Die Ausbaupläne für weitere Pisten und Liftanlagen im Gletscherskigebiet »Pitztaler Gletscher« müssen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen werden. Der Österreichische Alpenverein begrüßt das Urteil, in dem das Höchstgericht ausdrücklich den Schutz von Gletschern und hochalpinen Regionen hervorhebt.
Eine lange Debatte – Der Fall »Pitztal«
Die Auseinandersetzung um die geplanten Neuerschließungen im Gletscherskigebiet Pitztal reicht inzwischen mehrere Jahre zurück. Im Mai 2015 wurde erstmals ein Formaler Antrag bei der Tiroler Landesregierung für eine Erweiterung des Skigebiets Pitztal und einen möglichen Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscherskigebiet eingereicht, die auch bislang unberührte Bereiche rund um den Karlesferner einbezogen. Ab 2016 formierte sich deutlicher Widerstand von Umweltorganisationen und alpinen Verbänden, die vor den massiven Eingriffen in Gletscher- und Hochgebirgsräume warnten. Auf die Debatte folgten erste rechtliche Auseinandersetzungen. Dadurch wurde das Projekt zu einem Symbolkonflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen des Wintertourismus und dem Schutz alpiner Naturräume.
Ursprüngliches »Mega-Projekt« gescheitert – Was wird nun geplant?
Das aktuelle Verfahren betrifft die geplante Erweiterung des bestehenden Skigebiets »Pitztaler Gletscher« mit Erschließung des bisher unberührten Karlesferners. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem ursprünglichen Mega-Projekt einer »Gletscherehe« zwischen Pitztal und Ötztal, das 64 Hektar neue Pistenflächen sowie drei Seilbahnen vorsah. Dieses Großprojekt scheiterte endgültig im Juli 2022 nach einer knappen Volksabstimmung in St. Leonhard im Pitztal (50,36% Nein-Stimmen) und einem negativen Behördenbescheid im November 2022. Naturschutzorganisationen befürchten jedoch, dass die seit 2023 bekannten neuen Pläne zur Erweiterung des Pitztaler Gebiets – die nur etwa 100 Meter vor der Grenze zum Ötztal enden – einen »Zusammenschluss durch die Hintertür« ermöglichen könnten.

Wirtschaftliche Entwicklung vs. Naturschutz
Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat im Dezember 2025 als letzte Instanz im Fall »Pitztal« entschieden, dass die Bauvorhaben im Gletscherskigebiet UVP-pflichtig sind. Damit bestätigt er das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) vom Juni 2025. Schon damals stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die Ausbaupläne am Pitztaler Gletscher einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen sind. Die daraufhin eingebrachte Beschwerde der Projektbetreiber vor dem Verwaltungsgerichtshof zeigte deutlich den Konflikt zwischen wirtschaftlichen Entwicklungsinteressen und dem Schutz hochalpiner Naturräume auf.
Der VwGH begründet die Entscheidung damit, dass der Karlesferner als eigenständiger und vom Mittelbergferner getrennter Gletscher zu betrachten sei. Da der Karlesferner bisher nicht erschlossen ist, sei eine UVP klar durchzuführen. Die Zielsetzung des Gesetzgebers hinsichtlich Gletscherskigebiete sei der Schutz von Gletschern und hochalpinen Regionen.

Alpenverein sieht klares Signal für den Schutz hochalpiner Räume
Der Österreichische Alpenverein begrüßt das Urteil als wichtigen Schritt für den alpinen Naturschutz. Präsident Wolfgang Schnabl spricht von einem »starken Zeichen für den Umweltschutz«, das klarstellt, dass gerade im hochalpinen Raum sehr hohe Prüfstandards gelten müssen. Auch Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz, unterstreicht die Bedeutung der UVP-Pflicht: Als anerkannte Umweltorganisation könne sich der Alpenverein nun aktiv in ein allfälliges Verfahren einbringen. »Letztlich geht es bei den Ausbauplänen nicht um Anpassungen innerhalb des Skigebiets, sondern um die erstmalige skitechnische Erschließung bisher unberührter Gletscher«, so Dagostin.
Kritik an Tiroler Gletscherpolitik und Warnung vor weiteren Erschließungen
Zugleich wiederholt der Alpenverein seine Kritik an der Tiroler Landesregierung. Die sogenannte »Gletscherschutzverordnung« aus dem Jahr 2006 habe den Weg für umstrittene Projekte im Pitztal und Kaunertal erst ermöglicht und müsse aufgehoben werden. Gletscherflächen, Vorfelder und Moränen seien dauerhaft vor technischen Eingriffen zu schützen. Die aktuelle Entscheidung habe daher über das Pitztal hinaus Bedeutung: Was für den Karlesferner gilt, muss laut ÖAV umso mehr für den stark bedrohten Gepatschferner im Kaunertal gelten. Die Politik sei gefordert, den Wert hochalpiner Naturräume endlich anzuerkennen und rechtlich abzusichern.
Was denkt ihr zu dem »Mega-Projekt« und der Debatte? Müssen Skigebiete ausgebaut werden oder sollte der Schutz von Gletscher- und Hochgebirgsräumen im Vordergrund stehen? Schreibt es uns in die Kommentare!
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Credits: Titelbild: Ann-Katrin Winkler/WWF


was ist 9b+?? Das hat mir keiner erklären können!
Kommt dorthin ein Notar, fotografiert, vermisst und bewertet (nach welchen Kriterien/ Griffabstände? Grifftiefen? Griffoberflächen? Griffausprägung? usw…).
Wegen der Klimaerwârmung werden die Alpengletscher in den nâchsten 50 bis 100 Jahren alle abschmelzen.Warum soll man diese Räume nicht jetzt und in den nächsten Jahren zum Skilaufen nutzen und so den Tourismus und die Erholung ermöglichen, insbesondere vor dem Hintergrund,das tieferliegende Skigebiete zukûnftig schließen werden.
Wem soll der Gletscherschutz denn dienen,wenn er dahin schmilzt?
Ein begeisterter langjâhriger Skisportler aus Trier.