48 Gipfel in 29,5 Stunden: Lukas Waldners „Grand Karwendel Integrale“

48 Gipfel, 74 Kilometer und 9.200 Höhenmeter in 29 Stunden und 30 Minuten: Dem Innsbrucker Alpinisten Lukas Waldner gelingt im Karwendel die erste durchgehende Überschreitung der Gleirsch-Halltal-Kette und der Nordkette.

Am 24. und 25. Juli 2026 hat Lukas Waldner im Tiroler Karwendel eine Linie realisiert, die bislang die bislang niemand am Stück gegangen war: die Verbindung der Gleirsch-Halltal-Kette mit der Nordkette. Waldner benötigte für die 74 Kilometer, rund 9.200 Höhenmeter und 48 Gipfel 29 Stunden und 30 Minuten. Beide Ketten wurden nach bisherigem Kenntnisstand ausschließlich einzeln überschritten – eine Kombination in einem Push war hingegen nicht bekannt.

Über dem Inntal: Ein Großteil der 74 Kilometer verläuft in Schrofen- und Schuttgelände hoch über dem Tal. | Bild: Tom Czermak / Mathias Gschwendtner

Zwei Ketten, zwei Charaktere

Die Nordkette prägt die Bergsilhouette direkt über Innsbruck und wird als Überschreitung regelmäßig begangen. Deutlich anspruchsvoller ist dagegen die parallel dahinter verlaufende Gleirsch-Halltal-Kette. Sie führt über weite Strecken auf ausgesetztem, brüchigem und unübersichtlichem Grat mit Kletterstellen bis zum vierten Schwierigkeitsgrad. Nur wenige Seilschaften nehmen sie an einem Tag in Angriff. Zudem liegt der überwiegende Teil der Linie im weglosen Gratgelände und muss kletternd bewältigt werden.

Bilder oben: 48 Gipfel in 29,5 Stunden: Waldner beim klettern, am Gipfelkreuz und während einer kurzen Pause. ; unten: Zweiter Morgen auf der Nordkette: Nach der Nacht am Grat führt die Linie im Sonnenaufgang über Innsbruck weiter Richtung Westen. | Bild: Tom Czermak / Mathias Gschwendtner

Der schwierige Teil bei Tageslicht

Waldner hatte das Projekt über mehrere Jahre verfolgt. Am 24. Juli 2026 startete er um 06:55 Uhr an der Möslalm und begann mit der Gleirsch-Halltal-Kette, vom Hohen Gleirsch bis zum Hundskopf. Der schwierigere Abschnitt war dadurch bei Tageslicht zu bewältigen. Anschließend folgte die Nordkette vom Hochmahdkopf bis zum Großen Solstein, die ihn durch die Nacht und den zweiten Vormittag führte. Am 25. Juli um 12:25 Uhr erreichte Waldner wieder die Möslalm. Unterwegs war er überwiegend allein, lediglich auf einzelnen Teilabschnitten wurde er begleitet und an Verpflegungspunkten unterstützt.

Die Linie der Grand Karwendel Integrale: Start und Ziel an der Möslalm, zuerst die Gleirsch-Halltal-Kette, dann zurück über die Nordkette. | Bild: Tom Czermak / Mathias Gschwendtner

Ein starkes Jahr für Waldner

Lukas Waldner, Jahrgang 2001, ist Alpinist und Athlet aus Innsbruck und auf schnelle, technisch anspruchsvolle alpine Projekte spezialisiert. Im Oktober 2025 gelang ihm die Erstbesteigung des Kimshung (6.781 m) in Nepal. Im Januar 2026 realisierte er gemeinsam mit Martin Sieberer die erste Winterbegehung des „Schutzengelweg“ in der Sagwandspitze-Nordwand in Tirol. Diese Begehung gilt ebenfalls als die erste bekannte Wiederholung der Route seit 34 Jahren. Im März 2026 durchstieg er gemeinsam mit Philipp Brugger erstmals alle drei Nordwandpfeiler des Piz Palü an einem Wintertag.

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Credits: Titelbild: Tom Czermak / Mathias Gschwendtner

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