Die Sommersaison neigt sich dem Ende zu. Kletterfinken, Seile und Karabiner wandern die Tage in den Keller. Damit es im nächsten Jahr keine bösen Überraschungen gibt, zeigen wir euch, wie ihr euer Equipment richtig reinigt und aufbewahrt – mit praktischen Tipps von den Profis Katherine Choong und Roger Schäli.

Ein Beitrag von Fabian Reichle – Bächli Bergsport

Vorfreude, der Winter steht vor der Tür. Während Übereifrige ihre Skis bereits im Herbst aus dem Keller kramen, frischen Wachs auftragen und den Kanten einen frischen Schliff verleihen, vergessen so manche, die sommerliche Bergsportausrüstung ordentlich zu verstauen. Das nasse Kletterseil zusammengekringelt mit den vor Dreck stehenden Bergschuhen in der feuchten Garage in die Ecke wo auch die ausgediente Autobatterie liegt, zu pfeffern, ist eine denkbar schlechte Idee.

Ausrüstung für den Bergsport ist zwar robust, besteht jedoch in der Regel aus hochtechnischen Materialien, die anfällig auf Standschäden sein können.

Ausrüstung für den Bergsport ist zwar robust, besteht jedoch in der Regel aus hochtechnischen Materialien, die anfällig auf Standschäden sein können. Aber auch augenscheinlich schlichte Gegenstände wie Pickel, Steigeisen und Konsorten danken mit längerer Lebenszeit bei sachgerechter Aufbewahrung. Die Gründe für eine saubere Lagerung von sicherheitsrelevantem Equipment dürften zudem hoffentlich logisch sein. 

Kletterseile lagert man am besten lose in einem Seilsack.
Kletterseile lagert man am besten lose in einem Seilsack.

Kletterseile lose lagern

Idealerweise verstaut ihr euer Kletterseil in einem dafür vorgesehenen Seilsack. In diesen könnt ihr euer Seil lose hineinlegen, wodurch es in seine natürliche Ausgangsform zurückkehren kann und unschöne Krangeln vermieden werden. Der Sack bietet optimalen Schutz und sollte eigentlich ausreichen, Katherine Choong geht einen Schritt weiter: «Manchmal lege ich eine Matte unter den Seilsack, um noch mehr Schutz zu haben.»

Alternativ schiesst ihr euer Seil in Schlaufenform sauber auf, das spart Platz und ist handlich. Grundsätzlich müsst ihr euer Seil dunkel, kühl und trocken lagern – fern von direkter (Sonnen-)Strahlung, Chemikalien, Hitze und mechanischer Einwirkung. Auch das Eigengewicht des Seils kann auf Dauer Schäden verursachen, hängt es daher nicht an einer Schlaufe auf, sondern legt es flach hin. Ein No-Go ist übrigens die permanente Aufbewahrung in einem Kofferraum. Die Temperaturschwankungen darin sind Gift für euer Seil.

Katherine Choong in der Route 6.4 Sekunden an der Fürenwand.
Katherine Choong in der Route 6.4 Sekunden an der Fürenwand.

Bevor das Seil überhaupt verstaut wird, müsst ihr es gründlich überprüfen und gegebenenfalls reinigen. Das beginnt mit einer optischen Inspektion. Schaut, ob offensichtliche Schäden am Mantel vorhanden sind und lasst es durch eure Hände laufen, um Verformungen zu ertasten. Offensichtlich defekte Seile gehören nicht ins Lager – diese bringt ihr am besten direkt in die nächste Bächli Filiale zum Recycling.

Ist euer Seil verschmutzt, könnt ihr es ohne schlechten Gewissens waschen. Eine schonende Handwäsche in der Badewanne mit lauwarmem Wasser und mildem Synthetik-Waschmittel bringt neuen Glanz. Zum Trocknen auf keinen Fall aufhängen oder an die pralle Sonne legen. Legt es offen an einem dunklen, kühlen Platz aus.

Kletterschuhe sollten kühl und trocken gelagert werden.
Kletterschuhe sollten kühl und trocken gelagert werden.

Schuhe möglichst trocken und kühl lagern

Feuchtigkeit und Hitze. Diese beiden Faktoren gilt es zu vermeiden. Vor allem bei Lederschuhen müsst ihr beachten, dass das organische Material nicht leidet. Ist es zu feucht, kann Leder von Schimmel befallen werden, zu hohe Temperaturen lassen es porös werden. Ausserdem begünstigt letzteres, dass sich Kleber von Sohlen lösen.

Vor allem bei Lederschuhen müsst ihr beachten, dass das organische Material nicht leidet. Ist es zu feucht, kann Leder von Schimmel befallen werden, zu hohe Temperaturen lassen es porös werden.

Vor dem Winterschlaf gönnt ihr euren Schuhen ein ausgiebiges Pflegeprogramm. Das bedeutet: Mit lauwarmem Wasser und einer Bürste reinigen, Innenfutter mit einem Schwamm ausputzen. Danach lasst ihr eure Schuhe bei Raumtemperatur trocknen, die Innenseite lässt sich prima mit aufsaugendem Zeitungspapier ausstopfen. Sind die Schuhe noch leicht feucht, imprägniert ihr sie. Achtet darauf, dass ihr bei Ledermodellen keine fetthaltige Imprägnierung benutzt, da diese das Leder aufquellen lassen. Gummibereiche könnt ihr prima mit entsprechendem Pflegematerial geschmeidig halten. Tipp: Aus der Automobilbranche gibt es dafür passende Mittel.

Gerade Kletterschuhe neigen mit der Zeit zu üblen Gerüchen. Ein alter Haushaltstrick hilft dabei – einfach die Innenseite mit Natron behandeln.

Mit einem Holzspanner haltet ihr eure Schuhe in Form. So könnt ihr sie dann auch den Winter durch einlagern.

Kontrolliere deinen Klettergurt vor der Lagerung auf mögliche Schäden.
Kontrolliere deinen Klettergurt vor der Lagerung auf mögliche Schäden.

Klettergurte auf Beschädigung inspizieren

Hier verhält es sich ähnlich wie beim Seil. Bevor du deinen Klettergurt in die Winterpause schickst, inspizierst du ihn auf offene Nähte, Risse und dergleichen. Auch scheinbar normale Verschleisszeichen können kritisch werden. «Ich überprüfe stets die Stellen, durch die das Seil läuft. Diese sollten nicht zu stark abgenutzt sein», erklärt Katherine Choong.

«Ich überprüfe stets die Stellen, durch die das Seil läuft. Diese sollten nicht zu stark abgenutzt sein»

Katherine Choong

Entdeckst du Schäden, gehört der Gurt entsorgt. Sowieso gilt bei Schäden konsequentes Handeln. Roger Schälis Trick: «Ich achte darauf, dass ich Material mit Fehlern sofort zerschneide und wegwerfe. Nicht dass ich in Versuchung komme, zweifelhafte Ausrüstung im Packstress doch wieder zu verwenden.» Ist soweit jedoch alles in Ordnung, machst du dich an Staub und Schmutz zu schaffen.

«Ich achte darauf, dass ich Material mit Fehlern sofort zerschneide und wegwerfe. Nicht dass ich in Versuchung komme, zweifelhafte Ausrüstung im Packstress doch wieder zu verwenden.»

Roger Schäli

Diesen entfernst du mit einer sanften Bürste. Danach kannst du deinen Klettergurt ohne Bedenken waschen. Feinwaschgang, 30 Grad, ohne Schleudern. Am besten steckst du ihn für die Wäsche in einen alten Kissenbezug. Verwende kein Waschmittel.

Danach gehört der Gurt wie die anderen Ausrüstungsgegenstände an einen trockenen, dunklen, kühlen Ort.

Verwende keine aggressiven Reinigungsmittel.
Verwende keine aggressiven Reinigungsmittel für die Reinigung deines Helmes.

Helme: permanente Belastung vermeiden

Helme sind relativ simpel handzuhaben. Die Oberfläche reinigst du mit einem Tuch und etwas Alkohol, die Innenteile aus Textil wäschst du wie deinen Klettergurt, wobei du durchaus Waschmittel benutzen darfst. Achte jedoch darauf, dass dieses pH-neutral ist. Aggressive Reinigungsmittel können die Kunstfasern angreifen.

Bei der Lagerung solltest du darauf achten, dass du keine Dinge auf den Helm legst. Auch wenn er im Grunde stabil ist, ist er nicht auf permanente Belastungen ausgelegt.

Ausrüstung wie Exen und Sicherungsgeräte gegebenenfalls fetten.
Ausrüstung wie Exen und Sicherungsgeräte gegebenenfalls fetten.

Ausrüstung aus Metall: Reinigen und fetten

Karabiner, Expressen, Sicherungsgeräte und Co. behandelst du mit einer Bürste. Reicht diese nicht aus, kannst du warmes Wasser zur Hand nehmen. Verzichte dabei auf fettlösende Reiniger, da diese das Schmierfett lösen und Dichtungen beschädigen.

Bei Material, das mit Textilien verbunden ist – also beispielsweise Expressen oder Klettersteigsets – kannst du ebenfalls mit blossem Wasser dreckigen Stellen entgegenwirken. Wie du mobile Sicherungen am besten pflegst, weiss Roger Schäli: «Friends und Camalots blase ich mit etwas Luftdruck aus, um sie sauber zu kriegen. Letztere pflege ich mit speziell dafür vorgesehenem Öl.»

«Friends und Camalots blase ich mit etwas Luftdruck aus, um sie sauber zu kriegen. Letztere pflege ich mit speziell dafür vorgesehenem Öl.»

Roger Schäli

Sollten Gelenke nicht mehr rund laufen und schwerfällig werden, kannst du neutrales Schmierfett auftragen und Überschüsse mit einem trockenen Tuch entfernen. Greife bitte niemals zur WD40-Dose, denn so fabelhaft diese auf Scharnieren im Alltag funktioniert, so schädlich ist es für sensible Bergsportausrüstung. Das Schmiermittel ist zu aggressiv und trocknet bestimmte Teile aus, was den Verschleiss sogar beschleunigt.

Bekleidung: Das richtige Mittelchen für technische Membranen

Bei Hosen, Shirts und Jacken sind eigentlich lediglich die Pflegehinweise von Relevanz – wie du sie im Schrank einräumst, dürfte hoffentlich selbsterklärend sein.

Technische Membranen wie beispielsweise GoreTex darfst du nicht einfach ohne weiteres in die Waschmaschine werfen. Verzichte auf Bleichmittel und Weichspüler – am besten lässt du auch dein reguläres Waschmittel links liegen und greifst zu speziellen Mitteln für Membrankleidung. Bei der Anzahl an Wäschen musst du aber keine Abstriche machen. «Ein bis zwei Mal pro Saison wasche ich meine GoreTex-Kleider», sagt Roger Schäli. Das hilft tatsächlich, damit die Membranen richtig funktionieren können.

Für deine Daunenjacke (und deinen Schlafsack) gibt es ebenfalls spezielles Waschmittel – nutze dieses. Daunen kannst du gerne im Trockner auffrischen. Einfach auf die tiefste Temperatur einstellen und maximal 20 Minuten anschleudern. Gib ein paar Tennisbälle mit in die Trommel, die sorgen dafür, dass die Daunen wieder aufgebauscht werden.

Roger Schäli in der Route Merci La Vie an der Eiger Nordwand.
Roger Schäli in der Route Merci La Vie am Eiger.

Uns sonst?

Ordnung ist das halbe Leben. Alle Tipps zur korrekten Aufbewahrung in Ehren, wenn du dein Material kreuz und quer verteilst und in der kommenden Saison nichts mehr findest, trübt das den Effort. Überlege dir also, wie du deine Ausrüstung sortieren und einlagern willst.

Kleider sind wahrscheinlich am besten in einem verschliessbaren Schrank aufgehoben, während Schuhe in einem entsprechenden Regal eine ordentliche Falle machen. Kleinkram kannst du in Kisten verstauen – wenn du multisportiv in den Bergen unterwegs bist, kannst du sogar nach Disziplinen trennen. Oder du orientierst dich an Einsatzzweck: In die Sicherungskiste kommen dann Expressen, Friends, Keile und Sicherungsgeräte.

Im Endeffekt wirst du ein System finden müssen, das für dich passt. Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Katherine Choong hat beispielsweise eine eigene Methode: «Ich versuche, das Material nach Art und wenn möglich nach Alter zu sortieren, damit ich weiss, welche Seile die Neuesten sind.»

Frisch gepflegt, fachgerecht und aufgeräumt gelagert: So kannst du dich bereits jetzt auf die nächste Sommersaison freuen.Weitere Tipps zur Materialpflege findest du auf der Webseite von Bächli Bergsport.

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Credits: Bild und Text Bächli Bergsport

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