Der tschechische Kletterer Pepa Šindel hat mit der legendären Action Directe im Nördlichen Frankenjura seine mittlerweile neunte 9a geklettert. Mit seinen 17 Jahren ist er einer der jüngeren, aber nicht der jüngste Begeher der ikonischen Route, die Wolfgang Güllich 1991 als erste ihres Grades kletterte.
Um den 17-jährigen Josef «Pepa» Šindel als «Nachwuchskletterer» zu bezeichnen, hat er eigentlich schon zu viel erreicht. Mit 13 Jahren tickte der Tscheche seine erste 8c, heute blickt er auf elf Routen im Grad 9a bis 9a+ zurück – alle geklettert in den letzten zwei Jahren.
Trotzdem war die Action Directe (9a) für Šindel nicht nur irgendeine weitere 9a. Die berühmte Route, eingebohrt von Milan Sykora und 1991 von Wolfgang Güllich als erste ihres Grades begangen, lockt auch nach mehr als 30 Jahren Kletterer aus aller Welt in den Krottenseer Forst im Nördlichen Frankenjura.
Eine legendäre Route, mit der Wolfgang Güllich 1991 die Grenzen des menschlich Machbaren verschoben hat.
Pepa Šindel

Rund 25 Versuche in neun Tagen
Pepa Šindel ist kein Neuling, wenn es um schwere Linien in der Fränkischen Schweiz geht. Erst im Mai gelang ihm dort mit Modified (9a+) an der Holzgauer Wand eine seiner bisher schwersten Routen. Bei einem «klassischen Sommerurlaub» im Frankenjura war es dieses Jahr endlich Zeit für den 17-Jährigen, sich am wohl bekanntesten Erbe von Güllich zu versuchen.
Ich habe alle Züge relativ schnell gemacht und war mir sicher, dass ich es schaffen kann.
Pepa Šindel
Trotz vielversprechender Anfänge – vor allem im ikonischen Sprung aus dem Mono-Pocket – war es der letzte Zug zum Henkel, der Šindel kurz vor Schluss mehrfach ausspuckte: «Es ging nur noch darum, auf den perfekten Versuch und die richtigen Bedingungen zu warten.»

Insgesamt verbrachte der Tscheche neun Tage in der Route und investierte rund 25 Versuche, bis endlich alles stimmte und er den Umlenker klippen konnte. Weil er danach scheinbar noch nicht genug von Güllich-Routen hatte, widmete er sich direkt im Anschluss einer weiteren bekannten Linie: Wallstreet, die erste 8c der Welt, gelang Šindel im vierten Versuch.
Action Directe ist eine der besten Linien, die ich jemals geklettert habe.
Pepa Šindel
Action Directe: bestätigte Begehungen & Rekorde
Mit der insgesamt 41. bestätigten Begehung* von Action Directe reiht sich Pepa Šindel in eine Linie namhafter Kletterer – und einer Kletterin – ein, die die Route seit 1991 geschafft haben. Mit seinen 17 Jahren gehört der Tscheche zu den Jüngeren, denen sie gelungen ist: Erst diesen April hatte Lukas Mokrolusky, ebenfalls 17 Jahre alt und aus Tschechien, Action Directe wiederholt.
*Basierend auf einer Zusammenführung der Dokumentation aus Climbing History, 8a.nu & Wikipedia, die jeweils nicht alle Begehungen listen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit!
Neben den 41 Kletterern, deren Begehungen von Augenzeugen/durch Videomaterial als bestätigt gelten, werden zwei Wiederholungen angesichts mangelnder Beweise diskutiert: die des Briten Richard Simpson (2005) und des Schweden Said Belhaj (2018).

Innerhalb der Gemeinschaft aller Action Directe-Wiederholer gibt es einige Rekorde: So kletterte Alex Megos die Route 2014 als Erster innerhalb eines Tages, 2020 gelang Mélissa Le Nevé die bisher einzige weibliche Wiederholung.
Den Rekord für die jüngste Begehung der Action Directe (9a) hält der wohl bekannteste Landsmann von Pepa Šindel: Adam Ondra kletterte die Tour im Jahr 2008 mit gerade einmal 15 Jahren. Neben Šindel und Mokrolusky gelang die Route auch dem Polen Michał Korban im Alter von 17 Jahren.
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Credits Titelbild: Pepa Šindel

