Die beiden italienischen Alpinisten Matteo Della Bordella und Marco Majori triumphierten am 7. September auf dem Gipfel des Cerro Chaltén – besser bekannt als Fitz Roy. Um 14:30 Uhr verkündeten sie, nur kurz nach Colin Haleys erstem Winter-Solo am benachbarten Cerro Torre, die erste Winterbegehung des majestätischen 3.405 Meter hohen Berges über die Casarotto Route.
Nur wir zwei – Marco und ich – jagen dieser verrückten Idee nach, den Fitz Roy im Winter über seine eleganteste Linie zu besteigen.
Matteo Della Bordella
Der imposante Fitz Roy
Der Cerro Chaltén oder auch Monte Fitz Roy erhebt sich am der Grenze zwischen Argentinien und Chile. Er liegt im südlichen Patagonischen Eisfeld in der Nähe von El Chaltén. Der Argentinier Francisco Moreno nannte den Berg »Fitz Roy« zu Ehren von Robert FitzRoy , der große Teile der patagonischen Küste kartiert hatte. Erstbestiegen wurde er 1952 von den Franzosen Lionel Terray und Guido Magnone.

Der Fitz Roy ist eine extreme Herausforderung für Kletterer und die bekannte Fitz Roy Traverse gilt als eine der schwersten alpinen Herausforderungen der Welt. 1979 eröffnete der Italiener Renato Casarotto den Goretta-Pfeiler – eine der schwierigsten Alpinrouten Patagoniens – im Alleingang.

Eisige Winde und gefrorene Risse: Der patagonische Winter
Der Goretta-Pfeiler folgt dem Nordpfeiler des Cerro Chaltén. Die Linie besteht aus 35 Seillängen, ist insgesamt 1.250 Meter hoch und beinhaltet Schwierigkeiten bis 5.11b. Im Sommer ist sie eine alpine Herausforderung, im Winter machen patagonische Winde, mit Eisregen gefüllte Risse und sehr kurze Schön-Wetterfenster den Goretta-Pfeiler zu einem echten Härtetest. Der Winter in Patagonien vergibt nichts, es herrscht extreme Kälte und es gibt keine Unterstützung von außen.
Für das italienische Team war es die aller erste Winterexpedition in Patagonien. Matteo Della Bordella hat zwar mit Fünf Begehungen einige Erfahrungen am Cerro Chaltén gesammelt, jedoch wusste auch er nicht, was ihn bei einer Winter Expedition erwarten würde.
Vision wird Realität
Am 5. August kamen Della Bordella und Majori in El Chaltén an und nur zwei Tage später witterten sie ihre erste Chance. Sie schafften es auch tatsächlich die erste Hälfte des imposanten Pfeilers hinauf, ehe heftige Winde sie zum Rückzug zwangen. Das schöne Wetterfenster war einfach zu kurz. Della Bordella spricht von »Kälte, Müdigkeit und absoluter Einsamkeit, die gleichzeitig berauschend war.«


Die nächste Hürde der Seilschaft war nun Geduld, denn das Wetter wollte bis Ende August keinen weiteren Versuch zulassen. Fast einen Monat dauerte es, bis die beiden Italiener erneut am Fuß des Pfeilers standen. Am 5. September meisterten sie die ersten gemischten Seillängen und schlugen ihr Biwak am Bloque Empotrado auf. Tags darauf nahmen sie den steilen Pfeiler in Angriff und verbrachten die Nacht auf einem exponierten Schneefeld. Am 7. September schließlich war es so weit: Überglücklich erreichten sie den Gipfel des Fitz Roy und schlossen sich in die Arme.
Ich schreibe Worte, die nicht meine sind, denn ich schwöre, dass ich noch keine habe. Danke reicht nicht aus!
Marco Majori auf Instagram
In drei Tagen schrieben die beiden Alpinisten Geschichte in Patagonien. Selbst im Sommer sind die endlosen Risse des Fitz Roy eine echte Herausforderung. Sich dieser im Winter zu stellen ist eine beeindruckende Leistung.

Das könnte dich interessieren:
- Colin Haley klettert Goretta-Pfeiler am Fitz Roy solo im Alpinstil
- Verrückte Skiabfahrten in Patagonien | Filmtipp «Painting the Mountains»
+++
Credits: Titelbild: Matteo Della Bordella

