Die österreichische Lead-Spezialistin Eva-Maria Hammelmüller hat in Col de Castillon ihre fünfte 9a getickt. Ihr Durchstieg von »WRC« (9a) kam dabei mehr als unverhofft – und zeigt, dass Erwartungen beim Klettern nicht immer die wichtigste Rolle spielen.
Irgendwie ist es beruhigend, dass auch bei Profikletter*innen manchmal das ganz normale Leben dazwischenkommt. Der Januar stand bei Eva-Maria Hammelmüller im Zeichen von Uni-Stress, Arbeit und intensivem Training. Im Februar fand die Österreicherin dann endlich wieder Zeit für das, was sie am liebsten tut: schwere Linien draußen am Fels probieren.
Im südfranzösischen Castillon tickte Hammelmüller innerhalb von zwei Sessions die Linie »WRC«, ihre insgesamt fünfte 9a. Und das nicht nur am vierten Klettertag in Folge, sondern auch an einem Freitag dem 13. »Mein neuer Glückstag«, scherzt die 25-Jährige.
Unerwarteter Low-Gravity Day für Eva-Maria Hammelmüller
»WRC« (9a) ist eine eindrucksvolle Tufa-Linie in Castillon nahe Nizza, die 2009 vom Franzosen Kevin Aglae erstbegangen wurde. Sie erweitert den Klassiker »Alien carnage« (8c+) um eine zusätzliche, 8a+ schwere Sequenz – und legt damit in Sachen Ausdauer noch eine Schippe drauf. Ein perfektes Projekt für Eva-Maria Hammelmüller, die im Oktober 2024 mit »Hades« am Innsbrucker Götterwandl erstmals den Grad 9a klettern konnte und für ihre Hartnäckigkeit am Fels bekannt ist.
Im Gebiet Col de Castillo sicherte sich die Niederösterreicherin zunächst »Alien Carnage« innerhalb von zwei Tagen – ihre inzwischen 19. Route im Grad 8c+. Anschließend nahm sie sich die verlängerte Variante »WRC« vor. Schon in der ersten Session kam sie dem Umlenker so nah wie möglich, doch gleich drei Mal war in der letzten schweren Sequenz Schluss – auch wegen eines dynamischen Zugs, der Präzision und Timing verlangt. Am vierten Klettertag in Folge schätzte die 25-Jährige ihre Chancen auf den Durchstieg eher vorsichtig ein. Versuchen wollte sie es trotzdem unbedingt.
Der vierte Klettertag in Folge – ich bin schon mit müden Unterarmen aufgewacht. Weil es unser letzter Tag in dem Gebiet war, musste ich es aber zumindest versuchen.
Eva-Maria Hammelmüller
Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung: Trotz müder Arme reichte die Ausdauer bis in die letzten Züge – und auch der letzte Dyno klappte, wie sie sagt, »mit ein bisschen Glück«. Mit dem Durchstieg ihrer fünften 9a war für Hammelmüller allerdings noch nicht Feierabend: Noch am selben Tag flashte sie »BarjoLand« (8b) und punktete zudem »Total Jobard« (8b+). Auf Instagram fasst die Lead-Spezialistin zusammen, was wir alle daraus lernen können: »Manchmal sind die besten Tage genau die, von denen man es am wenigsten erwartet.«
Hammelmüller: befreit am Fels nach Wettkampf-Aus
Eva-Maria Hammelmüller startet – wenn auch etwas verspätet – mit einem großen Erfolgserlebnis in das neue Jahr, das für sie gleichzeitig einen neuen Lebensabschnitt symbolisiert. Ende 2025 verkündete die Österreicherin ihr Karriereende als Wettkampfkletterin im Österreichischen Nationalteam. Nach mehr als zehn Jahren im Kader stand sie vergangenes Jahr zum letzten Mal auf der Weltcup-Bühne. Jetzt widmet sich die 25-Jährige dem, was ihr am meisten taugt: dem Fels.
Am Fels fühle ich mich frei – ohne Ranking, Druck oder Vergleich.
Eva-Maria Hammelmüller
Schon in den letzten Jahren zeichnete sich immer mehr ab, dass die Niederösterreicherin ihre Stärke draußen besser an die Wand bringt: Allein 2025 gelangen ihr 14 Routen im Grad 8c+ und drei 9as, darunter zuletzt Stefano Ghisolfis »Omen Nomen« (9a) in Arco. Damit ist Eva-Maria Hammelmüller derzeit Österreichs Nummer 1 im nationalen Ranking – und nur knapp außerhalb der globalen Top 20.
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Credits Titelbild: Eva-Maria Hammelmüller

