Cochamó für immer: Chile feiert Naturschutzerfolg

Ein neuer Kurzfilm von Patagonia dokumentiert einen der grössten Naturschutzerfolge Chiles. Er zeigt, warum das Cochamó-Tal für Kletterinnen und Kletterer weltweit so bedeutsam ist.

Bis zu 1000 Meter hohe Granitwände, über 200 erschlossene Routen, Urwälder und Wasserfälle: Das Cochamó-Tal in Chiles Region Los Lagos gilt vielen als das bedeutendste Big-Wall-Gebiet Südamerikas. Lonely Planet prägte den Beinamen »Yosemite of South America«, und die Vergleiche kommen nicht von ungefähr. Im Dezember 2025 schloss die Initiative »Conserva Puchegüín« den Kauf des Fundo Puchegüín ab und sicherte rund 133’000 Hektar unberührter Natur im Herzen von Cochamó. Der neue Kurzfilm von Patagonia erzählt jetzt die Geschichte dieses Meilensteins im Naturschutz.

Blick auf eine der ikonischen Granitwände im Cochamó-Tal. Das gesamte Gebiet steht nun dauerhaft unter Schutz. | Bild: Valentina Thenoux

Weltklasse-Granit für immer gesichert

Kletterinnen und Kletterer finden in Cochamó legendäre Routen an Orten wie Cerro Trinidad, Cerro La Junta, El Anfiteatro und El Monstruo. Die Big-Wall-Herausforderungen messen sich in Höhe und Qualität mit den Klassikern im Yosemite. Tommy Caldwell bringt es auf den Punkt: »Es ist schwer, Cochamó nicht mit dem Yosemite zu vergleichen, wegen der Qualität des Granits, der Wasserfälle und des Kletterstils, mit einem unglaublich hohen Anteil an Fünf-Sterne-Seillängen.«

Handgezeichnetes Topo mit Routeninfos von Tommy Caldwell und Sean Villanueva O’Driscoll | Bild: Austin Siadak

Der Kauf sichert nicht nur den Zugang zu diesen Wänden, sondern schützt auch die umgebende Landschaft langfristig vor Immobilienentwicklung, Landaufteilung und invasivem Tourismus. Diese drohten dem Tal seit 2022, als der Eigentümer das Fundo Puchegüín zum Verkauf stellte.

Über 78 Millionen Dollar in weniger als zwei Jahren

Die Kampagne »Conserva Puchegüín« brachte innerhalb von weniger als zwei Jahren über 78 Millionen US-Dollar zusammen. Tausende Spenderinnen und Spender aus 21 Ländern machten den Kauf möglich. Hinter der Initiative steht eine Koalition aus der chilenischen NGO Puelo Patagonia, The Nature Conservancy, der Freyja Foundation, der Wyss Foundation und Patagonia Inc.. Entscheidend war dabei, dass das Projekt vor Ort in Cochamó verwurzelt blieb und die lokale Gemeinschaft den Prozess von Anfang an mitgestaltete.

Die Gemeinschaft aus dem Cochamó-Tal setzte sich über zwei Jahre für den Schutz des Gebietes ein. | Bild: Zenon Seeliger

Seit August 2025 gehört das Fundo Puchegüín der neu gegründeten Fundación Conserva Puchegüín, einer chilenischen Non-Profit-Organisation mit unabhängigem Vorstand. Der Schutzplan sieht vor, mindestens 80 Prozent des Gebiets unter strengen Naturschutz zu stellen. Bis zu 20 Prozent bleiben nachhaltigen Nutzungen wie Landwirtschaft und umweltschonendem Tourismus vorbehalten. Dieses Modell respektiert traditionelle Lebensweisen und ermöglicht Kletterinnen und Kletterern weiterhin den Zugang.

Als sich die Chance bot, diese Region dauerhaft zu schützen, wussten wir: Das ist der entscheidende Moment.

Anne Deane, Präsidentin der Freyja Foundation

Weit mehr als ein Kletterparadies

Das geschützte Gebiet beherbergt seltene, nur dort heimische Arten wie den Huemul-Hirsch, der Chiles Staatswappen ziert, den kleinen Pudú-Hirsch, den Monito del Monte und Darwins Frosch. Es umfasst bedeutende Bestände an Alerce-Bäumen, jenen uralten Nadelbäumen, die als natürliche CO₂-Speicher eine zentrale Rolle im Klimaschutz spielen. Der Kauf schliesst eine entscheidende Lücke zwischen bestehenden Schutzgebieten: Laut The Nature Conservancy verbindet er rund 1,6 Millionen Hektar geschützter Flächen in Chile und Argentinien zu einem der bedeutendsten biologischen Korridore Lateinamerikas.

Das Fundo Puchegüín umfasst Flüsse, Urwälder und Feuchtgebiete und schliesst eine Lücke zwischen bestehenden Schutzgebieten. | Bild: José Miguel Calvo

Gleichzeitig sichert der Erwerb kulturelle Praktiken und traditionelle Lebensweisen in einem Gebiet, das ein Drittel der Gemeinde Cochamó ausmacht. Die dort lebenden Siedlerfamilien bewirtschaften das Land seit über hundert Jahren.

Traditionelle Hütte vor den Granitwänden von Cochamó. Der Schutzplan sichert auch die Lebensweise der lokalen Bevölkerung. | Bild: Rodrigo Manns

Der Film: »Cochamó por Siempre«

Der rund vierminütige Kurzfilm erzählt die Geschichte dieses Naturschutzerfolgs aus der Perspektive derjenigen, die ihn möglich machten. Der irisch-belgische Profi-Kletterer Sean Villanueva O’Driscoll führt als Erzähler durch den Film. Auch Tommy Caldwell kommt zu Wort. Beide reisten Anfang 2025 gemeinsam nach Cochamó, um dort zu klettern und die Kampagne »Conserva Puchegüín« aktiv zu unterstützen. Caldwell, der vor seinem Besuch bereits ankündigte, sich für den Schutz des Tals einzusetzen, bezeichnete Cochamó danach in mehreren Interviews als »in vielerlei Hinsicht besser als Yosemite«. Der Film verbindet Bilder der ikonischen Granitwände mit Stimmen der lokalen Gemeinschaft und zeigt, wie eng Naturschutz und Klettern in Cochamó zusammengehören.

Sean Villanueva O’Driscoll spielt seine Tin Whistle, Tommy Caldwell ruht sich daneben aus. Die beiden reisten Anfang 2025 gemeinsam nach Cochamó. | Bild: Austin Siadak

Der endgültige rechtliche Schutz des Gebiets steht allerdings noch aus. Dank des neuen chilenischen Gesetzes über Biodiversität und Schutzgebiete (SBAP) arbeitet die Stiftung daran, langfristige Schutzmechanismen zu verankern. Andrés Diez, Geschäftsführer von Puelo Patagonia, sagt dazu: »Wir wissen, dass es Zeit brauchen wird, bis ein endgültiger rechtlicher Schutz erreicht ist, und dass dieses Projekt gerade erst am Anfang steht. Wichtig ist, dass es heute ein klares Bekenntnis und einen gemeinsamen Weg gibt, um den langfristigen Schutz zu gewährleisten.«

Hier geht’s zum Film:

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Credits: Titelbild: Austin Siadak

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