Beckett Hsin klettert 9A – und ist der jüngste Mensch im härtesten Bouldergrad der Welt

Der 16-jährige US-Amerikaner Beckett Hsin hat mit »No One Mourns the Wicked« (9A) in Colorado einen der härtesten Boulder der Welt wiederholt. Er ist damit der jüngste Boulderer aller Zeiten, dem eine Begehung im Grad 9A gelungen ist.

Ein Teenager betritt die 9A-Bühne

Seit Nalle Hukkataival 2016 mit »Burden of Dreams« den weltweit ersten 9A-Boulder eröffnete, haben 22 Boulderer diesen Grad erreicht. Beckett Hsin gehört ab sofort dazu – und er ist mit Abstand der Jüngste. Der 16-Jährige Teenager aus Denver hat »No One Mourns the Wicked« (9A) an der Thunder Ridge in Colorado wiederholt und ist damit das jüngste Mitglied im erlesenen 9A-Club.

Dabei kommt Hsins Durchbruch nicht aus dem Nichts. Die Tickliste des Schülers ist eindrucksvoll: Auf 8a.nu vermerkt er stolze 39 Boulder ab 8B aufwärts. Das vierzigste knackig harte Boulderproblem ist eine 9A. Hsin bouldert seit seinem sechsten Lebensjahr, seit vier Jahren ist er regelmässig am Fels unterwegs. Seinen ersten 8C-Boulder schaffte er 2023 mit gerade einmal 14 Jahren. Im Herbst 2025 folgten »Creature From the Black Lagoon« (8C+) im Rocky Mountain National Park und kurz darauf »Defying Gravity« (8C) – letzterer an nur einem Tag.

Was macht »No One Mourns the Wicked« so schwer?

Der Boulder ist der Sitzstart zu Daniel Woods‚ »Defying Gravity« (8C), einem extrem dynamischen Problem, das gleich am Anfang einen der wohl schwersten Einzelzüge überhaupt bereithält: einen koordinierten Sprung an eine glasige Leiste. Für diesen Move existieren mittlerweile verschiedene Betas, doch keine davon macht ihn wesentlich einfacher. Nathaniel Coleman hat die Linie im Dezember 2024 erstbegangen. Der tiefe Einstieg fügt je nach Beta rund neun äusserst fingerlastige Züge hinzu, bevor man die Ausgangsposition von »Defying Gravity« erreicht. Im Mai 2025 holte sich der Brite Hamish McArthur die zweite Begehung – beeindruckenderweise in nur einer einzigen Session. Hsins Begehung ist nun die dritte.

Beckett Hsin in »No One Mourns the Wickett« | Bild: Bryce Bozovich

Mit jedem Geburtstag einen V-Grad höher

2022 nahm Hsin sich vor, seinen ersten V12 (8B) noch vor seinem 13. Geburtstag zu klettern. Im selben Sommer gelang ihm bereits ein V14. Daraus entstand eine halb scherzhaft gemeinte Idee: seinen V-Grad parallel zum Alter zu steigern. Mit 16 Jahren und einer 9A (V17) hat er dieses Ziel jetzt sogar um einen Grad übertroffen.

Der dynamische Boulder an der Thunder Ridge in Colorado | Bild: Bryce Bozovich

Lyme-Borreliose als unsichtbare Hürde

Der Weg zu diesem Erfolg war alles andere als geradlinig. Hsin leidet an Lyme-Borreliose, einer Erkrankung, die sich unter anderem durch starke Erschöpfung und gesundheitliche Einschränkungen bemerkbar machen kann. Meistens sei das nur ein kleines Ärgernis, erzählt er auf Instagram. Doch bei »No One Mourns the Wicked« habe die Krankheit seine Sessions stark beeinflusst. An manchen Tagen konnte er den Crux-Move in der Isolation zu 80 Prozent halten. An anderen Tagen fehlte ihm die Kraft, den Griff überhaupt zu berühren.

Ich musste akzeptieren, dass es vielleicht nicht klappt – und dass das okay ist

Beckett Hsin

Letztlich war der Tag aber gekommen. Beim Zustieg fühlte sich sein Körper gut an, sein Kopf war frei, und die Bedingungen stimmten. »Alles passte zusammen und ich wusste, ich war bereit«, erzählte Hsin in seinem Instagram Post.

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Credits: Titelbild: Bryce Bozovich

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