Menorca, die kleine unauffällige Schwester von Mallorca, ist als Kletterziel wenig bekannt. Zu Unrecht! Ob Bouldern, Sportklettern oder Deep Water Soloing – die Felsen der Mittelmeerinsel haben alles zu bieten. Anja von Transa Backpacking hat die Klettergebiete Menorcas für uns getestet.

Ein Gastbeitrag von Anja – Transa Backpacking

Wer eine Destination sucht, die vor allem schöne Kletterei abseits der ausgetretenen Pfade bietet, ist in Menorca genau richtig. Beim Klettern trifft man hier in erster Linie Einheimische und kaum andere Touristen. Viele Sektoren sind neu erschlossen und die Zustiege teils noch nicht so gut eingerichtet – der Fels dafür umso unberührter. Abgegriffenen Fels findet man auf Menorca nicht!

Für welchen Klettertyp eignet sich Menorca?

Ein bisschen Klettererfahrung sollte man schon mitbringen: In einigen Gebieten sind zwar auch leichtere Routen eingerichtet, die schönere Kletterei beginnt aber bei 6a/b und ist recht hart bewertet. Die meisten Felsen auf Menorca sind relativ kurz, man findet eher Klettergärten mit Einseillängen. Ein paar Mehrseillängenrouten sind aber zu Trainingszwecken eingerichtet worden.

Top-Klettergebiete

Penya de S’Indi – Bouldern

Der Zustieg zu den roten Boulder-Blöcken in der Mitte der Insel ist einfach zu finden und sehr kurz. Die vier Blöcke bieten alles, was das Boulderherz begehrt: Über Plattenboulder, Crimps und Slopers bis hin zur fünf Meter hohen Henkel-Löcher-Wand.

«Auf so wenigen Quadratmetern habe ich selten so vielseitigen Fels gesehen»

Cala en Porter, Sektor Escalofrios – Sportklettern

Im Sektor Escalofrios befindet man sich auf einem breiten Felsband unter einem mächtigen Dach. Hier ist vor allem Kraft gefragt! Die Routen sind sehr kurz und überhängend.

«Dieser Sektor ist magisch: das türkisblaue Meer zur Rechten, ein orange-roter Sonnenuntergang zur Linken.»

Gebiet Llucalari, Sektor Ses Penyes – Sportklettern

Im Sektor Ses Penyes geht es in erster Linie um senkrechte Kletterei. Die Schlüsselpassage: eine grosse, leicht überhängende Schuppe. Viel Kraft, Technik, Gleichgewicht und Konzentration sind hier gefragt.

«Diese Routen sind wie aus dem Bilderbuch: griffiger Fels und Bewegungen, die mich in einen Flow bringen»

Highlight: Deep Water Soloing in Cala Rafalet

Das ungesicherte Freiklettern über tiefem Wasser kennt man vor allem von Mallorca. Aber auch Menorca hat reichlich Küstenklippen für Deep Water Soloing. Je nachdem wie der Wind steht, sind die Felsen manchmal feucht von der Gischt. Dann muss man warten, bis der Wind dreht. Wenn die See rau ist, ist es schwierig nach einem Sturz ins Wasser wieder an Land zu kommen: Ein Beiboot ist dann Pflicht.

«Direkt über dem Wasser klettern, ohne Sicherung, das ist komplette Freiheit.»

Ausrüstungs-Tipps von Kletter-Urgestein Pesche Wüthrich:

Beim Deep Water Soloing klettert man am besten mit Schuhen aus synthetischem Material. Die trocknen schnell wieder.

Man kann keinen normalen Chalkbag verwenden, denn der ist schnell durchnässt. Entweder nimmt man flüssiges Chalk aus der Tube. Oder man benutzt einen Beutel ohne Innenfutter, trocknet ihn nach jedem Versuch und füllt immer wieder etwas Pulver nach.

Aktivitäten für Nicht-Kletterer

Klettert deine Reisebegleitung nicht? Oder brauchen deine Finger mal eine Pause? Kein Problem. Ein Vorzug von Menorca ist, dass man Klettern und andere Aktivitäten gut miteinander verbinden kann:

Der 180 km lange Küstenrundweg Camí de Cavalls eignet sich perfekt für Familienwanderungen oder flowige Biketouren. Im türkisblauen Meer finden Windsurfer, Kayaker und Wellenreiter ihren Spass. An den instagram-würdigen Traumstränden können Sonnenhungrige gut entspannen und in den hübschen Städtchen finden Foodies frischen Fisch und andere mediterrane Köstlichkeiten.

Tipps & Tricks

So informierst du dich

Informationen über die Klettergebiete Menorcas sind genau so rar wie die Klettertouristen auf der Insel. Die klassischen Reiseführer konzentrieren sich auf Wander- und Bikerouten. Für Kletterer gibt es einzig das «Menorca Sport Climbing Guidebook» in Englisch und Spanisch. Es beschreibt 189 verschiedene Routen und bietet gute Karten und detaillierte Informationen zum Zustieg.

Ansonsten informierst du dich am besten direkt bei den lokalen Kletterern. Die Szene ist überschaubar und offen.

So kommst du zu den Spots

Grundsätzlich ist Menorca klein, vieles kannst du zu Fuss oder mit dem Bike entdecken. Busse verbinden zwar die wichtigsten Orte, um zu den Kletterspots zu kommen, brauchst du aber ein eigenes Fahrzeug. Es gibt viele Autovermietungen.

Hier kommst du unter

Menorca ist touristisch gut erschlossen und bietet viele Unterkünfte: von Ferienwohnungen bis Hotels. Die meisten Kletterspots sind an der Küste gelegen und rund um die Insel zu finden. Es Mercadal in der Inselmitte eignet sich darum gut als Ausgangspunkt für Tagesausflüge.

Menorca steht als Unesco-Biosphärenreservat unter Naturschutz. Wilcampen ist auf der ganzen Insel verboten und kann hohe Strafen zur Folge haben. Es gibt aber offizielle Campingplätze.

So bist du gut ausgerüstet

Dichte Wälder, steile Küsten und karge Ebenen – so vielseitig die Landschaft in Menorca ist, so wechselhaft ist auch das Wetter. Du solltest also für alle Fälle gewappnet sein. Besonders wichtig: Wind ist auf Menorca kein seltener Gast und er ist nicht zu unterschätzen.

Anjas Packliste für Klettern in Menorca


Über Transa Travel & Outdoor

Transa ist die führende Anbieterin von Travel-, Outdoor und Bergsport-Equipment in der Schweiz und betreibt acht Filialen in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich, den Kletter Shop in der Kletterhalle in Winterthur und Root sowie den Online Shop. Auf LACRUX publiziert Transa Travel & Outdoor in regelmässigen Abständen spannende Beiträge zu den Themen Klettern und Bouldern.

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