Kurz vor dem Rock Master in Arco, wo er seinen Titel im Bouldern zu verteidigen gedenkt, hat Yannick Flohé im Val Daone „Flow State“ (8C) geflasht. Nach „Foundation’s Edge“ (8C) ist es sein zweiter Flash in diesem Grad – und laut dem deutschen Profikletterer der deutlich härtere.
Ein Tag im Val Daone, ein Versuch
Im Val Daone war Flohé zuvor nie geklettert. Den Abstecher ins Trentiner Granitgebiet legte er als Kurztrip direkt vor den Rock Master, der vom 2. bis 4. Oktober in Arco stattfindet. „Flow State“ hatte er sich gezielt als Flash-Projekt ausgesucht. Rund drei Stunden studierte Flohé Züge und Griffe – dann stieg er ein und kam im ersten Versuch durch.

Vom 8C+-Projekt zum 8C-Testpiece
Pietro Vidi gelang am 17. April 2024 die Erstbegehung von „Flow State“, er schlug 8C+ vor. Damals kommentierte er „Perfekter Boulder. Fühlte sich definitiv viel schwieriger an als alle 8C-Routen, die ich bisher geklettert bin, aber sicher einfacher, wenn man größer ist.“ auf Vertical Life. Im August 2024 wiederholte Adam Ondra als erster den Boulder, stimmte dem Grad aber nicht ganz zu: „8C+ if you are short for sure!“. Nach aktuellem Stand gilt 8C als Konsensgrad. Die Linie führt durch ein steiles Granitdach und verlangt vor allem Kraftausdauer. Laut Flohé teilt sich der erste Teil die Crux mit „Grizzly“ (8A+), danach verbindet sie über „Flow“ (8B+) durch das gesamte Dach.
Mein zweiter Flash in diesem Grad und definitiv der härteste bis jetzt.
Yannick Flohé
Beta per Textnachricht
Eigentlich hatte Flohé ein recht geradliniges Testpiece mit guten Griffen erwartet. Am Block angekommen, sah der erste Teil aber doch deutlich kniffliger aus. „Ich habe stundenlang Betas angeschaut und mit Adam geschrieben, der mich durch alle Varianten geführt hat: Vor- und Nachteile jeder Beta, worauf ich mich konzentrieren muss und welche Schuhe am besten funktionieren.“ kommentiert Flohé nach der Begehung.

Für den zweiten Teil gibt es nur eine gängige Beta. Die Schwierigkeit liegt dort im Zusammensetzen: Auf den vermeintlich leichten Zügen darf kaum Energie verloren gehen. Ein Freund von Flohé kletterte zusätzlich die unteren Züge aus. Mit diesen Informationen und den Beta Tipps von Adam Ondra rechnete sich Flohé eine Chance aus, sofern er es bis zur letzten Crux schaffen würde.
Drei Stunden bis zum Versuch
Nach rund drei Stunden Visualisieren zogen Wolken auf, es wurde feucht. Der Zeitpunkt war damit gesetzt. „Ich bin flüssig durch den 8A+-Teil geklettert und kam an den guten Rastpunkt. Ich habe nachgechalkt, ein paar Sekunden geschüttelt und dann beim letzten großen Zug zum abschüssigen Henkel alles gegeben. Entscheidend ist, den Fuß auf einem schlechten Reibungstritt zu halten, um den Schwung zu kontrollieren. Ich habe ihn gerade so gehalten, obwohl ich den Griff total verfehlt habe und nachgreifen musste, bevor ich zum letzten Henkel greifen konnte“, beschreibt Flohé sein Flash-Go.

Der erste 8C-Flash liegt gut ein Jahr zurück
Im Juli 2025 hatte Flohé „Foundation’s Edge“ von Dave Graham in Fionnay geflasht. Der erste Flash im Grad 8C überhaupt. „Flow State“ ordnet er klar darüber ein: „Mein zweiter Flash in diesem Grad und ganz sicher mein bisher härtester“, sagt Flohé in der Pressemitteilung.
Nächstes Ziel: der erste 8C+-Flash?
Flashen nennt Flohé „ein interessantes Spiel“: wenig zu verlieren, viel zu gewinnen – vor allem in neuen Gebieten, in denen jeder Block ein potenzieller Flash ist. Der nächste Schritt liegt auf der Hand. „Es gibt noch den ersten 8C+-Flash. Die Optionen werden allerdings etwas knapp, weil ich die meisten 8C+ zumindest in der Schweiz schon geklettert oder probiert habe. Aber es gibt definitiv etwas, das ich für die nahe Zukunft im Auge habe.“ Welcher Boulder das ist, verrät er nicht. Zunächst geht es für Flohé an diesem Wochenende zum Rock Master nach Arco – mit dem Flash von „Flow State“ als klarer Motivationsboost.
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