35 Jahre lang war »Le Bombé Bleu« ein Projekt, an welchem selbst die Weltbesten gescheitert sind. Nun ist die Erstbegehung einem Kletterer gelungen, der gerade mal halb so alt ist, wie das Projekt selbst. Am 11. Februar 2025 klettert Erwan Legrand »Le Bombé Bleu« in Buoux, Frankreich, als Erster durch – und das ohne Kletterschuhe.
Erstbegehung nach 35 Jahren
Erwan Legrand schreibt Klettergeschichte. Der 17-jährige Franzose beendet eines der längsten offenen Sportkletterprojekte der Welt und klettert als Erster die Linie »Le Bombé Bleu« in Buoux. 15 Sessions investierte der Franzose in die Route bis ihm der Durchstieg endlich gelang. Er kletterte außerdem Barfuß, ohne Kletterschuhe um die winzigen Pockets besser nutzen zu können. Laut Legrand selbst verändert das aber wahrscheinlich auch die Schwierigkeit. Er selbst hat sich bisher auch noch nicht zum Grad geäußert, doch angesichts der Geschichte der Route ist das ein Nebenschauplatz.
Ich habe so lange von diesem Moment geträumt, und nach 15 harten Sessions ist es endlich passiert. Diese Begehung bedeutet mir mehr als jede andere. Eine so schöne, mythische und historische Route an meinem Heimatfels Erstzubegehen ist mehr, als ich je zu träumen gewagt hätte.
Erwan Legrand
Eine Linie, die selbst die stärksten scheitern ließ
Le Bombé Bleu, »die blaue Bombe«, verdankt ihren Namen einem markanten blauen Streifen, der sich durch die Mitte der Wand zieht. Marc Le Ménestrel bohrte die Linie 1991, damals noch unter dem Spitznamen Chantier, quer durch den massiven Überhang oberhalb des Sektors La Plage. Schon zu Beginn der 90er-Jahre war die Wand so griffarm, dass manch einer kurzerhand einen künstlichen Griff geschlagen hätte, um die Linie kletterbar zu machen. Le Ménestrel jedoch bewahrte die Route in ihrem natürlichen Zustand.
Le Bombé Bleu beginnt mit einer Passage um die 7a zu einem Absatz, von dem aus zwei Henkel in die scheinbar unlösbare Crux führen: ein Dyno von einem flachen Mono in ein Zweifinger-Pocket, das mit extremer Präzision getroffen werden muss. Danach folgt eine 8c+/9a-Passage, ohne Möglichkeit zur Pause dazwischen. Ben Moon, der zu der damaligen Zeit die erste französische 8c eingerichtet hatte, trainierte sogar an nachgebauten Repliken der Crux-Griffe, scheiterte aber dennoch. Dasselbe Schicksal ereilte auch Größen wie Stefan Glowacz, Chris Sharma, Fred Rouhling, Iker Pou, Charles Albert und Alexander Megos beim Versuch Le Bombé Bleu zu klettern.
Klettern liegt ihm im Blut
Erwan Legrand ist der Sohn von François Legrand, dem früheren Weltcupdominator und mehrfachen Weltmeister der 1990er-Jahre. Er hat schon einige harte Linien auf seiner Tickliste, unter anderem Culture Gym (9a) in Buoux, sowie die Erstbegehungen von Les Loges De La Fuite (8c+) in Gorges du Tarnin und Beginning Of The Strongness (9a). Letztere ticket er Ende 2025 und verkündete im Anschluss, dass er den Winter »Le Bombé Bleu« widmen wolle. »Die Linie wird mein Hauptprojekt für den Winter. Es ist eine der besten und schönsten Kletterrouten, die ich je versucht habe«, schrieb er dazu auf Instagram.
Die Linie hat mich mental an meine Grenzen gebracht wie kein anderes Projekt zuvor. Es war eine echte Prüfung für mich, die mir in vielerlei Hinsicht viel beigebracht hat und aus der ich stärker raus gekommen bin. Gib niemals auf.
Erwan Legrand
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Credits: Titelbild: Symboldbild Buoux: Adobe Stock

