Alexander Megos beendet Kletterkarriere – und plant die Seven Summits | Aprilscherz!

Der 32-jährige Erlanger gibt das Sportklettern auf und setzt sich ein neues Ziel: die sieben höchsten Gipfel der Welt – bis er 35 ist. Im Interview erklärt er, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Es ist eine Nachricht, die die Kletterszene überraschen dürfte: Alexander Megos, einer der stärksten Sportkletterer der Welt, zieht sich aus dem Wettkampf- und Sportklettern zurück. Statt weiterhin auf Olympia 2028 hinzuarbeiten, bei den Welt Cups zu starten oder neue Routen im Extrembereich zu projektieren, will sich der Profisportler in den nächsten Jahren dem Bergsteigen widmen. Dabei hat er ein konkretes Ziel: die Seven Summits, also den höchsten Gipfel aller sieben Kontinente.

Ich habe mich entschieden, mich ein bisschen früher als gedacht, dem Bergsteigen zu widmen.

Alexander Megos

Der Entschluss kam nicht von heute auf morgen. Schon im vergangenen Jahr hatte er erste Ausflüge ins alpine Gelände unternommen – ohne dass die Öffentlichkeit davon wusste. Gemeinsam mit seinem Freund Chris Hanke bestieg er unter anderem den Ortler, einen 3905 m hohen Berg in den Alpen.

Hier gehts direkt zum Video:

Von 9c Projekten auf die höchsten Gipfel

Als Grund für den Wechsel nennt Megos neben anhaltenden Fingerproblemen vor allem den schwindenden Antrieb: »Ich habe irgendwie keinen Bock mehr aufs Klettern. Ganz ehrlich.« Diese Ehrlichkeit mag überraschen, doch Megos legt nach: Schon das letzte Jahr habe er sich immer wieder gefragt, ob es nicht Zeit für etwas Neues sei. »Und ich glaube ja, ich bin ja quasi noch jung als Bergsteiger. Deswegen: Warum nicht?«

Kaum zu glauben: Auch das Felsklettern will er fürs erste hinter sich lassen. | Bild: Archiv Alexander Megos

Der Plan: Seven Summits bis 35

Megos hat sich nicht nur ein vages Ziel gesetzt, sondern bereits eine konkrete Reihenfolge im Kopf. Los geht es mit dem Mont Blanc – »weil er ums Eck ist und vom Anspruch her noch nicht so groß«, so der erlanger Profiboulderer. Anschließend soll der Kilimandscharo folgen, dann Aconcagua und Denali. Für die Besteigung des Mount Everest braucht er zunächst ein Permit, das eine erfolgreiche Besteigung eines Siebentausenders voraussetzt – auch das ist bereits eingeplant. Den Abschluss bilden Mount Vinson in der Antarktis sowie Puncak Jaya in Ozeanien und zuletzt der Everest selbst.

Sein Zeitplan: er will alle sieben Gipfel bis zu seinem 35. Geburtstag in der Tasche zu haben. »Es wird sicher nicht leicht, aber es sollte realistisch sein«, sagt er.

Training und Finanzierung

Megos Kletterpartner Christoph Hanke soll zumindest bei einem Teil der Gipfel dabei sein. »Ich glaube schon, dass er mich bei mindestens der Hälfte der Berge begleiten wird.« Ob Hanke auch beim Everest mit von der Partie ist, sei noch offen.

Alex zeigt uns während dem Interview Bilder von der Ortler Tour mit Chris Hanke. | Bild: Lacrux

Die bisherige Vorbereitung lief im Verborgenen: Gemeinsam mit Hanke bestieg Megos letztes Jahr den Ortler, außerdem unternahmen die beiden mehrere Touren um Chamonix. »Einfach um alpine Erfahrungen zu sammeln.« Dass diese Ausflüge als Vorbereitung auf etwas Größeres dienten, hatte er bewusst für sich behalten. »Ich wollte nicht zu früh Erwartungen wecken.«

Für die Finanzierung des Vorhabens plant Megos, seinen Anteil an der Frankenjura Academy in Forchheim zu verkaufen – der Kletterhalle, die er 2024 eröffnet hat. »Ich tue mich auch schwer, mich von der Halle zu trennen, weil es ja schon so ein bisschen auch ein Baby geworden ist.« Doch er sieht keine andere Möglichkeit: Beides parallel zu machen – Bergsteigen auf diesem Niveau und gleichzeitig eine Kletterhalle zu betreiben – wäre weder dem Sport noch der Halle gegenüber fair.

Kommentar von Sportmediziner Dr. Volker Schöffel

Megos‘ Physiotherapeut, der Sportmediziner Dr. Volker Schöffel steht dem Projekt mit gemischten Gefühlen gegenüber, unterstützt es aber. »Irgendwann muss man halt auch mal einsehen, dass der Peak vorbei ist und es geht dann auch nicht mehr weiter. Und dann finde ich es auch richtig, dass man sich neue Ziele sucht.« Der Everest sei ein ernstes Unternehmen. Die Trainingsarbeit sei klar: Megos müsse Gewicht zulegen, die Beinmuskulatur aufbauen und sich im Höhenzelt akklimatisieren. »Von den Spargelbeinen müssen wir weg«, formuliert er es ganz direkt. Technisch sieht er keine größeren Probleme. Schöffel gibt sich überzeugt: »Das packt der«.

Sportmediziner Dr. Volker Schöffel unterstützt Megos bei der Vorbereitung auf die Seven Summits. | Bild: Lacrux

Nachhaltigkeit: Der blinde Fleck

Megos hat sich in der Vergangenheit klar für Klimaschutz ausgesprochen und für Wettkämpfe bewusst aufs Fliegen verzichtet. Nun muss er für die Seven Summits mehrfach um die Welt reisen. Er räumt den Widerspruch ein, rechtfertigt ihn aber: Einen solchen Gipfel zu erklimmen sei etwas ganz besonderes – nicht zu vergleichen mit einem Weltcup-Trip. »Man muss auch mal ab und zu auf sich schauen.«

Ein neues Umfeld für Megos, weg vom Fels und hinein in alpines Terrain. | Bild: Archiv Alexander Megos

Ob Megos die Seven Summits tatsächlich alle schafft, bleibt abzuwarten. Der Everest allein ist logistisch, finanziell und physisch eine andere Kategorie als alles, was er bisher gemacht hat. Doch eines ist klar: Die Entscheidung ist gefallen, der Plan steht – und Megos klingt so entschlossen wie eh und je.

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Credits: Titelbild Lacrux

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