würde ich 50+ sagen. Im Frühjahr ’15 hab ich langsam begonnen die Einzelzüge zu probieren, mit dem 4. Zug hat es aber bis Herbst ’17 gedauert. Von da an war mir klar, dass ich dranbleiben würde. In der Saison 18/19 hätte es dann schon klappen können, da waren für mich die Zeitfenster mit guten Bedingungen aber immer zu kurz. Im Dezember ’19 bin ich dann an der Kante abgetropft und musste noch bis zum 15. März weiterprobieren.

Was war schlussendlich der Schlüssel zum erfolgreichen Durchstieg?
Durchhaltevermögen. Wenn man eine Linie länger probiert und gerne klettern möchte, bekommt sie einen anderen Stellenwert. Das ist bei jedem Projekt so und damit muss man umgehen. Das ist glaube ich auch ein mit ein Grund, warum viele nicht so gerne projektieren. Scheitern spielt beim Klettern sowieso schon eine sehr große Rolle, an der Leistungsgrenze wird dieser Faktor aber noch um einiges bedeutender.

“Scheitern spielt beim Klettern sowieso schon eine sehr große Rolle, an der Leistungsgrenze wird dieser Faktor aber noch um einiges bedeutender.”

Eine hohe Frustrationstoleranz kann da natürlich nicht schaden. Spezifisches Training auch nicht. Ich bin aber kein Trainingsweltmeister und klettere viel lieber als ich trainiere. Um die Motivation beim Training zu halten, brauche ich ein Ziel am Horizont. Deshalb hatte ich das Bügeleisen auch am Griffbrett und an der Klimmzugstange immer im Hinterkopf. Die Fitness ist dann aber schlussendlich trotzdem nur ein Baustein. Gute Bedingungen, genügend Zeit und Haut sowie die richtige Einstellung die anderen.

Stefan Köchel bei der Begehung des Boulders Bügeleisen im Maltatal

Bügeleisen from Stefan Koechel on Vimeo.

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Credits: Titelbild Stefan Köchel / Frischluft Film