Balin Miller war Kletterer, Alpinist und einer, der keine Angst vor Herausforderungen hatte. In einem tragischen Unfall am El Capitan ist der US-Amerikaner im Alter von nur 23 Jahren tödlich verunglückt.
Am 1. Oktober ist der US-amerikanische Profikletterer Balin Miller bei einem Kletterunfall am El Capitan im Yosemite Nationalpark ums Leben gekommen. Der 23-Jährige aus dem Bundesstaat Alaska hatte dort ein Lead-Rope-Solo der anspruchsvollen Aid-Route »Sea of Dreams« (5.9 A4 VI, 730 m) unternommen.
Medienberichten zufolge hatte Miller die Route bereits erfolgreich geklettert und sich die Wand abgeseilt, um eine verkeilte Ausrüstungstasche zu befreien. Da das Seil nicht lang genug war und Miller offenbar keinen Knoten am Ende gebunden hatte, stürzte er knapp unterhalb des Gipfels des El Capitan ab. Der Unfall wird derzeit noch von den zuständigen Stellen in Yosemite geprüft.
Ein Leben für den Sport und die Berge
Balin Miller, Jahrgang 2002, wuchs im Süden Alaskas auf. Er begann im Alter von drei Jahren mit dem Sportklettern und sammelte später umfassende Erfahrungen im Bergsteigen und Eisklettern. Seine Liebe zum Sport sollte ihn sein Leben lang begleiten. »Balin ging es nie um Geld oder Berühmtheit, er hat das Klettern einfach geliebt«, so Millers Mutter Jeanine Girard-Moorman in den Sozialen Medien.
Balins Herz und seine Seele gehörten ganz dem Sport.
Jeanine Girard-Moorman, Mutter von Balin Miller
Miller war in der alpinen und Kletter-Community beliebt. Der 23-Jährige streamte regelmäßig vom Fels live bei TikTok, wo viele begeisterte Zuschauer seine Begehungen verfolgten. Oft mit dabei: sein Markenzeichen, die Glitzerschminke auf den Wangen – »meine Kriegsbemalung für schwere Touren«, sagt Miller in einem Interview. Auch seine letzten Tage am El Capitan hatte Miller per Livestream geteilt, den rund 100.000 Zuschauer über die Woche hinweg verfolgten.
Schwere Solos in Nord- und Südamerika
Insbesondere in den letzten Monaten war Balin Miller gern allein in den Bergen unterwegs. Er wiederholte viele schwere Alpinrouten solo – in den USA, Kanada und Patagonien. Zuletzt gelang Miller in seiner Heimat Alaska die erste Solo‑Begehung der 2.700 Meter langen »Slovak Direct« am Denali, einer der anspruchsvollsten alpinen Routen der Welt. Dafür war er insgesamt 56 Stunden allein am höchsten Berg Nordamerika unterwegs.
Dieses Jahr wiederholte Miller außerdem die herausfordernde Eiskletterroute »Reality Bath« in den kanadischen Rocky Mountains – als erster Mensch seit 37 Jahren. Im January gelang ihm »Californiana« am Cerro Chaltén mit einer Kombination aus Free Solo- und Rope Solo-Klettern. Millers Erfolge in diesem Jahr brachten ihm internationale Anerkennung über die Grenzen Nordamerikas hinaus.
Großer Verlust für die Kletterwelt
Mit seinen kletterischen Leistungen, aber auch mit seinem Engagement in der Szene hat Balin Miller dafür gesorgt, dass er weder als Person noch als Kletterer in Vergessenheit geraten wird. Die Redaktion von Lacrux.com spricht Millers Familie und Wegbegleitern aufrichtiges Beileid aus und wünscht ihnen viel Kraft für den Umgang mit diesem schwer hinzunehmenden Verlust.
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Credits Titelbild: Balin Miller

