Während in Salzburg junge Menschen beim Klimastreik auf die Straße gehen, stellt sich der Österreichische Alpenverein hinter seine Jugend: Das geplante Klimagesetz brauche verbindliche Konsequenzen, sonst bleibe es wirkungslos.
Klimastreik und Hauptversammlung in derselben Stadt
Am heutigen Freitag gehen in ganz Österreich junge Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße, auch in Salzburg. Dort kommt an diesem Wochenende auch der Österreichische Alpenverein zu seiner jährlichen Hauptversammlung zusammen. Bei der Pressekonferenz stellten Präsident Wolfgang Schnabl und Elke Bernhard von der Alpenvereinsjugend eine grundsätzliche Frage: Wie wollen wir im Jahr 2050 leben – und welche Rolle spielen Natur, Gemeinschaft und die Alpen dabei?
Beim Klimagesetz schließt sich der Gesamtverein der Forderung seiner Jugend nach mehr Verbindlichkeit an.
210.000 Mitglieder unter 30
Mit 748.000 Mitgliedern ist der Alpenverein der größte alpine Verein Österreichs. 210.000 davon sind jünger als 30 Jahre – das macht ihn zugleich zur größten Jugendorganisation des Landes. Entsprechend deutlich formuliert Elke Bernhard, Mitglied der Bundesjugendleitung der Alpenvereinsjugend, bei der Pressekonferenz ihre Erwartung: „[Junge Menschen im Alpenverein] wollen nicht nur hören, welche Welt uns einmal hinterlassen wird. Sie möchten mitentscheiden, wie sie aussieht. Um die Auswirkungen der Klimakrise einzudämmen, braucht es jetzt endlich Entschlossenheit seitens der Politik.“
Klimaneutral 2040 – aber ohne Sanktionen
Konkret geht es um das lange geforderte Klimagesetz, dessen Entwurf sich derzeit in Begutachtung befindet. Positiv sei, dass er eine Willensbekundung zur Klimaneutralität 2040 enthalte, sagt Bernhard. Der Knackpunkt: Für den Fall, dass Ziele verfehlt werden, fehlen verbindliche Konsequenzen. Ohne sie sei das Gesetz wirkungslos.

Neu ist die Forderung nicht. Schon im Herbst 2025 wandte sich die Alpenvereinsjugend gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen und der Bundesjugendvertretung in einem offenen Brief an Bundesminister Norbert Totschnig. Seitdem hat das Bündnis Gespräche mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus der Politik geführt. Zum vorliegenden Entwurf will es nun eine Stellungnahme abgeben.
Gletscher, Risiken, leere Quellen
Wie der Klimawandel die Berge bereits verändert, hatten die alpinen Vereine erst Ende September bei den Internationalen Bergtagen in Wien aufgezeigt: Gletscherschwund, steigende alpine Risiken, Wasserknappheit auf Hütten und Veränderungen an Wegen und Routen. Wer diesen Sommer auf einer Alpenvereinshütte übernachtet hat, kennt Teile davon aus erster Hand – manche Hütten mussten die Klospülung abstellen und Wasser mit Kübeln schöpfen, wie die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt.
Für Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl steht damit mehr auf dem Spiel als einzelne Hütten oder Routen: „Die Alpen sollen auch in Zukunft ein wertvoller Natur-, Lebens- und Erholungsraum bleiben, der für alle zugänglich ist. Gerade diesen Sommer mit Temperaturen über 40 Grad und beispielloser Trockenheit haben wir gesehen, dass all das auf dem Spiel steht“, so Schnabl bei der Pressekonferenz in Salzburg.

Klimaneutral bis 2033
Der Verband nimmt sich dabei selbst in die Pflicht. Mit seiner eigenen Klimastrategie will der Alpenverein bis 2033 klimaneutral werden – sieben Jahre vor dem Ziel, das der Gesetzesentwurf für ganz Österreich formuliert. Als Beispiele nennt Schnabl Sektionen, die in den Bereichen Mobilität, Veranstaltungen und Energieversorgung bereits einen Beitrag leisten.
Ohne Ehrenamt kein Wegenetz
Mit Blick auf 2050 geht es Schnabl aber um mehr als Klimapolitik. Das Motto der Hauptversammlung lautet „Lebensqualität & Vielfalt gestalten“, im Zentrum steht die Zivilgesellschaft. Fast 15.000 Ehrenamtliche engagieren sich in ihrer Freizeit für den Alpenverein. Dazu kommen mehr als 10.000 Freiwillige, die bei Veranstaltungen und einzelnen Projekten helfen. Der Grund für den Fokus ist naheliegend: Ohne dieses Engagement gäbe es laut Alpenverein weder das dichte Wegenetz noch Jugendgruppen, Ausbildung, Naturschutzarbeit oder das Vereinsleben in den Sektionen.
Die Verantwortung will Schnabl damit ausdrücklich nicht von der Politik auf die Einzelnen verlagern: „Eine starke Zivilgesellschaft heißt nicht, dass politische Verantwortung auf den Einzelnen abgeschoben werden soll. Politik schafft den Rahmen. Eine starke Zivilgesellschaft füllt ihn mit Leben, denn Zukunft passiert nicht einfach – wir müssen sie gestalten.“
Nächster Schritt: die Stellungnahme
Wie viel Verbindlichkeit am Ende im Klimagesetz steht, entscheidet sich im weiteren Verfahren. Das Bündnis der Jugendorganisationen bringt seine Stellungnahme ein – und die Alpenvereinsjugend weiß dabei nun den Gesamtverband mit seinen 748.000 Mitgliedern hinter sich.
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