Die härteste Trad-Route der Welt: Jacopo Larcher wiederholt »Bon Voyage« E12

Der Südtiroler Trad-Spezialist Jacopo Larcher hat James Pearsons »Bon Voyage« (E12) in Annot, Frankreich, wiederholt. Damit sicherte er sich die vierte Begehung der härtesten Trad-Route der Welt.

Die härteste Trad-Route der Welt

Nachdem James Pearson im Februar 2023 die Erstbegehung der Linie gelungen war, verschwieg er seinen Erfolg zunächst für einige Wochen. Mit der Bewertung von Bon Voyage wartete er sogar ganze 10 Monate. Eine Route mit E12 zu bewerten, vor allem dann, wenn dieser Grad noch nicht existent ist, ist eine klare Ansage an die Klettercommunity.
Die Schwierigkeit wurde im Frühling 2024 von den beiden Wiederholen Adam Ondra und Seb Berthe bestätigt. Ondra bezeichnete die Linie damals als eine der besten Routen seiner Karriere und auch wenn sie geboltet wäre, so Ondra, wäre es sicherlich eine solide 9a. 

Drei Jahre Projektarbeit und eine schwierige Schlüsselstelle

Bon Voyage wird oft beschrieben mit »weiten Zügen an guten Griffen und schlechten Tritten«. Sie teilt sich den Start mit Pearsons Klassiker Le Voyage (E10), zieht dann aber nach links über kleine Leisten und fiese Löcher und endet an einer technisch anspruchsvollen Kante. »Ich erinnere mich noch, als James mir zum ersten Mal von Bon Voyage erzählte. Er arbeitete damals noch daran und zeigte mir einige Bilder von diesen perfekten Pockets, die von Le Voyage abzweigen«, erzählt Larcher über die Trad-Perle.

Was für eine verrückte Linie!

Jacopo Larcher

Direkt nach James Erstbegehung machte Larcher sich auf nach Annot um selbst einen Versuch zu wagen. Zwischen 2023 und 2025 investierte er sogar drei Trips in das französische Klettergebiet, bevor er im November 2025 schließlich den Durchstieg schaffte. 

Jacopo Larcher beim Aufwärmen | Bild: Andrea Cossu
Jacopo Larcher beim Aufwärmen | Bild: Andrea Cossu

Eine große Hürde für den Südtiroler, war die bekannte Crux der Linie, der »Mono-Move«. Ein fieses Ein-Finger-Loch, welches man nur mit dem kleinen Finger hält. »Mein kleiner Finger war einfach zu schwach. Ich habe ihn mir verletzt, als ich zum ersten Mal an dem Pocket gezogen hab«, erzählt Larcher. »Ich musste eine alternative Lösung finden, die aber brutal auf die Haut ging und kaum funktionierte.« Nach mehreren Rückschlägen – unter anderem einer Nackenverletzung im Frühjahr – schien das Projekt vorerst gescheitert. Doch nachdem er den Herbst in Europa verbrachte und sich entschied eine geplante Yosemite-Reise abzusagen, kehrte Larcher Mitte November zurück nach Annot. »Vielleicht war es das Training, vielleicht die Motivation im Team«, sagt er, »aber diesmal klappte der Zug plötzlich – und zwar direkt beim ersten Versuch.«

Flow-Zustand beim Durchstieg

Ich konnte dieses Feuer, das normalerweise in mir brennt einfach nicht finden und je mehr ich danach suchte, desto weiter entfernt schien es.

Jacopo Larcher

Nach einigen Tagen intensiven Projektierens fiel alles an einem kühlen Spätnovember-Tag zusammen: »Am 29. November war plötzlich alles im Flow. Jeder Zug fühlte sich leicht an, fast mühelos. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen du komplett im Hier und Jetzt bist.« Gemeinsam mit Freunden, die ebenfalls an der Route arbeiteten, und eine ausgetüftelte Beta fürs Sichern von Mathieu Miquel – er hatte einen Weg gefunden, das Seil so zu führen, dass ein Sturz an der Kante keine Verletzungsrisiken bot – gelang Larcher schließlich der Durchstieg.

2025 sei für ihn ein schwieriges Jahr gewesen, erzählt Jacopo: »Ich hatte viele schöne Erlebnisse, aber beim Klettern lief wenig rund. Ich suchte ständig nach dieser inneren Flamme – und fand sie einfach nicht.« Die Arbeit an Bon Voyage brachte dieses Feuer schließlich zurück: »Dieses Projekt hat mich wieder mit dem Klettern verbunden. Es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Ziele nicht aufzugeben – und wie schön es ist, sie mit Freunden zu teilen.«

Am Ende ist es nur ein Stück Fels – aber was für eine Reise es war. Eine echte Bon Voyage.

Jacopo Larcher

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Credits: Titelbild: Andrea Cossu

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