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Der folgende Beitrag von Black Diamond befasst sich mit einer spannenden Frage: Wir richtest du die Karabiner deiner Exen ein – in entgegengesetzter oder gleicher Richtung? Und noch wichtiger: macht es einen Unterschied?

Ein Gastbeitrag von Chris Parker, Content Manager bei Black Diamond

In diesem Artikel befassen wir uns also mit der Ausrichtung von Expressschlingen. Wahrscheinlich ist Dir auch schon aufgefallen, dass die Meinungen von Kletterern auseinandergehen, wenn sie gefragt werden, ob die Karabiner in einer Expressschlinge entgegengesetzt oder gleich ausgerichtet sein sollen. Und wenn Du Dich beim nächsten Mal am Fels genauer umsiehst, wirst Du wahrscheinlich verschiedene Varianten entdecken.

Karabiner entgegengesetzt eingehängt
Karabiner entgegengesetzt eingehängt
Karabiner in die gleiche Richtung eingehängt
Karabiner in die gleiche Richtung eingehängt

Was ist dran? Warum befestigen manche Kletterer ihre Karabiner bewusst gegengleich an den Expressschlingen?

Auf der Suche nach Antworten haben wir uns mit verschiedenen Top-Kletterern unterhalten, die mehr Schlingen einhängen als Du zählen kannst. Die Ergebnisse haben wir gemeinsam mit Kolin Powick, unserem Climbing Category Director, überprüft, um festzustellen, ob es hinsichtlich der entgegengesetzten Ausrichtung wissenschaftlich belegbare Sicherheitsfaktoren gibt.

Wen fragen wir zuerst? Black Diamond-Athlet Joe Kinder.

Kinder ist schon seit mehreren Jahrzehnten als Sportkletterer am Fels unterwegs und hat unzählige Routen bis 9a geklettert. Nebenbei hat er einige der besten Routen des Landes entdeckt und eingebohrt. Als wir ihn nach seiner Meinung zu diesem Thema befragten hatte er schnell eine Antwort parat. „Entgegengesetzt“, erklärte er. „Ich mache das einfach deshalb so, weil meine Freunde und ich dieselben Expressschlingen verwenden. Auf diese Weise können wir sie nicht durcheinander bringen. Und weil ich mich daran gewöhnt habe, bevorzuge ich es. Ich finde nicht, dass es die Sicherheit beeinträchtigt und hatte nie ein Problem damit.“

Kletterer Joe Kinder - Bild Tristan Greszko
Kletterer Joe Kinder – Bild Tristan Greszko

Schön und gut. Joe sollte es wissen, oder? Wir haben auch den Black Diamond-Ambassador und ausgezeichneten Fotografen Tim Kemple um seine Meinung gebeten. „Entgegengesetzt. Keine Ahnung. Hab ich schon immer so gemacht“, schrieb er. Ok, aber Kemple hat wie Joe bereits 1990 oder noch früher mit dem Klettern begonnen. Vielleicht sollten wir eine weitere Meinung einholen.

Wie wär’s mit einem der besten Free-Solo-Kletterer der Welt? Ja, richtig. Wir meinen Alex „Freerider“ Honnold. Wir haben nach einem Klettertag in der Nähe von Las Vegas mit ihm unterhalten. Im typischen Honnold-Stil meinte er: „Ich glaube es macht keinen Unterschied.“ Er hat seinen Gedanken jedoch näher erklärt. Jedenfalls kurz. „Ich habe keine Vorliebe und es fällt mir auch gar nicht auf. Ich verwende meine Expressen einfach mit der Ausrichtung, mit der ich sie bekomme. Oder so, wie sie meine Kletterpartner haben.“ In anderen Worten, es ist ihm einfach egal. Klingt auch gut.

Profiathletin Barbara Zangerl (Bild: Will Saunders)
Profiathletin Barbara Zangerl – Bild Will Saunders

Und was denken Babsi und Jacopo, unser Black Diamond Bigwall-Team, darüber? Wir stellten ihnen die Frage, während sie kürzlich bei der zweiten Begehung von Magic Mushroom (8b+) am El Cap im Portaledge sassen. Jacopo wusste sofort eine Antwort: “Bei mir zeigen sie normalerweise in dieselbe Richtung. Aber ich weiss eigentlich nicht warum… ich hab das einfach schon immer so gemacht 🙂 Es gibt keinen echten Grund.” Babsi macht es Jacopo gleich und nennt als Begründung ebenfalls die Macht der Gewohnheit.

Aha. Zwei zu zwei für „entgegengesetzt“ und „gleiche Ausrichtung“. Und einer, dem es egal ist. Um diese informelle Umfrage abzurunden, wollten wir auch noch jemanden befragen, der nicht Rund um die Uhr mit Klettern beschäftigt ist, der aber gerne gelegentlich dem Genussklettern frönt. Wir haben uns an Black Diamond-Ambassador Chris Burkard, erfahrener Fotograf und Weltreisender, gewendet. Wie immer hatte Burkhard einen interessanten Standpunkt: „Bei den gekauften Expressschlingen zeigen die Karabiner immer in dieselbe Richtung“, schrieb er uns. „Für mich ist das total in Ordnung. Aber wenn ich Expressschlingen selber zusammenstelle oder für Alpinrouten herrichte, bevorzuge ich eine entgegengesetzte Ausrichtung. Vielleicht ist das aber auch nur eine Angewohnheit.“

Was uns interessierte, war ein neuer Punkt, den Burkards Antwort aufwarf. Zeigen die Karabiner gekaufter Expressschlingen meistens in dieselbe Richtung? Und noch wichtiger, hat das einen Grund? Eine schnelle Recherche in den Onlineshops bestätigte Burkhards Aussage. Die meisten Hersteller verkaufen ihre Expressschlingen mit Karabinern, deren Schnapper in dieselbe Richtung zeigen. Es gibt jedoch einige wenige Marken, die es genau andersherum machen. Und doppelt interessant ist die wenig bekannte Tatsache, dass auch Black Diamond bis vor 10 Jahren zu dieser Minderheit gehörte. In anderen Worten, wir verkauften entgegengesetzt ausgerichtete Karabiner.

Black Diamond verkaufte früher die Exen auch in entgegengesetzter Richtung
Black Diamond verkaufte früher die Exen auch in entgegengesetzter Richtung

Was hat sich geändert?

Ein meinungsstarker Kanadier, der schon damals für das Quality Control Lab zuständig war und niemals ein Blatt vor den Mund nimmt, meldete sich zu Wort. Du hast richtig gehört. Wir sprechen von unserem Kletterausrüstungsguru, Mister Quality Control, namens Kolin „KP“ Powick. KP hat zu allem eine klare Meinung. Und das aus gutem Grund. Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die so viel Zeit damit verbringen, alle nur erdenklichen Details von Kletterausrüstung zu analysieren. Als KP, ein überzeugter Karabiner-in-eine-Richtung-Verfechter, mit dem damaligen Climbing Category Director zusammentraf, hielt er sich bezüglich der Nachteile von entgegengesetzten Karabinern nicht zurück. Er ist bis heute davon überzeugt.

Hier die Auffassung von KP: „Es gibt zwei Gründe, warum Karabiner an Schlingen in dieselbe Richtung zeigen sollten. Einen wissenschaftlichen und einen mentalen“, so KP. „Der wissenschaftliche Grund besteht darin, das Du die Expressschlinge so einhängen solltest, dass der Schnapper des unteren Karabiners in die entgegengesetzte Richtung zu deiner Kletterrichtung zeigt, richtig?“ „Wenn also die Schnapper dieselbe Ausrichtung haben und ich nach rechts klettere, hänge ich die Schlinge so ein, dass die Schnapper nach links und somit die Karabinerrücken in meine Kletterrichtung zeigen.  Beim Klettern wird die Schlinge ein wenig nach oben gezogen, sodass sich der obere Karabiner an der Hakenöse leicht um seinen eigenen Rücken eindreht.  In diesem Fall ist der obere Karabiner bei einem Sturz so an der Hakenöse ausgerichtet, dass der Fangstoss genau an der richtigen Position aufgefangen wird, nämlich entlang der Hauptachse des Karabinerrückens, seiner stärksten Ausrichtung.

„Wenn die Schnapper entgegengesetzt ausgerichtet sind und ich dasselbe mache – natürlich hängt das auch ein wenig von der Ausrichtung der Hakenöse ab – aber im selben Szenario, besteht das Risiko, dass sich der obere Karabiner nach oben dreht und sich an der Stelle, an der Karabiner und Schnappernase zusammenkommen, an der Hakenöse verfängt. Im Falle eines Sturzes könnte sich dann die Hakenöse so an der Schnapper/Nase-Schnittstelle verkeilen, dass eine sehr ungünstige Belastung auftritt und sich im Extremfall der Karabiner aushängt.“ KPs Sicherheitsszenario erschien uns einleuchtend, aber wir wollten es dennoch überprüfen. Natürlich waren wir überrascht, als wir feststellten, wie leicht sich eine Expressschlinge aushängt, wenn sich der Karabiner verdreht und der Schnapper an der Hakenöse ausrichtet.

Seht Euch das an.

So kann sich das Seil aushängen
So kann sich das Seil aushängen

Und die mentale Komponente? „Jeder lernt, dass der untere Karabiner in einer Expressschlinge gegenläufig zur Kletterrichtung eingehängt werden soll“, erklärt er. „Ich habe beobachtet, dass sowohl erfahrene Kletterer als auch Anfänger wissen: wenn sie nach rechts klettern, müssen beide Karabiner, unten und oben, einfach nach links zeigen. Simple Sache.“

Und genau hier liegt laut KP der Knackpunkt.

„Wenn die Karabiner also entgegengesetzt ausgerichtet sind, klettern sie nach rechts, ok, der untere Karabiner zeigt nach links, und dann sehen sie den oberen Karabiner und dann heisst es ‘halt, stopp, wie war das nochmal’? In diesem Fall müssen sie immer darüber nachdenken, wie sie den oberen Karabiner einhängen, damit der untere in die richtige Richtung zeigt. „Das ist also der mentale Grund, warum die Schnapper in der Expressschlinge immer dieselbe Ausrichtung haben sollten“ wiederholt KP.

Zusammenfassung

Obwohl KP kein Fall bekannt ist, bei dem aufgrund gegengleich ausgerichteter Karabiner ein solches Hakenösenproblem entstanden ist, empfehlen wir den sicheren Weg.  Ausserdem, wer will schon eine Onsight-Begehung gefährden, nur weil Du erstmal darüber nachdenken musst, in welche Richtung Du Deine Expressschlinge einhängst?

Wir glauben, dass die Karabinerschnapper an den Schlingen dieselbe Ausrichtung haben sollten. Und aus diesem Grunde begann Black Diamond nach KPs Vortrag vor 10 Jahren damit, seine Expressschlingen auf diese Weise zu verkaufen. Allerdings wollten wir vor dem Abschluss dieser Nachforschungen noch einen letzten Kletterer befragen. Warum nicht mal nachhaken, was der weltbeste Sportkletterer darüber denkt?

Wir haben Black Diamond-Athlet Adam Ondra befragt – den dreifachen Weltmeister und Erstbegeher der derzeit einzigen 9c der Welt – welche Ausrichtung er bevorzugt: „Schnapper mit gleicher Ausrichtung“, antwortete er. „Ausserdem ist das beim Einhängen von Ringen (das sind typische Sicherungen im Tschechischen Sandstein) einfach sicherer.“ So Leute, so sieht’s aus. Wenn Ondras Schnapper dieselbe Ausrichtung an seinen Expressschlingen haben… sollten Deine das vielleicht auch tun.

Credits: Text und Bilder Black Diamond

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