Einem fünfköpfigen schweiz-französischem Expeditionsteam gelingt die Erstbegehung der 2000 Meter hohen Westwand des Apostels Tommelfinger in Grönland. Fernab der Zivilisation erreichen die fünf Abenteurer aus eigener Kraft mit Kayaks den Berg. Die Wand klettert das Team in sechs Tagen. Neben anhaltenden Schwierigkeiten im Fels stellt die Schlüsselstelle ein eisiger Überhang eines Hängegletschers dar.

Mit dieser Meldung ist LACRUX wie die alte Fasnacht, denn über die Expedition wurde bereits im September in anderen Medien berichtet. Nur gab es damals LACRUX noch nicht. Weil uns aber die Publikation dieser Erstbegehung in Grönland wichtig ist, berichten wir im Nachgang davon.

Silvan Schüpbach, Christian Ledergerber, Fabio Lupo (CH) sowie Jerôme Sullivan und Antoine Moineville (F) verbindet die Abenteuerlust und Bereitschaft, für ein grosses Ziel alles zu geben.
 Als die fünf Freunde am 21. Juli 2016 den Hafen von Aapilatooq in Südgrönland verlassen, haben sie nur geringe Kenntnisse über das, was sie bei ihrer geplanten Erstbegehung in Grönland erwarten wird. Das einzige Foto des Berges zeigt nur die obersten 300 Meter zum Gipfel. In sieben Tagen paddelt das Team 170 Kilometer durch Fjorde und über das offene Meer. Starke Strömungen, Wind und grosse Wellen gestalten das Kayaken extrem anspruchsvoll. Die fehlende Kayakerfahrung kompensieren die fünf Abenteurer mit Willen, Besonnenheit und etwas Glück.

Am Fuss des Berges Apostel Tommelfinger

Nach sieben Tagen im Kayak geht eine lange Zeit der Ungewissheit zu Ende, als sich die Westwand des Apostel Tommelfinger in ihrer ganzen Grösse offenbart. Mit dem Höhenmesser registrieren sie den Wandfuss auf 300 Meter über Meer. Der Gipfel ist gemäss Vermessung 2300 Meter über Meer. Diese Dimensionen übersteigen die Erwartungen der Kletterer deutlich. Als das Team am 29. Juli 2016 in die Wand einsteigt, sind die Säcke mit Essen und Ausrüstung für neun Tage gepackt. Über einen hochziehenden Gletscherarm werden die ersten 300 Meter umgangen. Der Einstieg in die Wand gelingt über einen 120 Meter hohen Hängegletscher. Überhängendes und teilweise loses Eis stellen physisch und psychisch eine grosse Belastungsprobe dar. Da das Team nicht mit so hohen Eisschwierigkeiten gerechnet und nur wenig entsprechendes Material gepackt hat, stehen nur vier Eisschrauben zur Verfügung. Als die Kletterer endlich den Beginn des Felsteils erreichen, sind sie erleichtert. Ab dort sind sie nicht mehr durch Stein- und Eisschlag bedroht.

Sechs kalte Nächte in Hängematten

In der Folge klettern die fünf weiter im sogenannten Capsule Stil, das heisst. sie bleiben stets in der Wand, nutzen jedoch bis zu 200 Meter Seil um Seillängen oberhalb der Biwakplätze zu fixieren. Als das nervenstarke und gut funktionierende Team am 3. Juli 2016 den Gipfel erreicht, liegen viele anstrengende Seillängen in Kaminen und teilweise schlechtem Fels, sowie einige durchfrorene Nächte in Hängematten hinter ihnen. Kurz nach dem Gipfelerfolg beginnt es stark zu schneien und die Riesenwand wird mit einem Eispanzer überzogen. Eine weitere Nacht in nassen Schlafsäcken überstehen die Kletterer bevor sie nach einem langen Abseiltag endlich wieder Fuss auf ebenen Boden setzen können. Neben vielen Abseilschlingen und nur einem Bohrhaken hinterlässt das Team 100 Meter Seil um über den gefährlichen Hängegletscher möglichst schnell abseilen zu können. Am 13. August erreichen die fünf ihren Ausgangspunkt Aapilatooq und schliessen damit die Erstbegehung in Grönland ab.

Fakten zur Route „Metrophobia“ Apostel Tommelfinger (Westwand, 2300m)

1700 Höhenmeter, Eis 120°, A2+, 7a
Der Routenname Metrophobia hat zwei Bedeutungen. Der Lärm der ständig niederdonnernden Lawinen erinnerte die Abenteurer an das Geräusch einer Metro. Mit dem Wortteil “phobia” möchten die Expeditionsteilnehmer den Zivilisationsüberdruss ausdrücken, den es für ein solches Unternehmen benötigt.

Der Ausgangspunkt Aapilatooq

Credits

Text und Bilder: (pd)


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