Am Heiligkreuzkofel in den Dolomiten haben Simon Gietl und Alexander Huber eine neue Route erschlossen: Die beiden kletterten »Apassionata« klassisch von unten und ohne Bohrhaken.
Die neue Linie fügt einen direkten Einstieg zur bestehenden Tour »Loss lei heb schun« (erstbegangen 2003 durch Heli Gargitter & Renato Botte) am Heiligkreuzkofel hinzu. »Apassionata« (9+) folgt einer markanten Steilwandpassage, an der bisher noch keine anderen Kletterrouten verlaufen – laut Simon Gietl eine der letzten offensichtlichen Linien in diesem Wandbereich.
Diese Linie hatte ich schon lange im Kopf. Sie wirkte herausfordernd und elegant zugleich.
Simon Gietl
Erschließung von unten ohne Bohrhaken
Um diese letzte Linie zu befreien, hat sich Simon Gietl mit Alexander Huber zusammengetan. Beide waren diesen Sommer bereits gemeinsam mit Dani Arnold für eine alpine Erstbegehung am Jirishanca (6.094 m) unterwegs. «Mit Alexander hatte ich den idealen Seilpartner für dieses Projekt», erzählt Gietl.
Beiden gelang es Ende August, die Linie am Heiligkreuzkofel (2.907 m) im klassischen Stil von unten zu erschließen – vollständig ohne Bohrhaken. Sie eröffneten »Apassionata« technisch und teils frei, stets der logischen Linie durch den überhängenden, kompakten Fels folgend. Im oberen Bereich verbindet sich die Neuroute mit der Originaltour von 2003.
Die Fakten zur Route
- Name: Apassionata
- Erstbegehung: Simon Gietl & Alexander Huber, 25. August 2025
- Schwierigkeiten (Seillängen): 7-, 9+, 8-, 9-/9, 8+, 2, 7-
- Absicherung: 14 Expressschlingen, 1 Satz Totem Cams
- Zustieg: über die Gabloner Route, dreimaliges Abseilen. Über ein breites Band und eine leichte Querung zum Einstieg.
- Charakter: Kompakter, meist überhängender Fels. Technisch anspruchsvoll, aber durchgehend logisch.
Nicht der erste Begehungsversuch
Der Südtiroler Gietl und der Oberbayer Huber sind nicht das erste Duo, das versucht hat, die Linie ohne Bohrhaken anzugehen. Jahre zuvor hatten sich auch Heli Gargitter und Pauli Trenkwalder dem Projekt angenommen. Bei einer gründlichen Abseilaktion entlang der möglichen Linie entschieden beide jedoch, dass ein freier Durchstieg hier nicht realistisch ist. Zu glatt, zu abweisend erschien die Wand – aus Respekt ließen beide das Projekt unberührt.
Auch die erfolgreiche Begehung durch Simon Gietl und Alexander Huber verlief nicht ohne Komplikationen. Ein erster Rotpunkt-Versuch am 15. August musste wegen einer Verletzung von Gietl abgebrochen werden. Zehn Tage später stiegen beide Kletterer die gesamte Route von unten gemeinsam durch.

Eine Linie, die für gemeinsame Werte steht
Mit ihrer Rotpunktbegehung im klassischen Stil und den bewussten Verzicht auf Bohrhaken stellen Simon Gietl und Alexander Huber einmal wieder ihre klare ethische Haltung unter Beweis. Gietl hofft, dass die Neutour gerade deshalb Generationen von Kletterern verbindet – «durch gemeinsame Werte und die Leidenschaft für den reinen Stil». Besonders freute es das Duo, dass auch Heli Gargitter und Pauli Trenkwalder zur Begehung gratulierten.
Apassionata steht symbolisch für den respektvollen, traditionsbewussten Zugang zum Klettern.
Simon Gietl
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Credits Titelbild: Felix Bub





