Die nächste Barfuß-9A: Charles Albert begeht »Charlatan« in Fontainebleau

Der französische Barfuß-Kletterer Charles Albert hat eine neue 9A-Erstbegehung vorgelegt: Ihm gelang mit »Charlatan« im Sektor Isatis ein altes Projekt von Guillaume Tournus. Es ist das dritte Mal, dass Albert den Grad 9A für ein abgeschlossenes Projekt vergeben hat.

Seine Begehungen verdienen eigentlich eine Sonderkategorie: »Barefoot« Charles Albert klettert regelmäßig Boulder in den schwersten Graden. Dabei verzichtet er nicht nur auf Schuhe, sondern auch auf andere Hilfsmittel wie Kneepads oder Risshandschuhe, die sich mittlerweile in der Szene etabliert haben.

Wie schwer seine Kletterei mit der von anderen vergleichbar ist, zeigt sich immer wieder bei anspruchsvollen Erstbegehungen. Jetzt hat der 28-jährige Franzose erneut den derzeit höchsten bestätigten Grad für ein Projekt vorgeschlagen. »Charlatan« liegt in Fontainebleaus Sektor Franchard Isatis und ist laut Charles Albert »mindestens 9A«.

Mehr als 100 Versuche für »Charlatan«

Die Geschichte von »Charlatan« reicht etwas weiter zurück. Die Linie liegt am gleichen Block wie der Traversen-Klassiker »La Rampe Infinie« (7B) zentral im Sektor Franchard Isatis. Vor acht Jahren hatte der Franzose Guillaume Tournus das Boulderproblem erstmals Charles Albert gezeigt.

»Charlatan« besteht aus drei extrem kräftigen Zügen an einer rund 50 Grad überhängenden Wand und endet mit einer technischen Untergriff-Sequenz. Die Linie ist seit längerem bekannt und wurde inoffiziell als mögliche 8C+ gehandelt – auch von Albert selbst, der sich in einer Dokumentation von 2022 zum Projekt äußerte.

Im November 2024 kam Charles Albert dem Durchstieg von »Charlatan« bereits sehr nahe – nur um sich im Boulder die Schulter zu verletzen. Eine Ringbandverletzung im Jahr 2025 verschob das Projekt daraufhin noch weiter nach hinten. Am 27. März 2026 gelang dem Franzosen schließlich die erste Begehung der Linie, für die er insgesamt mehr als 100 Versuche über vier Saisons zählte. Statt 8C+ vergibt er nun den Grad 9A.

Vor acht Jahren hat mir Guillaume dieses alte Projekt gezeigt. Ich bin super froh, dass ich es jetzt geschafft habe.

Charles Albert

Dritte 9A-Erstbegehung von Charles Albert

Mit »Charlatan« schlägt Charles Albert nun zum dritten Mal den Grad 9A für eine Erstbegehung vor. 2019 vergab er für »No Kpote only« in Fontainebleau als zweiter Mensch überhaupt die damals höchste Schwierigkeit, 2023 schlug er für »L’Ombre du Voyageur« in Salève ebenfalls 9A vor.

Beide Boulder wurden seitdem abgewertet – »No Kpote only« auf 8C/+ und »L’Ombre du Voyageur« sogar auf 8B+. Pietro Vidi, der der Linie das gnadenlose Downgrade verpasste, nutzte für seine Wiederholung des überhängenden Riss-Boulders Kletterschuhe, Risshandschuhe sowie vier (!) Kneepads. Dass seine Begehung nur schwer mit der von Charles Albert vergleichbar ist, liegt auf der Hand.

Video: Charles Albert begeht »L’Ombre du Voyageur« in Salève

Hält sich der Grad dieses Mal?

Alberts neue 9A-Erstbegehung wirft gleich mehrere Fragen auf: Wie gut kann die Fontainebleau-Schwierigkeitsskala Alberts speziellen Begehungsstil im Vergleich zu anderen abbilden? Wie wichtig ist ihm selbst diese Vergleichbarkeit überhaupt? Und: Könnte sich der Grad dieses Mal tatsächlich halten?

Charles Albert ist kein unbeschriebenes Blatt, was Wiederholungen von schweren Bouldern angeht. In Fontainebleau gelangen ihm zuletzt unter anderem »Hypothèse (assis)« (8C+), »La Révolutionnaire« (8C+) und »Délire Onirique (assis)« (8C).

Es lässt sich durchaus argumentieren, dass seine Barfuß-Begehungen in punkto Schwierigkeitsgrad auf einem anderen Blatt stehen. Anders als bei »L’Ombre du Voyageur« dürfte die Frage »Schuhe ja oder nein?« bei »Charlatan« aber einen weniger drastischen Unterschied machen. Dass der Franzose weiterhin die gängige Skala für Erstbegehungen nutzt – vielleicht auch eine strategische Entscheidung, um Wiederholer anzuziehen. Spannend macht es die Sache auf jeden Fall.

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Credits Titelbild: Cécile Calbo

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