Technisch komplett daneben: Die 4 kultigsten Kletter-Trash Filme

Explosionen und fette Partys auf dem K2, Messerkämpfe beim unfreiwilligen Free Solo, ein einsames Portaledge in der Wand und eine Bohrhakenpistole. Manche Filme handeln zwar vom Klettern, wirklich beschäftigt mit dem Thema scheinen sich die Produzent:innen aber nicht zu haben – dieser Artikel zeigt unser Best-of der unrealistischen Kletterfilme.

Was für viele actionreiche Unterhaltung ist, kann für Kletternde oder Alpinist:innen unbeabsichtigt zu einem tollen und sehr unterhaltsamen Trash-Film werden. Inzwischen gibt es wirklich gute Filme und Dokumentationen übers Klettern. Trotzdem sind Kletter- und Sicherungstechniken, alpines Verständnis und richtiger Umgang mit Ausrüstung scheinbar noch nicht zwingend in Hollywood angekommen. Wir haben in einige, in der Community bekannte, Filme reingeschaut und sie haben uns im Punkt Kletter-Trash nicht enttäuscht. 

Vertical Limit (2000)

Die Beliebtheit des Filmes ist hoch! Ein absoluter Klassiker, der innerhalb der Community vor allem wegen technischer Lächerlichkeit berüchtigt ist. Und tatsächlich muss man sich nur die Opening-Sequenz ansehen, um das ein oder andere Mal über die Kletter- und Sicherungstechnik herzlich zu schmunzeln. Immerhin schaffte es der Film aber doch 215 Millionen Dollar einzuspielen. Free‑Solo-Legende Alex Honnold nennt die Eröffnungsszene »schrecklich und wahrscheinlich die schlimmste Kletterszene in ganz Hollywood.«

Der Film ist ein explosives Drama auf 8.000 Metern. Nachdem sein Vater in einer dramatisch überzeichneten Anfangsszene stirbt, muss Peter Garrett seine Schwester retten, die beim K2-Abenteuer mit einer Millionärsexpedition in einer Gletscherspalte festsitzt.
Darauf folgen wilde Sprengstoffaktionen, verrückte Stunts und alpinistische Fails.
Nitroglycerin wird in Rucksäcken durch Lawinen getragen, Seile reißen und Helikopter fliegen mit Tempo 300 knapp über Grate.

Der Film wird professionelle Alpinist:innen und Kletternde in den Wahnsinn treiben oder unheimlich Amüsieren, je nachdem ob man unrealistischen Umgang mit Ausrüstung und Sicherungstechniken aushalten kann. 

Vertical Limit - Bild: Movieclips Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Q0gx_D--iDw
Vertical Limit – Bild: Movieclips Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Q0gx_D–iDw

Fall (2022)

Dieser Film wurde von der Reddit Community (r/climbing) komplett zerrissen,  »Realismus 1/10« heißt es unter anderem. Trotz unzureichender Recherche übers Klettern erhielt der Low-Budget-Film 79% auf Rotten Tomatoes.

In »Fall« geht es um die Freundinnen Becky und Hunter. Im Opening des Films sehen wir wie Beckys Mann Dan ein Jahr zuvor beim Klettern abstürzt und stirbt. Das Paar ist simultan in einer Big Wall unterwegs und legt ab und an mal einen einzelnen Cam – wie sie diese wieder aus der Wand bekommen wollen, immerhin steigt niemand nach, ist uns schleierhaft. Als Dan stürzt und beide auf je einer Seite des schlecht platzierten Cams hängen, bittet er Becky sich auszuhängen – das Seil ist nicht an den Gurt geknotet, sondern mit einem Karabiner eingehängt. Seine Frage, ob sie gesichert ist bezieht sich hier nicht auf einen Stand, sondern darauf, ob sie sich gut festhält. Hunter ist währenddessen neben dem Paar Free Solo unterwegs.
Ihr denkt euch jetzt »Hä«? Ja wir auch. Und das ist nur das Intro.

Fall Cam Placement - Bild: Lionsgate Movies Youtube https://www.youtube.com/watch?v=iSspRSGc4Dk
Fall Cam Placement – Bild: Lionsgate Movies Youtube https://www.youtube.com/watch?v=iSspRSGc4Dk

Cliffhanger (1993)

Cliffhanger – nur die Starken überleben ist ein US-amerikanischer Action- und Abenteuerfilm aus dem Jahr 1993. In der Hauptrolle: Sylvester Stallone. Der Film wurde für 3 Oscars nominiert und hat einen gewissen Kult Status – auch in der Kletterszene.

Gabe Walker ist unbestritten der beste Mann der Bergwacht in den Rocky Mountains. Nach einem traumatischen Ereignis schwört er, nie wieder einen Fuß in die Rocky Mountains zu setzen. Als jedoch ein Flugzeug in seinem ehemaligen Revier abstürzt, will Walker die Opfer retten. Die entpuppen sich dann aber als brutale Gangster, die eine abgestürzte Geldladung bergen wollen. Also beginnt ein actionreiches Katz- und Mausspiel in den Rocky Mountains.
Hierbei klettert Walker mit bloßen Händen einen gefrorenen Wasserfall nach oben und schneidet mit seinen Steigeisen ein Kletterseil durch. Der Favorit unter vielen Kletternden ist bei diesem Film jedoch die Bohrhakenpistole, mit der Bohrhaken direkt in die Wand geschossen werden. 

Definitiv sehr unterhaltsam, und mit der Pistole der Traum für den ein oder anderen Routesetter. Für einen regnerischen Popcorn Abend beim Campen wird der Film von der Community wärmstens empfohlen.

Cliffhanger - Bild: StudioknalUK Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Lr9aPhIjxFc
Cliffhanger – Bild: StudioknalUK Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Lr9aPhIjxFc

The Ledge (2022)

Ein Thriller am Fels. Und für Freunde des Klettersports umso gruseliger. In »The Ledge« zeichnet Kelly den Mord an ihrer besten Freundin auf und wird so zum Ziel einer eingeschworenen Gruppe, die alles tut, um Beweise und Zeugen zu beseitigen. Sie flieht nun – ganz klar – die steile Dolomitenwand nach oben. Die Gruppe Männer schafft es sie zu überholen und Kelly sitzt – nach einem beeindruckenden Free Solo –  auf einem Portaledge fest, welches günstigerweise in der Wand vergessen wurde.
Ein Highlight ist auch der Messerkampf ums überleben – natürlich ungesichert!

Auf Rotten Tomatoes bekommt der Film 31%. »So schlecht, dass es fast schon wieder gut ist« heißt es auf IMDB. Für jede:n der noch nie einen Cam gesetzt hat: Bitte hier kein Beispiel nehmen. 

The Ledge - Bild: Filmrecaps Youtube https://www.youtube.com/watch?v=U9SKlvAsgFA
The Ledge – Bild: Filmrecaps Youtube https://www.youtube.com/watch?v=U9SKlvAsgFA

Unser Fazit

Diese vier Filme vereinen teilweise tolle Bilder und klettertechnische Trauerspiele. Sie sind Kult und wirklich unterhaltsam (insbesondere Cliffhanger), aber für Leute mit Ahnung vom Klettersport stellenweise schwer anzusehen. Vor allem das Vertrauen in Cams, oder generell Ausrüstung, wird in diesen Filmen stark belastet, da die meisten Sturzsituationen zum Beispiel durch explosionsartig aus der Wand schießende Cams herbeigeführt werden.

Kletterfans die gute Technik sehen wollen bleiben vielleicht lieber bei »Free Solo«, »Meru« oder »Die Mauer der Morgenröte«. Für einen entspannten Abend vor dem Fernseher oder einen lustigen Filmabend beim Campen können wir die oben vorgestellten Filme trotzdem durchaus empfehlen. Nur sollte man sie nicht zu ernst nehmen. 

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Credits Titelbild: Screenshot Video Youtube Kanal: Movie Clips

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5 Kommentare

  1. Ihr habt es auf den Punkt gemacht… Man müsste die Messners und Honnolds dieser Welt lieber solche Filme drehen lassen, dann würden wir Kletterer auch mal was Anspruchsvolles zu sehen bekommen. Interessanter Sidefact allerdings zu Cliffhanger: Die Kletterszenen wurden von keinem geringeren als Wolfgang Güllich gespielt, er doubelte also Stallone, und die beiden wurden angeblich sogar Freunde. Vielleicht hat dann wenigstens Stallone auf diesem Weg etwas übers wahre Klettern erfahren.

    • Hallo Donato,
      Das stimmt, die Kletterszenen wurden teilweise von Wolfgang Güllich gedoubelt. Wolfgang hatte dann leider nicht mehr die Gelegenheit, die Premiere des Films zu erleben, da er am 29.August 1992 auf der Autobahn tödlich verunglückte. Keine zwei Wochen nach Beendigung der Dreharbeiten.
      Weiterer spannender Sidefact – die Story hinter Cliffhanger ist nicht vollständig frei erfunden, ein abgestürztes Flugzeug in der Sierra Nevada, unweit des Yosemite Valley, hatte es 1977 tatsächlich gegeben. Die Ladung bestand damals aber nicht, wie im Film, aus Geld, sondern aus großen Mengen Marihuana. Es gab Gerüchte, dass Jim Bridwell und andere Kletterer aus dem Yosemite dieses Flugzeug gefunden und sich aus der Ladung bedient hatten (dies erwähnt z.B. Robert Steiner in „Allein unter Russen“ auf S.46).

      Gruß,
      Philip

  2. Cliffhanger:

    Warum wurde in dem Artikel nicht erwähnt, dass Wolfgang Güllich einige Szenen, sozusagen als Stountdouble kletterte?
    Oder stimmt das etwa nicht?

    Freundliche Grüße

    Manuel Pfeiffer

  3. Sah jemand den Kinofilm „Schrei aus Stein“? Da fällt Stefan Glowacz, zuoberst auf dem Gipfel-Eispilz des Cherro Torre, tatsächlich noch eine Schneelawine von oben entgegen…
    Das ganze Kino, gefüllt mit Bergbegeisterten, hatte sich krummgelacht!

    • Hallo Patrik,

      leider nie gesehen, was man aber so über den Film und seine Entstehung hört, wäre ein „Making of“ vielleicht der spannendere Film geworden. Stefan Glowacz schreibt in seinem Buch „On the Rocks“ ja ein paar Zeilen dazu, wie die Dreharbeiten damals mit Werner Herzog abliefen.

      Gruß,
      Philip

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