Seine Herbstferien sehen etwas anders aus als die seiner Klassenkamerad*innen: Der zwölfjährige Leo Cea hat die schulfreie Woche in Margalef verbracht, um sich schwere Routen anzuschauen. Mit »Víctimas Pérez« gelang dem jungen Ausnahmekletterer dort nun seine fünfte 9a.
Leo Cea hat seine Herbstferien für einen Trip nach Margalef gemeinsam mit seinem Vater und seinen Geschwistern genutzt. Dort gelang dem Zwölfjährigen sein Projekt »Víctimas Pérez« (9a) sowie weitere schwere Routen, etwa »Mystic« (8c) und »La Niña Mala« (8b) – letztere im zweiten Versuch.
Fünfte 9a für Leo Cea
»Víctimas Pérez« ist Leo Ceas fünfte 9a und seine dritte 9a in diesem Jahr. Der junge Lead-Spezialist mit chilenischen Wurzeln wiederholte im August »Trip Tik Tonik« in der Gorges du Loup. Im Mai legte er mit »Tecnoqueen« in Llaillay, Chile, zudem seinen ersten FA in diesem Grad vor. »Víctimas Pérez« in Margalef stuft er jetzt als hart für den Grad ein.
Víctimas Pérez fand ich eine schwere 9a, anspruchsvoller als Trip Tik Tonik. Die schwersten Züge kommen quasi kurz vor Schluss.
Leo Cea

Erste Versuche bereits in 2024
Leo entschied sich für »Víctimas Pérez«, weil er der Route bereits 2024 während seines damaligen Projekts »Era Vella« (9a) einige Versuche gewidmet hatte. Die Linie hat viele Zwei- und Dreifingerlöcher – ein Stil, der Leo besonders gefällt. Gelegen im berühmten Sektor Racó de la Finestra kombiniert »Víctimas Pérez« mehrere Linien, darunter »Samfaina« (9a) und »Mejorando Imagen« (9a). Ramon Julián gelang im Oktober 2008 die erste Begehung.
Neben Leo Cea haben einige namhafte Kletterer*innen die Route wiederholt, darunter Jorge Díaz-Rullo, Daniel Woods, Angie Scarth-Johnson oder Adam Ondra. Der Tscheche bezeichnete die Linie als seine »absolute Nemesis« und »wahrscheinlich die 9a, die mir am schwersten gefallen ist«. Er kletterte die Linie 2020, während er »Perfecto Mundo« projektierte.

Überraschender Durchstieg am letzten Tag
Insgesamt arbeitete Leo fünf Tage an »Víctimas Pérez« und benötigte elf Versuche bis zum Durchstieg. In den ersten Tagen machte er schnelle Fortschritte und meisterte schon am zweiten Tag die schwierige Crux im Überhang kurz vor dem Ausstieg auf die Platte. Mit über 70 Zügen verlangte die Route Leo allerdings auch lange Ausdauerpassagen ab. Zudem beanspruchten die scharfen Löcher seine Haut, sodass er knapp zwei Tage pausieren musste.
Eigentlich hatte der junge Ausnahmekletterer sein Projekt für diese Saison schon abgeschrieben – zumal es am letzten Tag des Trips zu regnen begann. Im Sektor angekommen stellte er dann aber fest, dass die Wand zwar feucht, aber nicht nass war. Im zweiten Go, ganz kurz vor der Abreise, kam plötzlich alles zusammen und Leo kletterte mit erstaunlicher Leichtigkeit und Präzision bis zum Umlenker.
Ich wollte eigentlich nur die Züge üben, dann hat es auf einmal geklappt. Ich war im Durchstieg total entspannt und wollte einfach nur weiterklettern.
Leo Cea

Austausch mit anderen Profi-Kletterern in Margalef
In Margalef herrscht im Herbst Hochsaison – eine gute Gelegenheit für Leo Cea, sich vor Ort mit anderen Profikletter*innen auszutauschen. Insbesondere die gemeinsamen Versuche mit Ainhize Belar, die ihm 2024 auch einige Beta-Tipps gab, sowie ein Video der Begehung von David Bermúdez halfen ihm, die Schlüsselsequenzen von »Víctimas Pérez« zu verstehen.
Meine Vorbilder klettern zu sehen und die gemeinsamen Sessions haben mich sehr motiviert.
Leo Cea
Bei seinem Trip konnte Leo außerdem einigen seiner Vorbilder beim Klettern zusehen: darunter Jorge Díaz-Rullo, Ana Belén Argudo und Angelo Bernal. Auch mit dem Briten Tim Emmett konnte er sich kurz austauschen, der derzeit »Era Vella« projektiert – der Route, bei der Leo den Rekord als jüngster Begeher hält. Emmetts wäre mit seiner Begehung wiederum der älteste Mensch, der die Linie wiederholt hat.

Neue Heimat & Trainingsbase im Frankenjura
Im Mai diesen Jahres ist Leo mit seiner Familie von Chile ins Frankenjura gezogen – in die Wiege des Rotpunktkletterns. Auch wenn fränkische Routen normalerweise eher mit 15 bis 20 statt mit 25 Klettermetern aufwarten, ist der Zwölfjährige überzeugt: Das Training in Franken hat ihm geholfen, die physischen und technischen Herausforderungen der Routen in Racó de la Finestra zu meistern. Wie geht es in nächster Zeit weiter für Leo Cea? Erstmal steht eine Runde Training auf dem Plan:
Ich möchte mich weiterhin mit meinem Trainer Daniel Serman und im Umfeld der Frankenjura Academy weiterentwickeln.
Leo Cea
Der Deutsch-Chilene trainiert außerdem mit seinem Vorbild und Mentor Alex Megos, um sich für schwere Projekte vorzubereiten. In Franken arbeitet er aktuell an der steilen und kräftigen Route »Der Heilige Gral« (9a) am Kolosseum. Für seinen nächsten Klettertrip geht es in den Weihnachtsferien nach Arco, um dort neue Projekte zu sammeln – auf persönliche Empfehlung von Laura Rogora.
Uncut-Video: Leo Cea klettert »Víctimas Pérez« (9a)
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Credits Titelbild: Leo Cea/René Cea
Interviewfragen: Javier Cea

