Die Hütten des Österreichischen Alpenvereins steuern nach dem Rekordjahr 2025 auf ein weiteres Nächtigungsplus zu. Die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt aber auch: Trockenheit, Stornierungen und No-Shows bleiben Baustellen.
Hüttensommer 2026: Plus nach dem Rekordjahr
Zum Österreichischen Alpenverein gehören 223 Hütten mit rund 10.000 Schlafplätzen, jährlich kommen etwa eine Million Besucherinnen und Besucher. 2025 verzeichneten die Hütten mit rund 384.000 Nächtigungen einen Rekord. In diesem Jahr dürfte die Zahl noch einmal steigen.„Aktuell gehen wir von einem Plus von rund fünf Prozent bei den Nächtigungen aus“, sagt Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl in der Pressemitteilung des Verbands. Endgültige Zahlen liegen allerdings noch nicht für alle Hütten vor.
Rekorde von den Radstädter Tauern bis zum Venediger
Auf einzelnen Hütten fällt die Bilanz noch deutlicher aus. Anna Menikheim-Schuhmann und Andreas Schuhmann von der Stickler-Hütte in den Radstädter Tauern sprechen vom „besten Übernachtungsergebnis seit Anbeginn der Zählung 1982“. Auch Florian Schmetzer, Hüttenwirt der Badener Hütte in der Venedigergruppe, meldet einen Nächtigungsrekord – möglich gemacht „durch einen sehr sonnigen Sommer“. Die Wangenitzsee-Hütte in der Schobergruppe war nach Angaben der Wirtsleute Kasia Pawlus-Biel und Andrzej Biel meistens ausgebucht.
New York trifft Totes Gebirge
Ein Trend setzt sich fort: Das Publikum auf den Hütten wird jünger und internationaler. Neben Gästen aus Österreich und Deutschland kommen laut Alpenverein zunehmend Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Tschechien und Großbritannien. Auch der Anteil außereuropäischer Gäste, etwa aus den USA, steigt.
Susanne Kern, Hüttenwirtin der Pühringer-Hütte im Toten Gebirge, beschreibt das in der offiziellen Pressemitteilung des ÖAV so: „Schon besonders, wenn eine Person aus New York neben Einheimischen Platz nimmt und sich noch jemand aus Chile dazugesellt. Die ganze Welt sitzt an einem Tisch, und das an einem so abgelegenen Ort wie der Pühringer-Hütte.“

Ausgebucht und trotzdem leere Lager
Im Juni hatte der Alpenverein noch vor Stornoquoten von 30 bis 40 Prozent gewarnt. Im Laufe des Sommers entspannte sich die Lage. Gründe dafür sind laut Verband die verstärkte Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sowie eine stabile Wetterlage. Gelöst ist das Problem nicht: Manche Gäste buchen weiterhin mehrere Hütten gleichzeitig und entscheiden kurzfristig nach Wetter, andere lassen reservierte Plätze ohne Absage verfallen.
Auf der Wangenitzsee-Hütte lag die Stornoquote bei rund 20 Prozent. Kasia Pawlus-Biel und Andrzej Biel schildern: „Wir hatten heuer sogar einmal 13 No-Shows an einem einzigen Tag, bei ungefähr 50 Plätzen. Oder eine Gruppe reserviert für acht Personen und kommt dann nur mit fünf. So etwas passiert fast jeden zweiten Tag.“ Der Alpenverein appelliert deshalb weiterhin, verantwortungsvoll zu reservieren und Rücksicht auf die begrenzten Kapazitäten der Hütten zu nehmen.
Kübel statt Klospülung
Das zweite große Thema der Saison war Wasser. Die anhaltende Trockenheit traf vor allem hochgelegene Hütten und Hütten in Karstgebieten. Auf der Pühringer-Hütte mussten laut Susanne Kern „die Klospülungen immer wieder abgestellt und auf das Schöpfen von Wasser mit Kübeln umgestellt werden“. Auf der Wangenitzsee-Hütte wurde es Ende Juni und im Juli eng. „Unsere alte Gletscherquelle liefert besonders an heißen Tagen immer weniger Wasser“, sagen die Wirtsleute.
Mit eingeschränkten Duschmöglichkeiten und der Mithilfe der Gäste blieben die betroffenen Hütten geöffnet. Für Florian Schmetzer von der Badener Hütte ist der Sommer trotzdem ein Warnsignal: „Ein Sommer wie dieser hat uns gezeigt, welche Herausforderungen die kommenden Jahre im Hinblick auf den Klimawandel, niederschlagsärmere Sommer und zunehmende Trockenheit mit sich bringen werden.“

Bettwanzen: sechs Verdachtsfälle
Bettwanzen sind kein reines Hüttenproblem – sie treten in Unterkünften jeder Kategorie auf, vom Nobelhotel bis zur Schutzhütte. Gemeinsam mit den Alpenvereinen in Deutschland und Südtirol startete der Österreichische Alpenverein im Sommer eine Informationsoffensive. Das Ziel: verhindern, dass Gäste die Insekten von Hütte zu Hütte tragen. Bei 223 Hütten gingen im Sommer 2026 sechs Verdachtsmeldungen ein.

„Einen gewaltigen Job“
Trotz Wassermangel und leerer Betten fällt das Fazit der Wirtsleute positiv aus. Die Wirtsleute Biel sprechen von einer Saison „mit sehr vielen schönen Begegnungen, einem tollen Team und vielen besonderen Momenten“. Gottfried Härtel vom Admonter Haus im Gesäuse hebt sein Personal hervor: „Meine Mitarbeitenden haben wieder einen tollen Job gemacht. Und das trifft es noch nicht einmal im Ansatz. Einen gewaltigen Job haben sie gemacht.“
Ganz vorbei ist die Saison noch nicht: Einige Hütten haben bis Anfang November geöffnet, die Öffnungszeiten stehen im Hüttenfinder des Alpenvereins. Ob das Plus am Ende tatsächlich bei fünf Prozent landet, zeigen erst die endgültigen Zahlen – die Wasserfrage dürfte die Hütten deutlich länger beschäftigen.
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