Bescherung am Fels | Leo Cea punktet »Pure Dreaming« (8c+/9a) in Arco

Kurz vor Heiligabend hat Leo Cea sich selbst ein frühes Weihnachtsgeschenk gemacht. Bei einem viertägigen Trip nach Arco kletterte der 13-Jährige »Pure Dreaming« – und war vom schnellen Durchstieg selbst ein bisschen überrascht.

Am 22. Dezember ist dem deutsch-chilenischen Kletterer Leo Cea mit »Pure Dreaming« in Arco eine seiner bisher schwersten Routen gelungen. Die Linie im Sektor Massone wurde von Alfredo Webber eingebohrt und 2018 von Adam Ondra erstbegangen. Leo beschreibt sie als eine der schönsten und vielseitigsten Routen, die er je geklettert ist.

Eine ganz besondere Route für mich – wegen der Bewegungen, aber auch der historischen Verbindung zum Klettern in Arco.

Leo Cea

»Pure Dreaming« (manchmal auch »Puro Dreaming«) ist eine jüngere Variante des Arco-Klassikers »Reini’s Vibes« (8c/+) und gehört dort zu den beliebtesten Routen zwischen 8c+ und 9a. Viele namhafte Kletter*innen und Vorbilder von Leo haben die Linie bisher wiederholt – etwa Angela Eiter, Alex Megos oder Laura Rogora. Diesen Oktober schrieb Janja Garnbret dort ein weiteres Stück Klettergeschichte, als sie »Pure Dreaming« im ersten Versuch kletterte.

Ausdauer-Testpiece mit zwei Schlüsselstellen

Jung ist auch Leo Cea, dem »Pure Dreaming« jetzt kurz nach seinem 13. Geburtstag gelungen ist. Aufmerksam wurde er auf die Linie unter anderem durch den Italiener Andrea Chelleris, der sie 2021 mit nur zwölf Jahren kletterte – damals Weltrekord im Grad 9a. Mittlerweile hält Leo selbst den Titel als jüngster 9a-Kletterer aller Zeiten. »Dass Andrea die Route so jung geklettert ist, hat mich besonders motiviert«, erzählt der Deutsch-Chilene. Vor wenigen Wochen hatten sich die beiden Kletterer in Margalef auch persönlich kennengelernt.

»Pure Dreaming« ist eine rund 50 Meter lange, überhängende und extrem ausdauerlastige Linie. Sie beginnt mit einem etwa 15 Züge langen Einstiegsboulder, bevor es im weiteren Verlauf immer steiler wird. Für Leo Cea hielt die Route zwei klare Schlüsselstellen parat: eine Beta-Crux im ersten Drittel und eine dynamische Passage im letzten Drittel der Linie.

Durchstieg in drei Tagen: »vielleicht eher soft 9a«

Am zweiten Tag in der Route kam Leo beim vierten Versuch dem Umlenker ganz nah, nur um beim Ausstieg aus dem Dach mit dem Fuß abzurutschen. »Da war ich schon sehr frustriert«, erzählt Leo, dem dieses Jahr seine fünfte 9a gelungen ist. Nach dem Sturz entschied er sich bewusst, es für heute gut sein zu lassen – und belohnte sich an Tag drei mit dem Durchstieg. Dass es doch so schnell ging, überraschte den jungen Lead-Spezialisten selbst ein bisschen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Route in so wenigen Versuchen schaffen würde.

Leo Cea
Mit 13 Jahren gehört Leo Cea zu den jüngsten Kletterern, die »Pure Dreaming« wiederholt haben (Bild: René Cea)

Was den Schwierigkeitsgrad von »Pure Dreaming« angeht, hält es Leo Cea ähnlich wie die meisten Wiederholer*innen zuletzt. Demnach liegt der Grad irgendwo zwischen 8c+ und 9a – »vielleicht eher bei einer soften 9a«, sagt Leo. Adam Ondra hatte nach seiner Erstbegehung 2018 zunächst die höhere Bewertung vorgeschlagen.

Seit circa 2021 liegt der Konsens durch neue Beta und den Einsatz von Kneepads bei 8c+/9a. Auch Leo verwendete ein Pad für eine (»sehr spaßige«) freihändige Ruheposition auf halber Höhe der Linie. Gleichzeitig bleibt die Bewertung von »Pure Dreaming« subjektiv und die Route wird noch heute teils als 8c+, teils als 9a getickt. Mit seinen aktuell 1,43 Metern Körpergröße und 1,50 Metern Armspannweite spielte bei Leo außerdem auch die Körpergröße eine besondere Rolle. Auf 8a.nu tickte er sich die Route als softe 9a, seine sechste.

Leo im Kneebar-Rest in »Pure Dreaming« (Bild: René Cea)

Wintertraining daheim in Franken

Unabhängig vom Schwierigkeitsgrad ist Leo Cea momentan extrem motiviert, harte Routen zu probieren. Bei seinem nächsten Besuch in Arco möchte er sich weiter an der steileren und schwereren Variante »Pure Dreaming Plus« (9a+) versuchen, die er bereits kurz angetestet hat.

Bis zu seinem nächsten längeren Klettertrip sammelt Leo derweil zuhause im Frankenjura schwere Touren. Dort kletterte er zuletzt »Georg Simon Direkt« (8a+) onsight und punktete »Klondike Cat« (8c). Bei seinem Training wird der junge Ausnahmekletterer unter anderem von Mentor Alex Megos und der Frankenjura Academy sowie der gemeinnützigen Benno Kittl Stiftung unterstützt.

Ich bin sehr dankbar für all die Unterstützung und die Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln. Arco war wunderschön und hat mich fasziniert.

Leo Cea
Leo in »Klondike Cat« (8c) im Frankenjura (Bild: René Cea)

Uncut-Video: Leo Cea klettert »Pure Dreaming«

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: René Cea/Leo Cea

Aktuell

Wie verändert Künstliche Intelligenz den Klettersport?

Ob beim Training oder im Routenbau, für Hallenbetreiber oder Hobbyathletinnen: Wir haben uns einige Beispiele angeschaut, wie Künstliche Intelligenz aktuell den Klettersport prägt, was künftig noch kommen könnte und welche Vorteile und Risiken sich dabei gegenüberstehen.

Aufwärmen am Fels: So macht es Alexander Megos

Auf einem Trip abseits von Bleu und dem Tessin gibt es oft nur dich und dein Projekt. Kein Aufwärmboulder und leichte Routen in Sicht. Profikletterer Alexander Megos hat uns erklärt wie man die Finger und den Körper am besten auf solche Situationen vorbereitet. Dafür hat er zwei Dinge immer im Auto – eine Yogamatte und ein Fingerboard. Hier erklärt er, wie er beides einsetzt.

Messner tourt durch Deutschland: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt

Reinhold Messner geht ab Oktober auf Vortragstournee: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt, vier verschiedene Programme. Von „Nanga Parbat" bis „Weltberge – die 4. Dimension". Tickets laufen über Eventim.

Neue Sohle statt neuer Schuh: der Zeitpunkt zum Resolen

Der richtige Zeitpunkt, um Kletterschuhe neu besohlen zu lassen, liegt früher als gedacht: bei rund einem Millimeter Restsohle. Ausmessen tut das ehrlich niemand, aber woher weiß ich dann, wann ich meinen Schuh lieber mal abgeben sollte und wo geht das überhaupt?

Wie verändert Künstliche Intelligenz den Klettersport?

Ob beim Training oder im Routenbau, für Hallenbetreiber oder Hobbyathletinnen: Wir haben uns einige Beispiele angeschaut, wie Künstliche Intelligenz aktuell den Klettersport prägt, was künftig noch kommen könnte und welche Vorteile und Risiken sich dabei gegenüberstehen.

Aufwärmen am Fels: So macht es Alexander Megos

Auf einem Trip abseits von Bleu und dem Tessin gibt es oft nur dich und dein Projekt. Kein Aufwärmboulder und leichte Routen in Sicht. Profikletterer Alexander Megos hat uns erklärt wie man die Finger und den Körper am besten auf solche Situationen vorbereitet. Dafür hat er zwei Dinge immer im Auto – eine Yogamatte und ein Fingerboard. Hier erklärt er, wie er beides einsetzt.

Messner tourt durch Deutschland: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt

Reinhold Messner geht ab Oktober auf Vortragstournee: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt, vier verschiedene Programme. Von „Nanga Parbat" bis „Weltberge – die 4. Dimension". Tickets laufen über Eventim.