Berge haben eine magische Anziehungskraft. Gleichzeitig birgt die alpine Umgebung natürliche Gefahren. Gerade im Winter, wenn sich die Gipfel in eine weisse Schneepracht hüllen, kommt ein kritischer Faktor dazu: Lawinen. Die folgenden drei Ausrüstungsgegenstände gehören bei jeder Skitour ins Gepäck.

Ein Beitrag von Fabian Reichle – Bächli Bergsport

Wetter, Schneemenge und -art sowie das Gelände haben alle einen Einfluss auf potenzielle Lawinengänge. Skitouren und Schneeschuhwanderungen müssen daher sorgfältig geplant werden, um sicher durchs Gelände zu kommen. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer. Dann kann der geübte Umgang mit Rettungsgeräten über Leben und Tod entscheiden.

In der kalten Jahreszeit gibt es essenzielle Ausrüstungsteile, die stets griffbereit sein müssen: LVS, Schaufel und Sonde gehören zum absoluten Minimum. Dieses Standardequipment möchten wir genauer beleuchten.

1. Das Lawinenverschüttetensuchgerät LVS

Das technisch ausgefeilteste Gerät von den Dreien ist das LVS. Im Prinzip ist es nichts anderes als ein kleines Handgerät, das Signale empfangen und senden kann. Wer in einer Gruppe im freien Gelände unterwegs ist – alleine sollte sowieso niemand aufbrechen – stellt das LVS auf Senden. Im Falle einer Verschüttung kann das Opfer im Lawinenkegel mittels dem Empfangen-Modus gesucht werden. Klingt einfach, ist es im Prinzip auch.

Bild Bächli Bergsport

Intuitiv bedienbar muss es sein, ein gutes LVS. Im Kampf gegen die Zeit muss es schnell gehen, in Stresssituationen sowieso. Je wohler man sich mit dem Umgang fühlt, desto besser. Beim Kauf eines LVS sollte man sich zudem nicht von vermeintlichen Profi-Geräten abschrecken lassen. Im Gegenteil: Oft sind gerade diese auch für Anfänger vorteilhaft, da sie mit praktischen Details einen grossen Zusatznutzen bieten, falls der Ernstfall eintritt.

Kleiner, lebenswichtiger Helfer

Sind LVS eine Errungenschaft moderner Technik? Keinesfalls. Bereits seit anfangs der 70er-Jahre gab es erste Modelle, wie beispielsweise das Barryvox von Mammut. Damals gab es noch keine Sendestandards, wodurch nicht alle Modelle untereinander kompatibel waren. Ausgestattet mit nur einer Antenne gestaltete sich die Suche zu jener Zeit mit den analogen Geräten anstrengend und erforderte viel Übung. Kein Vergleich zu heute: Alle LVS senden und empfangen auf einer Normfrequenz, voll digital. Signale werden standardmässig mit drei Antennen erfasst, wodurch Verschüttete in allen drei Bewegungsrichtungen erfasst werden können.

Trotzdem darf sich niemand mit einem LVS in falscher Sicherheit wiegen. Der Umgang mit dem Gerät soll geübt und Suchabläufe müssen trainiert werden. Auch die korrekte Trageart unter der obersten Kleidungsschicht, fern von anderen elektronischen Geräten muss eingehalten werden. Und ein wichtiges, begriffliches Detail: Der umständliche Name Lawinenverschüttetensuchgerät hat durchaus seine Berechtigung. Ein LVS ist nämlich weder dazu in der Lage, Lawinen aufzuspüren, noch sie zu verhindern.

Wer sein LVS im Griff hat, findet in dem Gerät einen ausgezeichneten Lebensretter. Auch wenn es hoffentlich niemals zum Einsatz kommt.

2. Die Sonde

Während das LVS für die grobe Orientierung zuständig ist, so ist die Sonde das Gerät fürs Feine. Eine verschüttete Person kann mit dem LVS lokalisiert werden, letztendlich liefert es aber «nur» die geringste Entfernung des sendenden Gerätes unter den Schneemassen. Bevor Rettende zur Schaufel greifen, gilt es, die präzise Position des Opfers zu bestimmen. Hier kommt die Sonde zum Einsatz.

Im Prinzip ist die Sonde eine lange Stange, die in den Schnee gesteckt wird. Immer und immer wieder, bis der Widerstand indiziert, dass die Person unter der Lawine gefunden wurde. Auch die Tiefe ist ersichtlich, denn jede Sonde hat ein Metermass. Erst nach einem Sondentreffer kommt der Griff zur Schaufel.

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Eine Sonde muss, wie alle anderen Notfallgeräte, intuitiv zu bedienen sein. Verpackt im Rucksack besteht sie aus mehreren Rohr-Elementen, die mit einer Kordel im Handumdrehen zusammengesteckt werden können. Je nach Modell variiert die Länge zwischen 240 und 320 cm. Die persönliche Vorliebe ist hierbei vordergründig, die Sonde ist sicherlich das pragmatischste Teil der Lawinen-Standardausrüstung.

Rein und raus

Unterschiede gibt es im Material: Aluminium oder Karbon für die Rohre; Nylon, Kevlar oder Stahl für die Kordel. Prinzipiell gilt, je mehr Alu und je dicker die Elemente, desto widerstandsfähiger ist die Sonde. Das kann entscheidend sein, stösst man doch in Lawinen immer wieder auf grobe Steine und harten Schnee. Das Gerät muss zudem auch bei Eiseskälte stets einfach bedien- und spannbar sein.

Eine Frage, die man immer wieder hört, ist, ob es nicht gefährlich sei, wenn man ausversehen ein Auge der verschütteten Person treffe. Die Antwort darauf ist denkbar simpel: Lieber lebend auf einem Auge blind als tot. Die Sonde ist ein Lebensretter, kein Speer.

3. Die Lawinenschaufel

Eine Schaufel ist ein Werkzeug. Ein primitives obendrein. Es hat ein Blatt und einen Schaft. Den Schaft festhalten und mit dem Blatt Material wegschaffen, so einfach ist das. Und auch wenn der Sinn und Zweck des Geräts damit bereits erklärt ist, verbirgt sich mehr dahinter. Es sind die kleinen, feinen Details, die eine effiziente Lawinenschaufel ausmachen. Angefangen beim Material.

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Primär gibt es Schaufeln aus Aluminium, Karbon und Kunststoff. Letztere werden seit geraumer Zeit aus gutem Grund nicht mehr hergestellt. Plastik wird mit der Zeit spröde und ist bei kalten Temperaturen bruchanfällig. Daher Finger weg davon, auch wenn ihr über ein lukratives Schnäppchen stolpert. Karbon hat den grossen Vorteil des leichten Gewichts, ist indes aber ebenfalls heikel, da es ebenfalls zu Brüchen kommen kann. Bei Skirennläufen, bei denen jedes Gramm zählt und Grabaktionen nicht zu erwarten sind, macht das Material jedoch durchaus Sinn. Aluschaufeln sind für den allgemeinen Gebrauch erste Wahl. Sie sind langlebig, biegbar und dennoch akzeptabel im Gewicht.

Details und Technik

Eine Schaufel ist sperrig, trotzdem muss sie im Rucksack Platz haben und schnell griffbereit sein. Beim Kauf also darauf achten, ob das Gerät einfach mitzuführen ist. Der Rest ist Geschmacksache: Was darf es sein? Grosses Blatt, um mehr Schneemassen, dafür mit mehr Kraft wegzuhieven oder kleines Blatt mit dem umgekehrten Effekt? Wie darf der Griff aussehen? Wie lange soll der Schaft sein? Hier gilt es, die persönlichen Präferenzen auszuloten und im Idealfall eine Schaufel zu testen.

Viel wichtiger ist letztendlich jedoch die richtige Technik. Nur wer sich effizient durch die Lawine gräbt, gelangt schnell zum Opfer. Die beste Methode ist hierbei das sogenannte V-förmige Schneeförderband. Hierbei wird ein «Schneekeil» horizontal zur verschütteten Person gebuddelt.

Es muss nicht immer ein Ernstfall sein. Schneeschaufeln helfen auch präventiv, wenn es darum geht, Schneeprofile zu graben. Oder noch ungefährlicher: Ganz simpel beim Bau eines Iglus oder Kickers.

Noch mehr Schutz dank Lawinenairbag

Wer Freeriden geht, eine Skitour in Angriff nimmt oder auch in abgelegenem Gelände Schneeschuhlaufen geht, sollte so gut wie möglich für den Worst-Case gewappnet sein. Zusätzlich zur Standardausrüstung empfiehlt sich ein Lawinenairbag und natürlich ein Helm – nebst der Erstickungsgefahr drohen bei Lawinen auch schwere Verletzungen. Jedes Equipment, das die Überlebenschancen steigert, macht Sinn. Zu guter Letzt ist ein routinierter Umgang damit jedoch unumgänglich. Daher: Üben, üben, üben.

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Über Bächli Bergsport

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Credits: Titelbild Wikimedia/Dahu1, übrige Bilder Bächli Bergsport

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