Wenn die Australier ein neues Zelt ankünden, darf man gespannt sein. Ein Feature des Telos TR2 von Sea to Summit wird dem Firmennamen absolut gerecht: das Zelt kann auch als schattenspendende Muschel aufgebaut werden – Einsatzbereich vom Strand bis zum Gipfel eben. Doch der Reihe nach. Wir schauen uns in diesem Artikel das Zelt im Detail an und testen das Telos in den nächsten Tagen für euch in den Bergen (zweiter Artikel folgt).

Wir haben uns das Zelt geschnappt und zuerst mal den Dummy-Test gemacht: wie gut lässt sich das Zelt ohne jede Vorkenntnis und ohne Studium der Bedienungsanleitung aufbauen? Auf einer abendlichen Waldlichtung legen wir einfach mal los. Die Dämmerung bricht ein, ohne Stirnlampe sieht man bald nichts mehr und die Bise zieht auf. Möglichst im ersten Anlauf wollen wir es schaffen. Eine Bauanleitung ist zwar ideal auf dem Beutel aufgedruckt, in welchem das Zelt verstaut wird – doch eben: wir schauen bewusst weg, wollen es ohne hinbekommen.

Aufbau leicht gemacht

Das geht ganz gut. Beim Zusammenstecken des Gestänge (alles an einem Stück) kann man schonmal nix falsch machen. Dann folgt die Intuition den Farbmarkierungen an den Laschen und im Nu steht das Innenzelt. Die Clip-Verschlüsse, mit welchen das Innenzelt angehängt wird, sind ebenso selbsterklärend wie die Ausrichtung der Aussenhülle (erneut Farbmarkierungen). Doch dann bemerken wir unseren ersten und einzigen Fehler: Das Gestänge ist doch verkehrt herum, was es uns verwehrt, die Aussenhülle zentral aufzuhängen. Ausserdem bemerken wir, dass die Querstange zu wenig Spannung aufbaut. Schnell ist sie richtig rum gedreht und jetzt spannt sich das Zelt mit seinen hübschen Schultern.

Dummy-Test bestanden: das Telos lässt sich intuitiv aufbauen.

Pünktlich zum Eindunkeln bietet das Zelt den ersehnten Schutz vor dem inzwischen kühlen Wind. Den Dummy-Test hat das Zelt also vorzüglich bestanden, auch wenn wir uns nicht als die absoluten Anfänger bezeichnen würden. Dennoch: wer schonmal das eine oder andere Zelt aufgebaut hat, wird das Telos auf Anhieb hinbekommen.

Geräumiger Vorzeltbereich auf beiden Seiten

Drinnen ist es für zwei Personen erstmal nicht allzu geräumig. Doch schnell erkennt man darin den Vorteil: man wird automatisch zu einer Ordnung und einer Strategie geleitet, die ohnehin notwendig ist. Was zur geruhsamen Erholung nicht ins Innenzelt muss, bleibt draussen. Dazu bieten die beidseitig geräumigen Eingangsbereiche genug Platz. Die dreckigen Schuhe kann man gemütlich ausziehen, während man bereits im Innenzelt sitzt. Mit ins Innere kommen bloss Matte, Schlafsack, Kissen und ein Buch für die Gutenachtgeschichte.

Kein Stau dank den grossen beidseitigen Öffnungen.

Die beidseitigen grosszügigen Öffnungen sind nicht nur ein grosses Plus für Ein- und Ausstieg. Sie geben einem auch das Gefühl, schnell und nah an der frischen Luft zu sein, was ein Gefühl von Geborgenheit und Freiheit zugleich weckt. Praktisch im Liegen kann man das Tuch öffnen, seitlich hochbinden und hat so beidseitig freie Sicht auf die Umgebung. Ein bisschen wie in einem Auto mit Flügeltüren. In wenigen Handgriffen sind die Schotten wieder dicht und vermitteln das angenehme Gefühl der totalen Abkapselung von der Aussenwelt.

Auf die Luftzirkulation kommt es an

Allerdings nicht so, dass man Angst haben muss, zu wenig Luft zu erhalten oder in Kondenswasser zu ertrinken. Eine bis zu 70% effizientere Luftzirkulation verspricht STS dank der Zelt-Architektur. Da die Aussenhülle nicht bis an den Boden reicht, wird frische Luft nachgezogen, wenn die erwärmte Innenluft steigt (Baseline Vent). Die Zirkulation kann bequem liegend gesteuert werden, indem man über einen Reissverschluss am Gibel die Öffnung (Apex-Vent) bestimmt.

Das Zusammenspiel zwischen den grossen Öffnungen, Baseline-Vent und Apex-Vent führt zu einer sehr ausgeklügelten Luftzirkulation, die Feuchtigkeit effizient abführt. Wer es noch luftiger mag oder in heissen Sommernächten Quartier bezieht, kann die Aussenhülle beliebig hochbinden oder auch nur das Innenzelt aufbauen, zum Beispiel als Moskitoschutz.

Sobald das Zelt steht, fragt man sich vielleicht: wohin mit den Taschen, in welchen Innenzelt, Aussenzelt und Gestänge verstaut waren? Dazu muss man zunächst sagen: alle Einzelteile kommen im separaten Beutel daher, was es ermöglicht, das Zelt auf mehrere Rucksäcke zu verteilen. Man kann die drei Einzelpakete aber bequem auch zu einem schnüren.

Ganz getreu der maximalen Verwertung, braucht man die Beutel aber nicht wegzuräumen, sondern kann sie im Inneren zu Materialablage und Lampe umfunktionieren. Das Gestänge kommt mit einer milchigen Plastikfolie geliefert, die man auf keinen Fall als vermeintliche Verpackung wegwerfen darf! Die Folie kann nämlich zusammen mit dem Beutel in den Gibel gehängt werden, jetzt nur noch die Stirnlampe einführen und fertig ist die Deckenlampe.

Unser Fazit

Das Telos ist ein sehr vielseitiges und in jedem Detail durchdachtes, leichtes Zelt, das ideal auf zwei Personen abgestimmt ist. Im Innenraum mag es etwas kuschelig werden, doch im Vorzelt hat man genügend Stauraum. Die Architektur ist clever, Spannung kommt aufs Tuch, ohne dass man viele Heringe einschlagen oder Schnüre abspannen muss.

Das Zusammenbauen ist intuitiv und erfordert wenige Handgriffe. Auf die Luftzirkulation wird grossen Wert gelegt, was ein Gefühl nah am freien Himmel vermittelt. Andererseits dürfte das Telos nicht die erste Wahl sein für allzu stürmische Nächte. Auch die Möglichkeit, die Aussenhülle mit Hilfe von Wanderstöcken zur Strandmuschel aufzubauen, legt nahe, dass das Telos beim eher gemütlichen Freizeitausflug voll zum Zug kommt. Angepriesen wird es als 3-Jahreszeiten Zelt.

Technische Details

  • 3-Saisonzelt für 2 Personen (es gibt auch das TR3 für 3 Personen)
  • Aussen- und Innenzelt einzeln oder kombiniert aufstellbar
  • Y-förmiges Stangenende im Kopf- und Fussbereich für vertikale Zeltwände und maximales Volumen
  • Aussenzelt: Silikon/Polyurethan-beschichtetes 15D Ultra-Sil-Nylon, Innenzelt: 15D Nylon-Mesh, Wassersäule: 1’200mm
  • Zeltboden: 20D Nylon, Wassersäule: 2’500mm
  • Dimensionen: 134 x 109 x 215 cm
  • Maximale Innenhöhe: 102 cm

Das könnte dich interessieren:

Kletterschuh