Ein fünfköpfiges Expeditionsteam aus Russland hat den Manaslu (8.163 m) über eine neue Route an der Südwestseite bestiegen. Seit der tragischen Tiroler Expedition von 1972 wurde auf dieser Seite keine neue Linie mehr begangen.
Am 22. Oktober ist einem Team russischer Alpinist*innen die Besteigung des Manaslu über eine neue Südwest-Route gelungen. Andrey Vasiliev, Sergey Kondrashkin, Natalia Belyankina, Kirill Eizeman und Vitaly Shipilov erreichten nach elf Tagen den achthöchsten Gipfel der Welt. Das Team nutzte dabei keine Fixseile, Zusatzsauerstoff oder anderweitige externe Unterstützung.
Geplante Zentralroute war zu gefährlich
Ziel der Expedition war es, den Gipfel zentral über die Südwestwand zu erreichen. Dabei hatte das Team um Andrey Vasiliev drei Routen im Kopf. Da sich sich ganz dem Alpinstil verschrieben hatten, war allerdings klar: Die Besichtigung erfolgt nicht vorab, sondern »Ground-Up« beim Weg zum Gipfel. Nach einigen Überlegungen wurde der ursprüngliche Plan der Zentralroute schließlich verworfen – zu lang, zu gefährlich schien der Weg über den steilen Fels an der rechten Wandseite.
Stattdessen entschied sich die Gruppe für eine Route rund einen Kilometer rechts der »Tiroler Route« von der Expedition rund um Reinhold Messner aus dem Jahr 1972, auf der damals die Bergsteiger Franz Jäger und Andi Schlick verschwanden. Beide Linien teilen sich den letzten rund 400 Höhenmeter zum Gipfel. Bis dahin war das Team in unbekanntem Terrain auf sich gestellt.
In völlig unbekanntem Terrain
Das Unbekannte ist nicht die einzige Gefahr auf der »Russischen Route«. Weil der Aufstieg über größtenteils schneebedeckte Flächen und Eisfälle führt, besteht dort außerdem ein hohes Lawinenrisiko. Deshalb wagten sich Vasiliev, Kondrashkin, Belyankina, Eizeman und Shipilov erst auf den Weg, als der Wetterbericht kaum Schneefall vorhersagte.
Obwohl der Weg zum Gipfel keine herausstechende Crux bereithält, ist er insgesamt sehr fordernd, erklärt Vasiliev gegenüber Explorersweb: »Die technisch schwierigste Passage ist ein Mixed-Abschnitt auf 7.500 bis 7.700 Metern.« Nach dem letzten steilen Abschnitt erreichte das Team am 21. Oktober den Gipfelgrat und erreichte am 22. Oktober den Gipfel.
Für den fünf Tage langen Abstieg nutzten die russischen Bergsteiger*innen die klassische Tiroler Route. Ingesamt waren sie elf Tage am Manaslu unterwegs – mit mehrtägiger Akklimatisierung im Vorfeld.
Auszeichnung für alpinistische Leistungen
Für die Begehung der Südwestwand des Manaslu im klassischen Alpinstil wurden Andrey Vasiliev, Sergey Kondrashkin, Natalia Belyankina, Kirill Eizeman und Vitaly Shipilov mit dem wichtigsten Alpinismus-Preis in Russland ausgezeichnet. Die Expedition war das erste Mal, dass das Team in dieser Konstellation zusammen unterwegs war.
Alle fünf Beteiligten sind erfahrene Bergsteiger, einige von ihnen professionelle Alpinisten. Natalia Belyankina, das einzige weibliche Teammitglied, bestieg 2022 im Alter von 27 Jahren als jüngste Frau aller Zeiten die fünf Siebentausender auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR. Sie verlor dabei mehrere Zehen wegen Erfrierungen.
Informationen zu der neuen Route am Manaslu erschienen erstmals auf www.mountain.ru.
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