Silvan Schüpbach, Filippo Sala und Olivier Kolly haben zum Jahreswechsel eine neue Route an der Nordwestwand des Dent Blanche (4.357 m) in Valais erstbegangen. Sie tauften die 850 Meter lange Linie auf den Namen »Le clin d’œil« und bewerteten sie mit M7 WI3.
Schüpbach sammelt »vergessene Nordwände«
Für sein Langzeitprojekt »The Six Forgotten North Faces« hat sich der Schweizer Alpinist Silvan Schüpbach schwere Alpen-Nordwände abseits der klassischen Gipfel vorgenommen. Drei hat er schon: 2025 etablierte er eine neue Nordroute am Nesthorn (3.820 m), beging als erster die Nordwand des Punta Pioda (3.237 m) und kletterte eine Variation durch die Zentralwand des Aiguille de Triolet (3.870 m) im Mont Blanc-Massiv.
Zwei sehr kalte Tage an einer der entlegensten Nordwände der Alpen. Das Ziel: hier eine neue Linie zu eröffnen.
Schüpbach, Sala & Kolly
Die nun vierte Nordwand im Bunde liegt schattig und abgelegen am Dent Blanche (4.357 m) im Kanton Valais. Dort gelang Schüpbach am 28. und 29. Dezember mit Filippo Sala und Olivier Kolly die Erstbegehung einer 850 Meter langen Mixed-Route. Sala hatte Schüpbach zuvor bei zwei seiner drei Nordwände begleitet. Mit einer Schwierigkeitsbewertung von M7 WI3 verweist das Team auch auf die herausfordernden Bedingungen bei ihrer winterlichen Erstbegehung.
Ambitionierte Erstbegehung im Winter
Die Nordwand des Dent Blanche gilt als eine der abgelegensten in den Alpen und besticht nicht nur durch markante Optik. Ihr zentrales Feature ist als »The Eye« bekannt – ein fast vertikaler und bislang ungekletterter Abschnitt. Für Schüpbach kein Hindernis, sondern ein absolutes Auswahlkriterium für sein Nordwand-Projekt.
Die neue Route von Schüpbach, Sala und Kolly teilt sich den Start mit »Romain« von Patrick Gabarrou and Christophe Jond. Danach führt die Linie nach rechts und durch den steilsten Teil der Nordwand. Die letzten 150 Meter vor dem Gipfel teilt sich »Le clin d’œil« schließlich mit einer weiteren etablierten Tour.
Durch die anspruchsvollen Bedingungen wurden sogar die »leichten« Seillängen zu ziemlich schweren Platten. Ein echtes Abenteuer!
Filippo Sala
»Wir waren einfach sehr wenig akklimatisiert«
Warum die Erstbegehung einer schwierigen und abgelegenen Nordwand gerade zu den winterlichsten Bedingungen sein muss? Gegenüber Planetmountain beschreibt Filippo Sala die Herausforderungen durch frostige Temperaturen und Schneefall: »Der Zustieg war wohl einer der längsten in den Alpen, weil die Straße im Winter gesperrt ist. […] Nachdem wir »The Eye« geklettert waren, war die Nacht im Bivouac extrem beengt, bitterkalt und schlaflos.«

Obwohl das Wetterfenster gut und die Linie traumhaft war, sei man einfach nicht ausreichend an die Kälte gewöhnt gewesen, so Sala. Am Nachmittag des 29. Dezembers standen die drei Alpinisten dennoch – müde und verfroren – auf dem 4.357 Meter hohen Gipfel des Dent Blanche. Der Routenname »Le clin d’œil« (»das Augenzwinkern«) ist eine Hommage an die Schlüsselstelle, die Schüpbach, Sala und Kolly nun als erste Seilschaft durchsteigen konnten.
Für Silvan Schüpbach sind damit vier von sechs »forgotten North Faces« abgehakt. An welche beiden Nordwände es den 43-Jährigen für sein Projekt noch zieht, bleibt abzuwarten.
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Credits Titelbild: Filippo Sala

