Fußstein & Pizzo Badile: Martin Sieberer klettert „Ridge2Ridge“ solo und in neuer Rekordzeit

Für den österreichischen Alpinisten endet ein ganz persönliches Projekt: die Überquerung von Fußstein und Pizzo Badile an nur einem Tag – und deren Verbindungen mit dem Rad. Für die Strecke mit rund 6.700 Höhenmetern stellte er einen neuen Speedrekord auf: 23 Stunden und 23 Minuten.

Am 15. August erreichte der Mixed- und Eiskletterspezialist Martin Sieberer um 12:23 Uhr den Gipfel des Pizzo Badile über den Nordgrat. Damit endete sein Solo-Projekt „Ridge2Ridge“ in einem Erfolg und noch dazu in einer neuen Fastest Known Time (FKT). Das Ziel des 38-jährigen Tirolers: zwei der bekanntesten Granitwände der Alpen, Fußstein (3.380 m) und Pizzo Badile (3.308 m), miteinander zu verbinden – inklusive der 273 Kilometer langen Radstrecke dazwischen.

Insgesamt bewältigte Sieberer, der als selbstbezeichneter „alpinistischer Spätzünder“ erst mit 25 Jahren zum Klettersport kam, 6.700 Höhenmeter in seinem Projekt. Dazu gehören auch die Aufstiege über die jeweiligen Normalwege zu den beiden Graten sowie rund 2.900 Höhenmeter mit dem Rad.

Eine Herausforderung, die neben großer Ausdauer vor allem mentale Stärke und ein hohes Maß an Organisation erforderte.

Martin Sieberer
Martin Sieberers Strecke | Bild: Martin Sieberer

„Ridge2Ridge“: Solo-Aktion mit persönlichem Hintergrund

Es ist ein Projekt, das man eigentlich kaum unterschätzen kann: Seit mehreren Saisons hatte Sieberer die Verbindung beider Wände geplant, die für ihn eine ganz besondere Bedeutung haben. „Am Fußstein haben meine Sommerabenteuer begonnen, das ist quasi mein Hausberg“, sagt der 38-jährige Österreicher, der für seine Neuerschließungen bereits zweimal und insgesamt fünfmal für den Piolet d’Or nominiert war. Anders als andere Teams, die am Pizzo Badile starten, entschied sich Sieberer für die entgegengesetzte Richtung und bewusst für einen Weg, der keine Spuren hinterlässt.

Ich wollte die Verbindung zwischen den beiden Bergen möglichst sauber gestaltet – ohne externe Unterstützung und ausschließlich mit dem Gravelbike als Fortbewegungsmittel.

Martin Sieberer

Sein Konzept hatte Sieberer bereits im Vorfeld mit einer Testfahrt von Innsbruck zum Nordgrat des Grundschartners (VI, 700 m) in den Zillertaler Alpen und zurück probiert – insgesamt 13 Stunden. Danach hieß es nur noch warten auf das ideale Wetterfenster, das sich Mitte August nach zwei Schlechtwetterperioden „beinahe im letzten Moment“ ergab, sagt Sieberer.

Martin Sieberer klettert Pizzo Badile und Fußstein innerhalb von 24 Stunden | Bild: Martin Sieberer

23 Stunden 23 Minuten für 6.700 Höhenmeter und 273 Kilometer

Der Startschuss fiel am frühen Nachmittag des 14. August an der Geraer Hütte, von der Sieberer zum Fußstein über die Nordkante aufstieg. Gegen 15 Uhr hatte er die markante Route allein bewältigt, die 14 Seillängen auf 550 Klettermetern Schwierigkeiten bis V/V+ bietet. Nach dem Abstieg über die Südseite fuhr er die fast 300 Kilometer mit dem Rad nach Bondo – 13 Stunden lang, mitten in der Nacht und quer durch Österreich und die Schweiz.

Nach einem Zwischenhalt in Innsbruck erreichte Sieberer über St. Moritz schließlich das Bergell, wo er am 15. August gegen 7:30 Uhr den Aufstieg zur 800 Meter langen Route (Schwierigkeit bis V+) begann. In der Tour machte sich die Ermüdung bemerkbar, doch Sieberer hielt durch und erreichte um 12:23 den Gipfel – an einem der heißesten Tage des Jahres.

Geschafft: Sieberer verband Fußstein und Pizzo Badile in unter 24 Stunden mit dem Rad und zu Fuß | Bild: Martin Sieberer

Dass der 38-Jährige sein Projekt „Ridge2Ridge“ solo anging, war weniger seinem eigenen Wunsch als den Umständen geschuldet: Denn alle möglichen Begleiter waren zu diesem Zeitpunkt mit anderen Projekten beschäftigt. Begleitet wurde er aus der Distanz von zwei Freunden, den Fotografen Max Dräger und Mario Kaeppeli, wobei Dräger ihn nachts auf dem Rad begleitete und wach hielt.

Martin Sieberer: Spezialist in Fels und Eis

Es ist nicht Martin Sieberers erste anspruchsvolle Ein-Tages-Aktion in den Alpen. 2021 beging er die Bonatti Führe an der Nordwand des Matterhorns, die zuvor lediglich achtmal wiederholt wurde, in nur einem Tag. Der international geprüfte Bergführer hat mittlerweile fast 30 Erstbesteigungen in den Alpen und im Karakorum (in Fels und Eis) erfolgreich durchgeführt, davon auch viele freie Begehungen.

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Credits Titelbild: Martin Sieberer

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