Bettwanzen auf der Hütte? Präventionstipps für Wanderer

Bettwanzen werden häufig von Ort zu Ort verschleppt – das gilt auch in den Bergen. Die Alpenvereine geben Tipps, wie Wanderer die Verbreitung zwischen den Hütten verhindern können.

Sie gehören zu den ungeliebten »Mitwanderern« am Berg: Bettwanzen sind nur 1 bis 8 mm groß und können unbemerkt über Gepäck, Kleidung oder Ausrüstung von Hütte zu Hütte übertragen werden. Derzeit erlebt die Spezies ein regelrechtes Comeback – auch in den Hütten der Alpenvereine.

Um die Verschleppung von Bettwanzen möglichst zu reduzieren, startet der Österreichische Alpenverein (ÖAV) gemeinsam mit den Alpenvereinen in Deutschland und Südtirol eine Infokampagne zum Thema.

Sind Bettwanzen gefährlich?

Die Bett- oder Hauswanze (Cimex lectularius) überträgt zwar keine Krankheitserreger, aber ihre Bisse können Reaktionen wie Juckreiz oder manchmal rote Quaddeln und Blasen auslösen. Ein großes Problem bei Bettwanzen ist ihre rasche räumliche Ausbreitung. Ist ein Gebäude einmal betroffen, gilt es einer Massenvermehrung schnell zuvorzukommen.

Der Hygienestandard der Unterkunft spielt bei der schnellen Ausbreitung kaum eine Rolle – vom Nobelhotel bis zur einfachen Herberge oder alpinen Schutzhütte kann jedes Gasthaus betroffen sein, so der ÖAV.

Woher kommen Bettwanzen?

Das Auftreten der Bettwanzen hat viele Gründe. Dazu gehören zum einen die zunehmende Sensibilität der Menschen gegenüber verschiedenen Pestiziden, aber auch die Abkehr von einer flächendeckenden Ausbringung und Verräucherung von Insektiziden.

Ein anderer Grund liegt in der hohen Mobilität unserer heutigen Gesellschaft: Häufige Urlaubs- und Geschäftsreisen, die Globalisierung der Wirtschaft, mehr Umzüge von Hausrat sowie der Kauf von Secondhand-Möbeln begünstigen die Verbreitung von Bettwanzen erheblich. In den Bergen entsteht das größte Risiko, wenn Menschen von Hütte zu Hütte unterwegs sind.

Schlafplatz im Matratzenlager (Symbolfoto) | Bild: Alpenverein/Carolin Scharfenstein

Wie erkenne ich Bettwanzen?

Bettwanzen sind zwar klein, aber mit dem bloßen Auge erkennbar. Weitere Anzeichen neben den Tierchen selbst:

  • Häutungsreste
  • Kotspuren (kleine schwarze Punkte)
  • Winzige Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafsäcken (durch das Zerdrücken der Tiere)
  • Bisse am eigenen Körper (meist mehrere nebeneinander)

Wichtig: Sichtungen umgehend dem Hüttenpersonal melden!

Tipps gegen Bettwanzen beim Wandern

  • Kleidung bei mindestens 40 °C waschen oder alternativ drei Tage bei -18 °C einfrieren
  • Wäsche unterwegs in fest verschließbaren Beuteln aufbewahren (v.a. getragene Wäsche, um Wanzen nicht durch den Körpergeruch anzulocken)
  • Rucksack immer gut verschließen und in größtmöglicher Entfernung zum Schlafplatz aufbewahren
  • Gepäck vor und nach der Tour auf Befall kontrollieren, idealerweise durch Ausschütten in Badewanne oder Dusche

Einige Hütten haben eigene Präventionsmaßnahmen gegen Bettwanzen eingeführt und informieren bei der Reservierung oder auf ihrer Website darüber. So kann beispielsweise vorgeschrieben sein, dass keine eigenen Hüttenschlafsäcke verwendet werden dürfen.

Bettwanzen als Wanderbegleiter? Alpenvereine geben Tipps zur Prävention und Erkennung | Bild: Alpenverein/Simon Schöpf

Alpenverein: Aufklärung und Früherkennung entscheidend 

Für Hüttenwirte und die hüttenbesitzenden Sektionen bedeuten Bettwanzen hohe Kosten und großen Aufwand – auch weil Fachfirmen zur Bekämpfung herangezogen werden müssen. Je früher ein Befall erkannt wird, desto gezielter kann er behandelt werden. Dabei helfen neben Expertinnen und Experten auch spezielle Spürhunde, die die Wanzen erschnüffeln.

Um regionsübergreifend aufzuklären, will der ÖAV gemeinsam mit Alpenvereinen in Deutschland und Südtirol das Thema enttabuisieren. »Wir halten es nicht für zielführend, einzelne betroffene Hütten an den Pranger zu stellen. Ein Befall kann jeden Beherbergungsbetrieb treffen« erklärt Carolin Scharfenstein von der Abteilung Hütten und Wege im ÖAV.

Ein bewusster Umgang mit dem Thema trägt wesentlich dazu bei, Gäste zu sensibilisieren und Hütten besser zu schützen. Wegschauen ist beim Thema Bettwanzen keine Lösung.

Carolin Scharfenstein (ÖAV)

2025 erhielt der ÖAV fünf Verdachtsmeldungen bei insgesamt 223 Hütten. Besteht ein erster Verdacht, starten umgehend alle wichtigen Maßnahmen – darunter eine sofortige professionelle Bekämpfung, die Information der Hüttengäste und ein Monitoring. Unabhängig von einem Befall schulen die Alpenvereine ihre Hüttenwirtsleute und stellen Infomaterial für Gäste und Vereinsmitglieder.

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Credits Titelbild: Alpenverein/Norbert Freudenthaler

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