Nach dem Unglück vom 30. Juli 2026 am Broad Peak im pakistanischen Karakorum, bei dem zehn Bergsteiger:innen von einer Lawine erfasst wurden, ist klar, dass es keine Überlebenden gibt. Unter den Toten ist auch der britisch-nepalesische Ausnahmealpinist Nirmal „Nimsdai“ Purja. Für drei Verunglückte gibt es weiterhin keine Bergung.
Stand 6. August 2026
Internationale Bergsteigergruppe mit bekannten Namen
Unter den Opfern sind neben Nirmal Purja, bekannt aus der Netflix Dokumentation „14 Peaks“, fünf weitere Bergsteiger aus Nepal: die erfahrenen Guides Pur Bahadur Gurung, genannt „Yukta“, und Kili Pemba Sherpa, genannt „Kilu“, sowie Gyalu Sherpa, Nima Sherpa und Nawang Thindu Sherpa. Außerdem befanden sich die omanische Bergsteigerin Nadhira Al Harthy, die US-Amerikanerin Mallory Geis, der pakistanische Bergführer Sohail Sakhi sowie der chinesische Alpinist Wang Zhong am Berg.
Mehrere der Verunglückten zählten zu den bekanntesten Namen des Höhenbergsteigens: Kili Pemba Sherpa war Teil des rein nepalesischen Teams, das 2021 die Erstbesteigung des K2 im Winter schaffte. Gyalu Sherpa hielt einen Rekord für drei Kanchenjunga-Besteigungen in einer Saison. Nadhira Al Harthy war 2019 die erste Frau aus dem Oman auf dem Everest. Sohail Sakhi aus Hunza hatte en K2, Nanga Parbat sowie Gasherbrum I und II allesamt ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen und begleitete am Broad Peak Mallory Geis, für die es der erste Achttausender werden sollte.
Das Lawinenunglück am Broad Peak
Nach Angaben des Alpine Club of Pakistan (ACP) löste sich am Donnerstag, dem 30. Juli 2026, gegen 9.30 Uhr Ortszeit auf etwa 6600 Metern zwischen den Lagern II und III eine Lawine. Die Daten der GPS-Tracker zeigten, dass die zehn Alpinist:innen im steilen Gelände teils über 1200 Höhenmeter mitgerissen wurden; der Kontakt brach unmittelbar danach ab. Purjas Gerät registrierte den Beginn des Absturzes auf 6659 Metern.
Die Alarmierung erfolgte spät: Nach Angaben mehrerer Beteiligter ging die Meldung erst gegen 20 Uhr im Basislager ein. Eine Luftrettung konnte deshalb frühestens am Freitagmorgen anlaufen – ein ganzer Tag mit Tageslicht verstrich ungenutzt. Der ACP hat sich zu den Gründen bislang nicht geäußert.
Zur Vorgeschichte gibt es Hinweise aus dem Umfeld: Rund eine Woche vor dem Unglück hatte starker Neuschnee eingesetzt. Die meisten Teams hatten das Basislager daraufhin bereits verlassen; unter ihnen David Klein und Ian Overton, die am 25. Juli abreisten und gegenüber ExplorersWeb unbeständige Schneeverhältnisse und Windharsch zwischen Lager II und III beschrieben. Einige Expeditionen mit Gipfelambitionen blieben.
Eine Woche Bergung unter hohem Risiko
Am Freitag konnten am Fuß des Lawinenkegels Nadhira Al Harthy und Pur Bahadur Gurung geborgen werden, dazu sterbliche Überreste, die Mallory Geis zugeordnet wurden. Samstag folgte Gyalu Sherpa. Am Sonntag erreichte ein Bodenteam unter Leitung von Mingma Gyalje Sherpa („Mingma G“) auf rund 5700 Metern vier weitere Verunglückte: Nirmal Purja, Kili Pemba Sherpa, Nima Sherpa und Wang Zhong. Zunächst konnte aufgrund der Bedingungen nur Kili Pemba Sherpa vom Berg gebracht werden.
Am Mittwoch, dem 5. August, kehrte Mingma G mit einer kleinen Mannschaft in das lawinengefährdete Gelände zurück. Zum Team gehörten die Pakistaner Sirbaz Khan, Abid Baig und Sherbaz Karim sowie Dipen Gurung und Pemba Chhewang Sherpa von Imagine Nepal. Die Gruppe erreichte den Bergungsort innerhalb weniger Stunden, brachte die drei Verunglückten ins Basislager und kam selbst unversehrt zurück. Der Alpine Club of Pakistan bezeichnete den Einsatz als eine der technisch anspruchsvollsten Bergungen, die je an diesem Berg durchgeführt wurden. Damit konnten sieben der zehn Verunglückten vom Berg geborgen werden.
Drei Verunglückte bleiben zurück
Für drei Familien endet die Suche ohne Rückkehr. Nawang Thindu Sherpa wurde oberhalb von 6000 Metern lokalisiert, in einer Position, die die Rettungsteams als zu gefährlich einstufen. Der Fundort von Mallory Geis ist unbekannt; ihr Tod gilt über gefundene sterbliche Überreste als bestätigt. Von Sohail Sakhi wurden lediglich der Rucksack und ein zerstörtes Garmin-Gerät gefunden – er bleibt vermisst. Seine Familie hat sich bereits am Sonntag zur Bestattung ohne Leichnam entschieden und Angehörige und Freunde zum Gebet eingeladen.
Der Alpine Club of Pakistan erklärte, man werde alle möglichen Anstrengungen zur Auffindung und Bergung weiter unterstützen, sobald die Bedingungen es zuließen.
Am benachbarten K2 hatten Teams unmittelbar nach dem Unglück ihre Gipfelversuche abgebrochen, um sich an der Suche zu beteiligen. In Kathmandu versammelten sich am Dienstagabend Angehörige und Freunde zu einer Kerzenwache.
Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Verunglückten.

