Heute, 5. August 2021, findet die Olympia-Finalrunde der Männer in den Sportkletterdisziplinen Speed, Bouldern und Lead statt. Wir fassen laufend zusammen und zeigen die Resultate.

UPDATE 17.14 Uhr

Der Spanier Alberto Gines Lopez gewinnt die erste Olympia-Goldmedaille in der Geschichte des Sportkletterns. Das Schlussresultat der Olympia-Finalrunde der Männer fassen wir für euch in einem separaten Artikel zusammen. Die heutigen Ereignisse in den Disziplinen Bouldern und Speed findet ihr weiter unten.

Bouldern – Resultat/Zusammenfassung: Coleman siegt, Ondra nur Rang 6, Schubert Schlusslicht

Ob die Routenbauer bedacht haben, dass die Athleten schlechtgelaunt aus dem Speedwettbewerb kommen könnten? Jedenfalls scheint das erste Boulderproblem gutmütig zu sein. Fast alle Teilnehmer toppen den Boulder im flash, ausser Adam Ondra (zwei Versuche). Der Spanier Alberto Gines Lopez schafft es nicht bis oben. Der Sieger aus dem Speedwettkampf holt nur die Zone.

Boulder 2: Grosse im Vorteil, Ondra findet den Schwung nicht

Nathaniel Coleman kann als einziger den zweiten Boulder toppen. Nach einer langen und schwungvollen Rechtstraverse muss mächtig Schwung abgefangen werden. Interessant ist dabei zu beobachten, dass alle Athleten zwei-dreimal Schwung holen, Tomoa Narasaki – der Ex-Turner – hingegen nur einmal. Ganz gemäss seiner Theorie: anvisieren und gleich loslegen. 

Nathaniel Coleman toppt Boulder Nummer 2. (Bild olympics.com)
Nathaniel Coleman toppt Boulder Nummer 2. (Bild olympics.com)

Doch der Japaner kann hier nur die Zone holen. Gut möglich, dass der Schlusszug – weit mit Links an eine kleine Leiste und gleichzeitig mit dem Toehook rechts abfangen – den Grösseren besser liegt. Jedenfalls brachte der lange Coleman das gut hin, während die beiden eher kleinen Narasaki und Duffy hier deutlich mehr Mühe bekundeten. 

Adam Ondra findet den Schwung bei Boulder 2 nicht, er segelt an der Zone vorbei und geht als einziger leer aus. Alle anderen schaffen die Zone. 

Boulder 3: Ein Fall fürs Museum?

Boulderproblem Nummer 3 könnte nach dem Wettkampf direkt ins Museum of Modern Arts nach New York wechseln: eine kunstvolle Plastik ähnlich einer Sonne. Vielleicht eine Hommage ans Land der untergehenden Sonne, oder ist es eine Blume? Nein eine Nuss, eine brutale Knacknuss genau gesagt.

Alberto Gines Lopez in Boulder Nummer 3 des Olympia-Finals der Männer. (Bild olympics.com)

Niemand schafft das Top, nicht einmal ansatzweise sehen wir eine komplette Lösung. Während das erste Boulderproblem vielleicht ein bisschen soft war, so ist dieses eher zu hart. Sinnbildlich schafft es Adam Ondra mit einem beherzten Schrei immerhin einen Zug weiter als alle anderen, weiss dann aber nicht mehr weiter und gibt auf! Das sieht man selten. Sein Effort wird nicht einmal belohnt, denn sein Highpoint fällt in den undankbaren Bereich zwischen Zone und Top. Da gibt’s nix zu gewinnen.

Tomoa Narasaki lässt gar seine letzten 20 Sekunden ungenutzt, so unlösbar ist das Ding offenbar. Und auch Mickael Mawem kann der kunstvollen Plastik keine Begehung abringen. Vielleicht doch nur ein Fall fürs Museum… 

Die Athleten liegen im Boulderdurchgang dicht beieinander. Coleman hat als einziger 2 Tops und 3 Zonen, er gewinnt die Runde. Dahinter folgen Mawem, Naraski, Duffy und Schubert alle mit einem Top und drei Zonen. Ondra ist mit einem Top und zwei Zonen nur auf Rang 6, Schlusslicht ist Alberto Gines Lopez, der Sieger aus der Speedrunde.

Rangliste Olympia-Boulderfinal

Spannende Ausgangslage

Die Ausgangslage nach zwei von drei Durchgängen ist nun äusserst spannend. Mawem, Narasaki und Coleman haben in der Zwischenrangliste die gleiche Punktzahl (6), es folgen Gines Lopez (7), Duffy (20), Ondra (24) und Schubert (35).

Die Lead-Spezialisten liegen also im Rückstand, können aber noch alles klar machen mit starken Leistungen in der letzten Runde. Das kombinierte Format hat als doch nicht nur Nachteile, für die letzte Runde (Lead) könnte die Ausgangslage nicht spannender sein!

Zwischenrangliste Olympiafinal Sportklettern

Speed – Resultat/Zusammenfassung: Gines Lopez gewinnt vor Narasaki, Ondra wächst über sich hinaus!

Das Speedfinal ist bereits über die Bühne, es war wegen der Abwesenheit von Bassa Mawem eine kürzere Angelegenheit. Bis zuletzt war nicht wirklich klar, wie seine Absenz nun gehandhabt wird. Fest stand nur, dass Mawem nicht durch Megos ersetzt würde (der auf Platz 9 der Qualifikationsrunde lag).

Nun war es also tatsächlich so, dass Adam Ondra dadurch die erste Runde “geschenkt” bekam und Platz vier auf sicher hatte. Doch es wäre völlig vermessen, hier nun zu sagen, Ondra hätte sich Platz 4 gestohlen. Wie der Tscheche heute über sich hinauswuchs, das hätte niemand erwartet!

Laufliste Speedkletter-Finale

Ondra unterbietet sich in jedem Lauf

Im ersten Lauf gab er gleich vollgas und holte mit 7.44 persönliche Bestzeit. Im Halbfinal hatte er dann gegen Gines Lopez zwar das Nachsehen – doch wieder wuchs der Tscheche über sich hinaus. Mit 7.03 war er nur gerade 7 Hundertstelsekunden langsamer als der Spanier und unterbot seine persönliche Bestzeit gleich um eine halbe Sekunde!

Damit nicht genug: im Lauf um Rang 3 gegen Mickael Mawem machte er mit 6.86 gleich nochmal eine neue persönliche Bestzeit, doch der Franzose ist noch etwas schneller. Mawem holt sich damit Platz 3. Es ist dennoch ein Traumstart für Ondra, der jetzt den Schwung in seine Paradedisziplinen Bouldern und Lead mitnehmen dürfte. Und man darf sich fragen: ist Ondra gerade auf den Speedgeschmack gekommen?

Duffy mit Fehlstart, Tomoa stürzt in seinem Skip

Der japanische Favorit Tomoa Narasaki kann sich zwar gegen Jakob Schubert und Mickael Mawem bis in den Speedfinal durchsetzen, hat dann aber gegen den Spanier Gines Lopez das Nachsehen. Ausgerechnet in seinem Tomoa-Skip gleich nach dem Start rutscht er ab und landet auf Rang 2. Damit ist der junge Spanier Sieger der ersten Runde .

Rang 5 holt der junger Amerikaner Colin Duffy, der einen bedauerlichen Start in den Tag erwischt. Wegen eines Fehlstartes verliert er die erste Runde, noch bevor er richtig loslegen konnte. Das Rennen um Rang 5 gegen Landsmann Coleman kann er mit einer Zeit von 6.35 für sich entscheiden, doch glücklich sieht er danach nicht aus. Er weiss: ohne den Fehlstart hätte er es heute in der Rangliste weiter nach vorne geschafft.

Die grösste Hypothek handelt sich der Österreicher Jakob Schubert ein, er beendet den Speedlauf auf dem 7. Rang und damit auf dem zweitletzten (Rang 8 geht an den abwesenden Bassa Mawem). Hoffen wir, dass Schubert den hohen Multiplikationsfaktor von 7 verdrängen kann und guten Mutes an die drei Boulderprobleme geht. In der Quali hatte er bereits mentale Stärke bewiesen – noch ist nichts verloren.

Fragwürdiges Reglement

Noch ein Nachtrag zu der durchaus eigenartigen Auslegung, dass nun effektiv nur sieben Athleten anstatt der vorgesehenen acht antreten. Nur schon weil für das Publikum ein Final mit voller Teilnehmerzahl attraktiver wäre, stellt sich die Frage, weshalb Alex Megos nicht nachrücken durfte. Das Argument, dass dann Bassa Mawem um seinen achten Platz gebracht würde, leuchtet insofern nicht ein, dass der 8. Rang am Ende problemlos doppelt hätte besetzt sein können, wie dies in anderen Olympischen Sportarten auch Usus ist.

Informationen zum Thema Reglement von DAV Wettkampfklettern

Insbesondere im Hinblick darauf, dass jederzeit gar mehrere Athleten Covid-bedingt hätten ausfallen können, hätte das Reglement den entsprechenden Fall antizipieren müssen. Man stelle sich vor, mehrere Finalteilnehmer hätten plötzlich Quarantäne-bedingt nicht antreten dürfen – die olympische Premiere des Sportkletterns wäre dann ziemlich dünn ausgefallen.

Sei’s drum. Wir sind froh um immerhin sieben Konkurrenten und freuen uns auf den Rest des Tages!

Rangliste Final Speedklettern

Live-Stream Olympiafinal Männer

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Credits: Titelbild Daniel Gajda/IFSC