Bei der World Climbing Europe Youth Series im Speedklettern in St. Pölten äußerte sich ein österreichischer Sportkommentator kontrovers im Livestream: Frauen seien weniger motiviert für Training, das eher eine „Jungssache“ sei. In seiner mittlerweile vorliegenden Entschuldigung nennt der Kommentator die Sprachbarriere als Grund für die „Fehlkommunikation“.
Am 1. August traten in St. Pölten hunderte jugendliche Athletinnen und Athleten beim Europa-Cup im Speed an. Während der Qualifikation der U17-Herren sorgte der österreichische Sportkommentator Claudio Sunk mit sexistischen Aussagen für Kritik.
Kommentator sieht fehlende Trainingsmotivation als Grund für geringe Frauenrepräsentation im Wettkampf
Sunk und seine Co-Kommentatorin diskutierten im Livestream auf Englisch, warum bei dem Wettkampf mehr junge Männer als junge Frauen starten. Daraufhin sagte Sunk: „But is it about the training? Because I think that for women, it’s more like, climbing on the rock and climbing maybe on the lead, for doing it as a hobby, it’s quite fun, and lots of women [are] doing it. But when you go into the world class, you need to go to the gym, you need to train with weights, and all that stuff, and this is more the ‚boy thing,‘ right?“
Sinngemäß also: Frauen klettern als Hobby oder zum Spaß und haben keine Lust auf hartes Krafttraining, das eher „Jungssache“ sei.
Der 48-jährige Österreicher Sunk kommentiert regelmäßig große Sport-Events. Im Livestream von World Climbing war er eigentlich eingeladen, um seiner weiblichen Co-Host und Expertin Fragen zu stellen. Diese wies beim Thema Repräsentation darauf hin, dass Frauen generell meist weniger gut von ihrem Sport leben könnten. Daraufhin rief Sunk „alle Frauen da draußen“ auf, sich dem Speed-Klettern auf Weltklasse-Niveau zu widmen, anstatt „nur entspannt irgendwo im Wald am Fels zu klettern“.
Der Livestream ist nach wie vor auf YouTube. Sunks Aussagen beginnen bei 39 Minuten und 19 Sekunden.
Auf ganzer Linie unpassend
Die Kommentare von Claudio Sunk verbreiteten sich daraufhin schnell in den sozialen Medien, wobei es von verschiedenen Seiten scharfe Kritik gab. Die Schweizer Kletterin Teresa Corti bezeichnete die Kommentare als „klare Beleidigung“ an alle Athletinnen, die harte Arbeit in ihr Training stecken. Die ehemalige österreichische Wettkampfathletin Julia Fišer zeigte sich schockiert über die Äußerungen. Gegenüber Climbing Magazine sagte die 29-Jährige, sie habe „noch nie daran gezweifelt, ob ich im Trainingsraum hingehöre“.
Kritisiert wurde auch, dass die sexistischen Aussagen bei einem Jugend-Wettkampf fielen, wo viele minderjährige Athletinnen und Athleten antreten.
Ich denke, die Mehrheit aller Kletterer teilt diese Meinung nicht. Aber wenn auch nur ein junges Mädchen wegen solcher Aussagen mit dem Klettern aufhört, ist das schon zu viel.
Julia Fišer gegenüber Climbing Magazine
Auch der österreichische Kletterverband Austria Climbing reagierte umgehend und entschuldigte sich via Instagram-Story bei Athletinnen und Athleten, Trainerteams, Angehörigen und allen Zuschauenden. Sunks Aussagen seien „respektlos“ und hätten keinen Platz innerhalb der Szene. Die Story ist mittlerweile nicht mehr verfügbar.
Währenddessen sorgten die Kommentare für einen Trend auf Instagram: Dort nutzten mehrere Kletterinnen die Tonspur mit Sunks Aussagen und kombinierten sie mit Videos von sich selbst beim Klettern und Training, um auf eine ironische Weise Kritik zu äußern.
Sunk entschuldigt sich: „Hätte niemals auf Deutsch diese Dinge gesagt“
Auf Anfrage von Climbing Magazine nach den Hintergründen hat sich Claudio Sunk mittlerweile schriftlich entschuldigt. Ihm tue es wirklich leid, dass seine Aussagen so verletzend gewirkt hätten, so der Kommentator. Sunk, der regelmäßig internationale Events kommentiert, habe nach eigener Aussage große Schwierigkeiten gehabt, seine Frage auf Englisch richtig zu formulieren: „Ich hätte diese Dinge niemals in meiner Muttersprache so gesagt.“ Sunk betonte außerdem, dass seine Äußerungen nicht seine Überzeugungen widerspiegeln würden.
Ich glaube fest, dass Wettkampf-Athletinnen genauso hart trainieren wie Männer, egal in welchem Sport. Ich wollte damit nie andeuten, dass Frauen weniger hart arbeiten oder weniger ehrgeizig oder fleißig sind.
Claudio Sunk gegenüber Climbing Magazine
Der Weltverband World Climbing äußerte sich nicht zu dem Vorfall. Dass Sunk in Zukunft weitere Kletter-Wettkämpfe kommentiert, gilt als unwahrscheinlich.
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Credits Titelbild: Jan Virt/IFSC

