Adam Ondra ist im italienischen Val Pellice die erste Wiederholung von Elias Iagnemmas „Exodia“ (9A+) gelungen. Der tschechische Ausnahmekletterer hält den Grad 9A für angemessener – wohl auch, weil er nur vier Tage statt wie die Erstbegeher 212 Tage für die Linie benötigte.
Ondras Durchstieg von „Exodia“ ist die erst zweite Begehung des einzigen Boulders, für den jemals der Schwierigkeitsgrad 9A+ im Raum stand. Kurz nach seiner Wiederholung schlug der 33-jährige Tscheche eine Abwertung auf 9A vor. Ondra beschreibt die Linie als „absolut mein Stil“ – gefragt seien viele Heelhooks, perfekte Körperpositionen und eine extrem gute Körperspannung.
Ich war wahrscheinlich noch nie so gut in Form für einen Boulder wie „Exodia“.
Adam Ondra

Elias Iagnemma: mehr als 200 Tage für die Erstbegehung von „Exodia“
Bereits im Juni 2021 hatte sich der Italiener Iagnemma zum ersten Mal dem Projekt im Val Pellice bei Piemont angenommen, das ursprünglich ChristianCore entdeckt hatte. Vier Jahre und 212 Projekttage flossen von da an in die Linie bis zur Erstbegehung im November 2025. Dieser enorme Aufwand war auch der Grund, warum Iagnemma für „Exodia“ als erster Kletterer aller Zeiten den Grad 9A+ vorschlug. Der relativ lange Boulder besteht aus zwei Teilen, die der Erstbegeher mit 8B+ und 8C+ bewertet.
Adam Ondra, derzeit wohl in der Form seines Lebens, benötigte lediglich vier Tage, um „Exodia“ zu wiederholen. Er kletterte zwar dieselbe Sequenz wie Iagnemma, aber nutzte einige Griffe eher als Leisten statt als Zangen. Aufgrund seiner Körpergröße konnte sich Ondra außerdem einen Fußschwinger sparen und stattdessen aus einem Toehook zum nächsten Griff ziehen.

„Ich respektiere Elias‘ Vorschlag total“: warum Ondra dennoch abwertet
Bewertungen sind bei Erstbegehungen immer vorläufig – das gilt insbesondere, wenn jemand potenziell neues Terrain beim Schwierigkeitsgrad betritt. Auch Adam Ondra sieht das so: „Ich respektiere Elias‘ Vorschlag von 9A+ total“, schrieb er auf Instagram. Er verwies darauf, dass Iagnemma neben zahlreichen 8C+ Bouldern auch bereits zwei 9As wiederholt hat, darunter auch „Burden of Dreams“. „Ich hätte es genauso gemacht, wenn ich 212 Tage an der Linie gearbeitet hätte“, so Ondra.
Gleichzeitig bleibt der Tscheche bei seinem Vorschlag, den Boulder abzuwerten. Auch er selbst hat bereits eine 9A wiederholt – „Soudain Seul“, den Sitzstart des berühmten „Big Island“ in Fontainebleau. „Exodia“ schätzt Ondra als schwerer ein, aber beide Boulder sind aus seiner Sicht in der 9A Range.
Ich denke, der Boulder ist eine 9A – aber ich sage nicht, wo auf dem 9A Spektrums er liegt. Für mich fühlt sich „Exodia“ ähnlich schwer an wie „Alphane“ oder „Mount Doom“, aber es ist auch möglicherweise einfach total mein Stil.
Adam Ondra

Bewertungen bleiben immer subjektiv
Dass der persönliche Liegefaktor bei Abwertungen häufig eine große Rolle spielt, erkennt Ondra ebenfalls an. „Es würde mich nicht wundern, wenn andere Kletterer „Exodia“ schwerer finden als „Alphane“ oder „Mount Doom““, kommentierte er nach der Begehung. Beides sind 9A Linien, die der Tscheche bereits selbst probiert, aber noch nicht geschafft hat.
Mit Ondras Downgrade ist der Grad 9A+ nun vorerst vom Tisch – aber wo sich der Boulder langfristig einpendelt, kann nur die Zukunft zeigen. Adam Ondra jedenfalls hat unabhängig vom Grad nur Lob für Iagnemmas Mega-Projekt übrig:
„Exodia“ ist extrem, aber auch hautfreundlich. Der Boulder bietet gute Bedingungen, wenn es in anderen 9As zu warm wird. Ich glaube nicht, dass die Linie in Vergessenheit geraten wird.
Adam Ondra
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Credits Titelbild: Fotograf Petr Chodura, © Adam Ondra

