In Europa liegt nicht nur die Wiege des modernen Bouldersports – hier gibt es wohl auch die meisten und vielseitigsten Bouldergebiete. Ein Überblick über unsere Top 7 mit allen Infos zur besten Saison, Auswahl und örtlichen Besonderheiten.
Bouldern boomt nicht nur in den Hallen, sondern auch am Fels. Bis in die südafrikanischen Rocklands oder ins Yosemite Valley muss man dafür aber nicht fahren: Denn in Europa gibt es eine Auswahl von Bouldergebieten, die in punkto Vielseitigkeit ihresgleichen sucht.
Wir haben euch eine Top 7 für den nächsten Bouldertrip zusammengestellt – von skandinavischem Granit bis zu spanischem Sandstein.
Platz 7 – Västervik, Schweden
Schwedens Boulder-Hotspot Nummer 1. Mit über 1.500 Problemen in vier Sektoren bietet Västervik direkt an der Ostseeküste ein ganz besonderes Boulder-Ambiete für alle, denen 8B schwer genug ist.
Das Gebiet liegt ca. 200 km südlich von Stockholm und lässt dank gemäßigtem Meeresklima ganzjährige Boulder-Sessions zu. Wer es sich bei der Planung aussuchen kann, hat im Herbst allerdings die besten Bedingungen.
- Gesteinsart: Gneis, Granit
- Schwierigkeiten: 4 bis 8B
- Hier bekommt ihr: eine besondere Boulder-Atmosphäre direkt an den Klippen der Ostsee
- Hauptsaison: Herbst
Platz 6 – Silvretta, Österreich
Ein familienfreundliches Sommerziel oberhalb von Galtür in Tirol. Rund 600 Linien verteilt auf 13 Sektoren bieten eine breite Auswahl für Anfänger*innen bis Profis, die sich dort auch an offenen Projekten versuchen können. Im Sektor Sekten gibt es zudem vier Parcours – ähnlich dem Vorbild aus Fontainebleau.
Dank der Lage auf einer Höhe von 2.000 bis 2.300 Metern an einem Nordhang trocknen die freistehenden Blöcke auch nach einem Regenschauer schnell ab. Bei zu starkem Schneefall wird das Gebiet allerdings schnell unzugänglich und unsicher für Besucher.
- Gesteinsart: Gneis, Granit
- Schwierigkeiten: 1 bis 8C
- Hier bekommt ihr: gute Reibung auch im Hochsommer dank hochalpiner Lage
- Hauptsaison: Frühjahr bis Herbst
- Besonderheiten: teilweise verblockt – Spotter unbedingt erforderlich
Platz 5 – Zillertal, Österreich
Das Zillertal ist nicht nur für seine zahlreichen Sportkletterrouten bekannt, sondern auch für seine rund 1.000 Boulder, die sich auf etwa 20 Sektoren verteilen. Dazu gehören allen voran der Sundergrund, der Ginzlinger Wald, die Zemmschlucht oder die Kaseler Alm
Als Bouldergebiet erfreut sich das Zillertal mittlerweile starker Beliebtheit, weshalb Besucher*innen örtliche Regeln unbedingt beachten müssen. Wie in den meisten europäischen Boulder-Hotspots ist auch das Wildcampen dort mittlerweile streng untersagt.
- Gesteinsart: Granit, Gneis, seltener Kalk
- Schwierigkeiten: 3A bis 8C
- Hier bekommt ihr: eine feine Auswahl an Granitbouldern, teils vor malerischer Alpenkulisse
- Hauptsaison: Frühjahr bis Herbst
- Besonderheiten: erhöhte Nutzungskonflikte mit Anwohnern und Landwirten – nur ausgewiesene Parkplätze und Wege nutzen!
Platz 4 – Magic Wood, Schweiz
Der magische Wald im Averstal lockt seit rund 25 Jahren Boulder*innen in die Schweizer Alpen – und längst nicht mehr nur die, die im 8. Grad unterwegs sind. Magic Wood hat sich mittlerweile für Boulder*innen aller Levels zu einem der beliebtesten Bouldergebiete Europas entwickelt.
Insbesondere im Sommer bietet das Tal eine ideale Abkühlung und ab Abends auch gute Bedingungen für reibungsabhängige Projekte. Besonders schmackhafte Linien sind im Topo als »Erdbeeren« markiert, die es sich im gesamten Wald zu pflücken lohnt – ganz unabhängig vom Schwierigkeitsgrad.
- Gesteinsart: Granit
- Schwierigkeiten: 5 bis 8C+
- Hier bekommt ihr: ästhetische und kräftige Granitboulder in einzigartiger Atmosphäre
- Hauptsaison: Sommer
- Besonderheiten: Wegen des Geländes und akuter Absturzgefahr nicht ideal für Familien mit kleinen Kindern
Nachhaltig Bouldern – mit diesen Tipps
Jedes Jahr strömen immer mehr Besucher*innen in Europas beliebteste Bouldergebiete. Nicht alle halten sich dabei immer an die Regeln – deshalb gibt es vielerorts Konflikte mit Anwohnern und den Naturschutzbehörden, teils drohen sogar Zugangsverbote.
Damit diese einzigartigen Boulderspots langfristig erhalten bleiben, sollten sich Boulder*innen vorab über die Gegebenheiten informieren und die Vorgaben vor Ort respektieren. In unserem Knigge für das Bouldern am Fels findest du Tipps, worauf es dabei ankommt.
Platz 3 – Albarracín, Spanien
»Spaniens Fontainebleau« lockt mit vielseitigen Sandstein-Linien sowohl Sloper- als auch Leisten-Enthusiasten. Das beliebteste Bouldergebiet der iberischen Halbinsel liegt in der Provinz Teruel und ist besonders für sein typisch rötliches Gestein bekommt.
Zwar gibt es auch eine Auswahl leichter und extrem schwerer Linien, aber hier kommen vor allem Boulder-Fans im 6er und 7er Bereich auf ihre Kosten. Durch die hohe Lage kann es hier im Winter durchaus zu frostigen Bedingungen inklusive Schnee kommen. Im Hochsommer herrschen dafür klassische Spanien-Temperaturen, weshalb Frühjahr und Herbst die beste Zeit für einen Besuch sind.
- Gesteinsart: roter Sandstein
- Schwierigkeiten: 4 bis 8C
- Hier bekommt ihr: vielseitige Kinglines im 6. und 7. Grad in Rocklands-Optik
- Hauptsaison: Frühling & Herbst
- Besonderheiten: Aufgrund des Umweltschutzes darf nur in bestimmten Zonen gebouldert werden.
Platz 2 – Fontainebleau, Frankreich
Das Mekka für Technik-Liebhaber, aber eigentlich auch für alle anderen. Fontainebleau bietet als historische Wiege des Bouldersports unzählige Klassiker und aufgrund der enormen Auswahl für jede*n ein Projekt.
Die Region südlich von Paris ist außerdem eins der am besten erschlossenen Bouldergebiete der Welt. Mehr als 30.000 Boulderprobleme ziehen jedes Jahr Tausende Boulderer aus aller Welt nach »Bleau« etwa eine Stunde südlich von Paris. Das Gebiet eignet sich dank guter Absicherung und breiter Auswahl auch gut für Familien mit Kindern.
- Gesteinsart: Sandstein
- Schwierigkeiten: 1 bis 9A
- Hier bekommt ihr: die wohl größte Auswahl an Bouldern in Europa sowie viele leichte Parcours
- Hauptsaison: Frühling & Herbst
- Besonderheiten: Aufgrund der Ausbruchgefahr ist das Bouldern am nassen und selbst feuchtem Sandstein nicht gerne gesehen. Im gesamten Wald sind außerdem offene Flammen verboten – ja, auch Zigaretten zählen dazu.
Platz 1 – Tessin, Schweiz
Die unangefochtene Nummer 1 für den Boulderurlaub in Europa. Mit den Gebieten Cresciano, Chironico und Brione besticht das Tessin sowohl in punkto Qualität als auch Quantität mit spektakulären und einzigartigen Kinglines.
Auch wenn absolute Anfänger*innen in Fontainebleau deutlich mehr auf ihre Kosten kommen, hält das Tessin eine breite Auswahl von Bouldern im 6. bis 8. Grad parat. Hinzu kommen legendäre Klassiker wie »Dreamtime« (8C) oder »Off the Wagon« (8B+), die die Entwicklung des schweren Outdoor-Boulderns geprägt haben.
- Gesteinsart: Granit
- Schwierigkeiten: 5 bis 9A
- Hier bekommt ihr: ästhetische, kräftige Linien an feinstem Granit
- Hauptsaison: Frühjahr (Brione), Herbst & Winter (Chironico & Cresciano)
- Besonderheiten: teils fordernde Zustiege, ausgewiesene Parkplätze & Wege
Unter dem Radar: Bouldern abseits der Massen
Es gibt natürlich noch viele weitere Gebiete in Europa, für die sich ein Boulderurlaub lohnt. Weil wir hier nicht alle nennen können, haben wir »ehrenhafte Erwähnungen« abseits der Top 7 gesammelt. Diese Gebiete bieten auch abseits der beliebten Hotspots einzigartige Boulderei.
- Maltatal, Österreich: Wer im 7. und 8. Grad unterwegs ist und gerne Gneis-Leisten festhält, ist im sonnigen Maltatal der Ostalpen genau richtig. Rund 300 Linien sind dort geboten – alternativ auch rund 350 Sportkletterrouten mit eher kurzem Zustieg.
- Sustenpass, Schweiz: Ideale Granit-Auszeit zum Hochsommer auf mehr als 2.200 Metern Höhe. Erschlossen ab Ende der 90er Jahre, hat sich der Sustenpass zum Geheim-Tipp für die Sommersaison am Fels entwickelt – vor hochalpinem Panorama.
- Gotthardpass, Schweiz: Noch ein hochalpines Reiseziel für warme Sommertage: 400 bis 500 Probleme in einer Höhe von mehr als 2.000 Metern bieten spannende Granit-Boulderei für alle, denen es im Tal zu warm ist.
- Varazze, Italien: Liguriens Top-Adresse für Boulderer im 7. Grad und aufwärts. Etwa 1.400 Granit-Probleme finden sich rings um die Ortschaft Alpicella, deren Grip von Oktober bis März am besten ist.
- Frankenjura, Deutschland: Zwar eher als Seilkletter-Hotspot bekannt, bietet aber Pocket-Liebhabern ab dem 6. Grad kräftige Boulderei an fränkischem Kalk. Wer kein Problem mit Sitzstarts hat und nach dem Fels gerne zünftig einkehrt, ist hier genau richtig. Achtung: Aufgrund des Boulderappells gibt es keinen offiziellen Boulder-Topo für das Frankenjura.
- Petrohrad, Tschechische Republik: Wer sich an den Granit von Petrohrad wagt, muss ordentlich Haut mitbringen. Belohnt werden Besucher*innen dann aber mit über 3.000 Linien sämtlicher Schwierigkeitsgrade nicht weit von der deutsch-tschechischen Grenze. Das Gebiet nördlich von Pilsen ist nicht nur gut für einen Wochenendtrip erreichbar, sondern bietet auch noch enormes Potenzial für Neuerschließungen.
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