Folge der Klimakrise: Zugspitze entfernt letzten Gletscherlift

Das Gletschersterben macht sich auch an Deutschlands höchstem Berg bemerkbar: An der Zugspitze muss nun der letzte Gletscherlift nach 55 Jahren weichen, weil sich das Gelände immer mehr verändert. Der Abbau des Schneefernerkopflifts beginnt am 20. März.

Seit 1967 zieht der Schneefernerkopflift Wintersportlerinnen und -sportler über den Nördlichen Schneeferner, einen der letzten Gletscher in Deutschland. Jetzt hat die Bayerische Zugspitzbahn angekündigt, dass der Schlepplift nach 55 Jahren abgebaut werden soll. Grund dafür ist der schwindende Gletscher, der das Terrain rund um die Anlage stark verändert. Ein sicherer Betrieb sei deswegen nicht mehr möglich.

Der Schneefernerkopflift ist der letzte Gletscherlift an der Zugspitze (Bild: © Bayerische Zugspitzbahn/Laura Schmatz)

Fundament schmilzt: keine Lösung für weiteren Betrieb

Auf Instagram erklärt die Bayerische Zugspitzbahn AG, dass der Ausstiegsbereich des Schneefernerkopflifts durch den schrumpfenden Gletscher zu steil geworden sei, um den Betrieb fortzusetzen. Weil der Nördliche Schneeferner seit Jahren an Volumen verliert, senkt sich der Untergrund, was die Stabilität der Liftstützen gefährdet.

Gletscherlifte stehen nicht auf einem Fundament, sondern auf dem Eis des Gletschers. Die Spannung zwischen den Seilen, die den Lift aufrecht erhält, reicht laut den Betreibern künftig nicht mehr aus: Es gebe »keine technische Lösung«, um den Schneefernerkopflift weiter instand zu halten.

Durch den Volumenverlust des Gletschers hat sich das Gelände zunehmend verändert und der Hang ist deutlich steiler geworden.

Bayerische Zugspitzbahn AG
Als Gletscherlift steht der Schneefernerkopflift nicht auf einem Fundament, sondern im Eis (Bild: © Bayerische Zugspitzbahn/Laura Schmatz)

Rückbau für 20. März geplant

Das Datum für die letzte Fahrt des Schneefernerkopflifts steht bereits: Medienberichten zufolge startet der Rückbau des Lifts am 20. März nach Betriebsschluss um 17 Uhr. Dabei werden zunächst die Gletscherhalteseile mit einer Schneidladung durchtrennt, die Sprengstoff enthält. Danach kann die Anlage in Einzelteile zerlegt und ins Tal abtransportiert werden. Bis zum Stichtag in einer Woche bleibt Deutschlands letzter Gletscherlift noch in Betrieb.

Mit dem Abbau des Schneefernerkopflifts verschwindet schon zum dritten Mal ein Lift im Gletscherbereich an der Zugspitze. In Deutschlands höchstem Skigebiet mussten bereits der Gletschersee-Schlepplift und ein Doppel-Sessellift beim Südlichen Schneeferner abgebaut werden, der 2022 seinen Status als Gletscher verlor.

Nur noch vier Gletscher in Deutschland

Dieses Schicksal droht laut Expertinnen und Experten auch den vier letzten Gletschern in Deutschland. Prognosen zufolge wird der Nördliche Schneeferner bis 2030 seinen Status als Gletscher verlieren. Noch früher werden der Watzmann- und der Blaueisgletscher bei Berchtesgaden verschwinden.

Der Höllentalferner im Wettersteingebirge dürfte am längsten bestehen bleiben – voraussichtlich bis etwa 2035. Insgesamt schwinden die Alpengletscher wegen der Klimaerwärmung immer schneller: Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert haben sie rund 60 Prozent ihrer Masse eingebüßt.

Keine Zukunft ohne Gletscherschutz

Das »ewige Eis« zieht sich auch an anderen Orten der Welt immer weiter zurück. Seit 2021 wächst die Mehrheit der Gletscher in den weltweit 19 Gletscherregionen nicht mehr. Ihr Verschwinden hat gravierende Folgen für unseren Planeten: Denn Gletscher speichern Trinkwasser, sind Lebensraum, stabilisieren ihre Umgebung und regulieren das Klima.

Auch eine Zukunft des Berg- und Wintersports ist ohne die Eisriesen kaum vorstellbar. Zuletzt forderte der Österreichische Alpenverein von der Politik einen »ausnahmslosen Gletscherschutz«. In diesem Jahr wird zudem zum zweiten Mal der Welttag der Gletscher begangen, der auf die Krise aufmerksam machen soll – am 21. März, einen Tag nach dem Ende des Schneefernerkopflifts.

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Credits Titelbild: © Bayerische Zugspitzbahn/Laura Schmatz

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