Die Klimaerwärmung verschärft das Gletschersterben in den Alpen. Für die Ehrenamtlichen des Österreichischen Alpenvereins wird auch die Messung der Gletscher immer mehr zur Herausforderung.
Jedes Frühjahr zieht der Österreichische Alpenverein mit seinem Gletscherbericht Bilanz zum Zustand der Gletscher in Österreich. Vergangenes Jahr wurde dabei ein neuer Negativrekordwert gemessen: 92 der untersuchten 93 Gletscher hatten sich im Gletscherhaushaltsjahr zurückgezogen. Die Pasterze, Österreichs größter Gletscher, sogar um 203,5 Meter – laut Alpenverein ein »Warnsignal an die Klimapolitik«.
Mit dem Eisschwund und den steigenden Temperaturen werden auch die Messungen vor Ort jedes Jahr herausfordernder. Weil Zustiege schwieriger werden und Steinschlaggefahr droht, kann der Österreichische Alpenverein bald an einigen Gletschern keine Messungen mehr durchführen.
Immer mehr Gletscher müssen in den kommenden Jahren aus dem Messprogramm des Alpenvereins genommen werden.
Österreichischer Alpenverein

Gletschersterben erschwert ehrenamtliche Messungen
Hinter den jährlichen Gletschermessungen des Alpenvereins steckt ein Team aus ehrenamtlichen Helfer*innen. Rund 50 Beteiligte haben jetzt die Messungen für den neuen Gletscherbericht abgeschlossen, der im Frühjahr 2026 erscheint. Obwohl die Auswertung noch läuft, warnt der Alpenverein schon jetzt, dass viele Gletscher künftig nicht mehr gemessen werden können. Teilweise sei die Gefahr für die Messteams zu hoch, teilweise lohne die Messung kaum noch – »weil die Gletscher schlichtweg verschwinden«.
Einer der ehrenamtlichen Gletschermesser ist der Geograf Michael Krobath vom Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark. Seit den frühen 1990er Jahren misst er für den Alpenverein die Längenänderungen an drei kleinen Gletschern in der Schobergruppe in Kärnten. Dabei nutzt er eine über 100 Jahre lang bewährte Methode: die Längenmessung von mehreren Fixpunkten pro Gletscher. Jetzt fürchtet er, dass das an »seinen« Gletschern bald nicht mehr möglich ist.

Denn: Zwei der drei Gletscher, die er jährlich misst, drohen in den nächsten Jahren auf halber Höhe abzureißen – das Hornkees und der Wandnischengletscher am Roten Knopf. Dadurch würden die bisherigen Messpunkte künftig deutlich höher im Gelände liegen, wo es wegen zunehmender Steinschlaggefahr zu gefährlich für Messungen ist. Beim Gössnitzkees ist die Situation noch dramatischer: Der Gletscher ist so klein, zerfallen und schuttbedeckt, dass dort in absehbarer Zukunft keine Messungen mehr sinnvoll sein dürften. Auch nicht mit Drohnen, die der Österreichische Alpenverein inzwischen an einigen Gletschern nutzt.
Es handelt sich inzwischen eher um einen Eisrest als um einen aktiven Gletscher.
Gletschermesser Michael Krobath über das Gössnitzkees

Alpenverein fordert »ausnahmslosen Gletscherschutz«
Anlässlich der alarmierenden Ergebnisse fordert der Alpenverein den ausnahmslosen Schutz der Gletscher durch konkretes Handeln der Politik. Auch Geograf Michael Krobath wünscht sich von politischer Seite, »dass Maßnahmen zum Gletscherschutz als Teil eines umfassenden Umwelt- und Naturschutzes verstanden werden«.
Es geht darum, alle Lebens- und Naturräume noch stärker als Schatzkammern für unsere Zukunft zu sehen und deren Schutz als Priorität zu behandeln.
Geograf Michael Krobath
Der Österreichische Alpenverein fordert seit Jahren besseren Schutz für Gletscherflächen, aber auch für deren fragile Gletschervorfelder – Bereiche, die erst in den letzten rund 175 Jahren eisfrei wurden. Sensible Ökosysteme, die sich dort herausgebildet haben, sollen trotz steigenden Nutzungsdruck zugunsten einer hohen Bio- und Geodiversität erhalten bleiben.
Dieses Jahr stand auch weltpolitisch mehrfach im Zeichen des Gletschersterbens: Die Vereinten Nationen haben 2025 zum Internationalen Jahr der Erhaltung der Gletscher erklärt, der 21. März wurde als »Welttag der Gletscher« deklariert. Ein internationales Forscherteam legte kürzlich eine Studie vor, laut der sich die Eisverluste seit der Jahrtausendwende immer mehr beschleunigen. Von weltweit 275.000 Gletschern sind die der Alpen und der Pyrenäen am stärksten betroffen.
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Credits Titelbild: Michael Krobath

