Die Europäische Weltraumorganisation ESA plant einen neuen Forschungsstandort in Europa, mitten in Frankreich – auf dem Plateau von Céüse. Mit dem Klettern könnte es ab 2030 vorbei sein. Was steckt dahinter und was können wir gegen das Vorhaben tun? Wir gehen der Sache in der jüngsten BETA-Sendung von Actiontalk TV nach.

Laut einer Machbarkeitsstudie will die ESA einen neuen Forschungsstandort auf dem Plateau von Céüse errichten. Das hätte weitreichende Konsequenzen für die Region. Das Forschungsareal hätte die Grösse von etwa 420 Fussballfeldern, diverse Teleskope und Instrumente für solare Zukunftsforschung sollen gebaut werden, zusätzlich ein Campus, in welchem rund 500 Wissenschaftler dauerhaft wohnhaft wären.

Aus Sicht des Klettersports wäre das Projekt fatal.

Vor allem aus Sicht des Klettersports wäre das Projekt fatal. Aufgrund der grossen Dimension des Projektes könnten weite Teile des Plateaus, inklusive der Felswände, zum Sperrgebiet erklärt werden.

Alex Megos schickt reihenweise Sponsoren in die Wüste

Für mich wäre es der absolute Super-Gau. Das wäre ein riesen Verlust für die gesamte Klettercommunity!

Alexander Megos

Im Rahmen der Sendung BETA von Actiontalk TV sind wir dem Vorhaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA auf den Grund gegangen und haben mit den Profikletterern Alexander Megos und Cédric Lachat gesprochen.

Newssendung BETA: Was steckt hinter der geplanten Sperrung von Céüse

Das sind die brennendsten Fragen und Antworten zum Vorhaben der ESA (Quelle: save-ceuse.com)

Wieso braucht es ein neues Forschungsareal?

Seit 2018 plant die ESA das weltweit grösste Forschungsprogramm für solare Zukunftsforschung ESOLEXT 2030 (European Solar Extinction Program). 

Das Programm wird von den ESA-Nationen mit 14,4 Milliarden Euro finanziert und soll neue Erkenntnisse über die Sonne bringen und damit auch für Zukunfts- und Klimaforschung relevant sein. 

Woran wird bei ESOLEXT 2030 geforscht?

Im Zentrum steht die Frage, wie lange die Sonne noch leuchten wird, ehe sie verglüht. Diese Zahl kann bislang nur grob auf etwa 5 Mia. Jahre geschätzt werden. Die Sonne ist ein gigantischer Kernfusionsreaktor. Sie besteht hauptsächlich aus Wasserstoff. In ihrem Inneren sind Druck und Temperatur so hoch, dass Wasserstoffatome miteinander zu Heliumatomen verschmelzen. Dabei wird eine ungeheure Menge Energie frei. Doch der Wasserstoffvorrat ist nicht unendlich. Die ESA möchte nun mit modernsten Erkundungsmethoden noch genauer über die chemischen Prozesse auf der Sonnenoberfläche Bescheid wissen und erhofft sich mit einer Fehlertoleranz von nur +/- 10’000 Jahren abschätzen zu können, wann die Sonne effektiv verglühen wird. Es besteht Grund zur Annahme, dass die Sonne schon wesentlich früher erlöschen könnte, auch wenn der Zeithorizont für menschliches Dasein nicht relevant sein wird (die Menschheit dürfte bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum aufgrund Ressourcenknappheit auf dem eigenen Planeten früher aussterben). Zudem soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern der aktuelle Klimawandel von der Sonnenaktivität abhängt. Laut den sogenannten Milanković-Zyklen variiert die auf der Erde eintreffende Sonnenstrahlung periodisch. Die ESA geht der Frage nach, ob der derzeitige Klimawandel insofern eine natürliche und weniger eine menschliche Ursache haben könnte. 

Wieso wurde der Standort auf dem Plateau von Céüse ausgesucht?

Die hochsensiblen Teleskope und Erkundungsinstrumente werden ständig auf die Sonne gerichtet sein und ihrem Verlauf im Tagesgang folgen. Dazu müssen sie auf einem Hochplateau errichtet sein, das sich aus der mehr oder weniger flachen Umgebung merklich erhebt. Voraussetzung ist auch, dass der Standort in geographisch mittleren Breiten liegt, denn hier trifft das Sonnenlicht in einem günstigen Winkel auf die Erdoberfläche auf. Damit die Sensoren ein Maximum an Daten erhalten, muss die Sonnenstrahlung in einem mittleren Winkel eintreffen. (Näher am Äquator wäre dieser Winkel zu steil, die hochsensiblen Sensoren würden verglühen. Hingegen wäre der Einfallswinkel mehr zu den Polen hin zu flach.) Zwar wurden auch Standorte in Deutschland und in der Ukraine diskutiert, doch letztlich spricht alles für den französischen Standort: das relativ trockene Klima, die höhere jährliche Sonnenscheindauer und die topographisch günstige Lage auf dem Plateau mit Rundumsicht. Entscheidend dürften auch geopolitische Gründe gewesen sein: Frankreich ist eine der wichtigsten und einflussreichsten ESA-Nationen, der ESA-Hauptsitz befindet sich bereits in Paris.

In welchem Stadium befindet sich das Projekt?

Die ESA möchte spätestens 2025 mit dem Bau beginnen und die Anlage 2030 in Betrieb nehmen. Da die Region vor allem von Tourismus und Landwirtschaft lebt, dürfte mit Widerstand aus der Bevölkerung gerechnet werden. Bereits wurde eine Online-Petition gegen das Vorhaben gestartet (www.safe-ceuse.org). Das Projekt dürfte aber angesichts der grossen wissenschaftlichen Bedeutung und der immensen finanziellen Dimension das Wohlwollen von Paris geniessen. Die Machbarkeitsstudie wurde nun dem französischen Parlament vorgelegt. Wird sie für tauglich befunden, so muss damit gerechnet werden, dass das Bauprojekt spätestens im Jahr 2025 mit massiven Umstrukturierungen der Region um Céüse gestartet wird.

Abgesehen davon, dass es fürs Klettern schrecklich ist, ist die geplante Anlage ganz einfach hässlich.

Cédric Lachat

Was bedeutet die Sperrzone?

Das bei Gleitschirmfliegern, Deltaseglern, Wanderern und Kletterern beliebte Freizeitgebiet am Plateau von Céüse würde es in seinem jetzigen Zustand kaum mehr geben. Zwar sieht die Machbarkeitsstudie weiterhin vor, dass Touristen auf das Plateau gelangen können, sie müssen sich allerdings in den vorgesehenen Korridoren bewegen. So wäre eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform geplant, ein Visitor-Center und ein Museum. Die dann herrschenden Abstandsmassnahmen sind vergleichbar mit jenen zu einem Flughafen: weitläufige Zäune dürften unbefugten Zugang verhindern, der Luftraum wird zur Sperrzone. Céüse ist insbesondere bei Kletterern und Alpinisten ein europaweit bekannter und beliebter Ferienort. Inwiefern diese Bedürfnisse, insbesondere der Zugang zum Felsriegel unterhalb des Plateaus, berücksichtigt werden, darüber gibt die Machbarkeitsstudie nur bedingt Auskunft. Angedacht wäre die Option, dass der Felsriegel als natürliche Barriere zum Gelände fungiert (wobei es aber verboten wäre, den Felsriegel hochzuklettern). Oder aber, dass auch der Felsriegel miteingezäunt würde. In beiden Fällen dürfte das bei Kletterern beliebte Felsgebiet stark eingeschränkt, allenfalls gar komplett unzugänglich gemacht werden.


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Credits: Titelbild Aups / CC BY-SA 3.0,

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