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Roger Schäli zählt nicht nur wegen seiner zahlreichen Erstbegehungen an der Eiger Nordwand zu einem der weltweit besten Profi-Alpinisten und Klettersportler. Der am 8. August 1978 im schweizerischen Sörenberg geborene Bergsteiger ist auch einer der wenigen, welche die Patagonien-Trilogie des Cerro Torre, Torre Egger und Cerro Standhardt überhaupt klettern konnten. Veit Schumacher hat für Bächli Bergsport mit Roger Schäli über persönliche Schlüsselmomente und das Leben als Profiathlet gesprochen.

Ein Gastbeitrag von Veit Schumacher – Bächli Bergsport 

Was war dein ursprünglicher Berufswunsch?
Ursprünglich wollte ich Skirennfahrer werden, was aber aufgrund einer Verletzung dann leider nicht mehr möglich war (Roger stürzte im Alter von 16 Jahren 30 Meter ungebremst zu Boden und zog sich eine offene Fraktur im Bein sowie einen Bruch des Wirbelforsatzes zu und verbrachte mehrere Monate im Rollstuhl).

Als etwas handfestes stand auch Forstwart zur Debatte, aber wenn du den Förster machst, hockst du vermutlich nur noch im Büro. Deshalb habe ich später eine Ausbildung zum Zimmermann begonnen. Parallel dazu natürlich in der Skischule als Aushilfe gearbeitet, den Skilehrer gemacht und später die Bergführer-Ausbildung absolviert.

Dein persönlichster Schlüsselmoment?
Das war ganz klar mein Absturz im Alter von 16 Jahren und die damit verbundenen starken Verletzungen. Sowas prägt einen enorm, wenn man noch so jung ist. Das verändert das Risikobewusstsein, die Dankbarkeit und das Wissen, wie schnell das Leben doch vorbei sein kann. Das mit dem Sturz war schon wie eine Art Kinderschule für mich. Denn wenn man bspw. mit Ueli Steck geklettert ist, hat man natürlich gar keine Angst und denkt, dass das Leben unendlich ist.

Mein Unfall im Alter von 16 Jahren hat mich stark geprägt – Roger Schäli

Und während meiner Bergführer-Ausbildung bzw. danach beim Führen erfährst du viel über tödliche oder schwere Unfälle, da wird dir bewusst wie viel Glück man doch bisher gehabt hat. Und wenn einem nie etwas passiert, dann bist du natürlich entsprechend unbesorgt, risikobereit und ohne Angst in der Wand unterwegs.

Roger Schäli begann schon als Kind mit dem Klettern (Bild Roger Schäli).
Früh übt, wer ein Meister werden will (Bild Roger Schäli).

Die bisher schlimmste Verletzung?
Von der schweren Verletzung nach meinem Sturz einmal abgesehen, bin ich bisher meistens ohne größere Blessuren davon gekommen. Nur einmal in den Grandes Jorasses Nordwand im Mont Blanc Massive habe ich eine Eisscholle auf den Oberschenkel bekommen, als ich am Biwakplatz gerade meine Schuhe wechseln wollte. Da musste ich auch ausgeflogen werden, weil durch die Wucht des Aufpralls scheinbar eine Vene geplatzt war. Das komplette Bein ist binnen kürzester Zeit komplett mit Blut voll gelaufen. Das waren höllische Schmerzen und noch heute erinnert mich eine Delle im Oberschenkelmuskel daran. Aber allein das Geräusch des vorbeifliegenden Eisstücks werde ich wohl nie wieder vergessen.

Roger- Schäli ist bekannt für seine Vielseitigkeit
Roger Schäli ist bekannt für seine Vielseitigkeit (Bild Frank Kretschmann).

Was liegt dir mehr, das Solo-Bergsteigen oder gemeinsame Abenteuer?
Solo-Bergsteigen ist sicher cool, aber es ist doch am Ende immer irgendwie schöner, wenn man etwas mit jemandem teilen und gemeinsam erleben kann. Und auch das eigene Wissen oder die eigene Vision später als Mentor weiterzugeben. An Jung und Alt, ganz offen und locker. Und desto intensiver und mehr man kämpfen musste bei den unternommenen Touren, umso nachhaltiger wird es. So eine Sportkletterroute die versuche ich eine Woche lang und am Ende hat man sie geknackt und fertig. Wenn man aber in eine Wand einsteigt und dann bei Blitz und Donner oder Eiseskälte im Biwak hockt, sagst du Jahre später noch – ey weißt noch, geil war es damals, oder? Das ist der eigentliche Grund, wieso mich das Bergsteigen als solches so packt.

Deine wichtigste Vertrauensperson?
Als Alpinist ist man viel mit sich allein unterwegs. Ich bin zwar nicht der typische Einzelgänger, aber weil ich damals ausgebrochen bin aus dem „Schweizer Leben“ und aus dem Tal, um in die Welt hinauszugehen, ist die Vernetzung mit dem sozialen leben hier eine andere. Und weil ich ein ziemlich anti-rhythmisches Leben führe, ist der gewählte Weg als Klettersportler und Bergführer letztendlich doch ein recht einsamer – trotz weltweiter Netzwerke mit anderen Athleten und Alpinisten.

Du hast theoretisch viele Leute um dich herum, aber so ganz enge Kontakte, da musst du schon etwas für tun. Und gerade weil die besten Freunde nicht hier in Grindelwald sind und die Freundin in den USA lebt, muss man es schon ab und an aushalten können, sein eigenes Ding durchzuziehen. Das können nicht viele und erfordert große Zugeständnisse.

Hier fühlt er sich wohl - In den grossen Wänden (Bild Xandi Kreuzeder)
Hier fühlt er sich wohl – In den grossen Wänden (Bild Xandi Kreuzeder).

Wie hast Wie hast du es geschafft, dich nach deinen schlimmen Sturz wieder zurück zu kämpfen und weiter zu klettern?
Ich war 16 Jahre alt und hatte ein neues 60 Meter Seil von meinem Vater mit dem ich geklettert bin. Mein Freund ist mit einem 50 Meter Seil auf der anderen Seite abgeseilt. Ich bin eine steile 6b hoch, habe dann ausgehängt, eingefädelt und halbwegs eingebunden. Der Kollege will nachsteigen, ich lehne mich nach hinten und dann ging es fast 30 Meter nur noch abwärts. Das Ergebnis war ein offenes Bein, ein gebrochenes Bein, viele Schrammen am Rücken und ein gebrochener Wirbelfortsatz. Es folgten ein paar Monate im Rollstuhl und gut ein halbes Jahr für die Rehabilitation.

Dani Arnold und Ueli Steck, wie groß ist oder war die Konkurrenz in der Eiger Nordwand?
War nie eine da. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass ich nicht auch einmal die Zeit messe, wie schnell ich eigentlich bin. Aber ich würde nicht unbedingt so viel an Energie da hinein investieren. Denn dann würde ich nur noch das eine trainieren und nichts anderes mehr machen. Mal ganz abgesehen von dem damit verbundenen Risiko. Dafür müsste ich schon viel an gemeinsamen Kletterabenteuern in die Waagschale werfen.

Beim Gedanken an drei Saison nur für Speedbegehungen am Eiger im Gegensatz zu zehn genialen Kletterexpeditionen mit befreundeten Bergsteigern, da fällt mir die Entscheidung nicht so schwer. Und ich habe noch unglaublich viele Projekte wie bspw. das Karakorum, Baffin Island oder Klettern in Madagaskar bzw. Australien.

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Über Bächli Bergsport

Bächli Bergsport ist das führende Schweizer Fachgeschäft für Klettern, Bergsteigen, Expeditionen, Wandern, Skitouren und Schneeschuhlaufen. An derzeit 11 Standorten in der Schweiz bietet Bächli Bergsport seiner Kundschaft fachkundige Beratung und hochstehenden Service. Auf LACRUX publiziert Bächli Bergsport in regelmässigen Abständen spannende Beiträge zu den Themen Klettern, Bouldern und Bergsteigen.


Credits: Titelbild Frank Kretschmann

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