Laura Tiefenthaler erfolgreich in Patagonien

Die österreichische Alpinistin Laura Tiefenthaler macht in Patagonien das Beste aus den kurzen Schönwetterfenstern. Zusammen mit Seilpartner Thomas Bukowski kletterte sie Anfang Jahr in einem 70-Stunden-Marathon die Route El Corazón in der Ostwand des Fitz Roy. Vor kurzem wiederholte sie mit Tad McCrea in einem 35-Stunden-Push die Potter-Davis in der Nordwand des Aguja Poincenot.

Als sich Anfang Jahr ein kurzes Wetterfenster ankündigte, zögerten Laura Tiefenthaler und Thomas Bukowski nicht lange. Aufgrund der unsicheren Prognose entschieden sie sich für die Ostwand des Cerro Chaltén, aus welcher Rückzüge verhältnismässig gut möglich sind. «Zudem wählten wir diese Exposition, um vom Wind geschützt zu sein und trockene Bedingungen vorzufinden», so die Bergführerin und Alpinistin aus Innsbruck.

Durch die gewaltige Ostwand des Fitz Roy führt die Route El Corazón von Kaspar Ochsner und Michal Pitelka aus dem Jahr 1992. Bild: Laura Tiefenthaler und Thomas Bukowski.
Durch die gewaltige Ostwand des Fitz Roy führt die Route El Corazón (1250m 45˚ 6c A3 M) von Kaspar Ochsner und Michal Pitelka aus dem Jahr 1992. Bild: Laura Tiefenthaler und Thomas Bukowski.

Dies ist zweifellos die größte Klettertour, die ich in dieser Gegend unternommen habe, und sie fand in einem Zeitfenster statt, in dem kaum gutes Wetter herrschte.

Laura Tiefenthaler

Unerwarteter 72 Stunden Marathon

Das Duo startete um 6 Uhr in der Früh vom Paso Superior aus. Zwei Stunden später hatten sie den Bergschrund überwunden, jedoch Mühe, den Einstieg zu finden. «Wir sahen den Riss, auf den wir es abgesehen hatten, aber wir konnten ihn nicht erreichen.»

Nach drei Fehlstarts fanden sie dann gegen 13 Uhr endlich die richtige Linie und konnten losklettern. «Ich war glücklich und auch etwas stolz, als wir um acht Uhr am Abend zwölf Seillängen geschafft hatten.»

Die Bedingungen im unteren Teil seien gut gewesen, erinnert sie sich. «Die Risse waren zwar teilweise nass, jedoch nie vereist.» Das Aquarian Roof machte seinem Namen alle Ehre. «Dank» der kalten Dusche zitterte die Innsbruckerin fortan an jedem Stand.

Glücklicherweise war ich zu dem Zeitpunkt, als wir um 00.30 Uhr unseren Biwi-Platz erreichten, schon fast wieder trocken.

Laura Tiefenthaler
Ein einsgespieltes Team: Laura Tiefenthaler und Thomas Bukowski.
Ein einsgespieltes Team: Laura Tiefenthaler und Thomas Bukowski.

Um 3 Uhr in der Früh erreichten sie den Gipfel und machten sich dann zugleich ans Abseilen. «Nachdem es uns an den langen überhängenden Abseilstellen dreimal ein Seil verklemmte, mussten wir eines unserer Seile kappen.»

Gegen sieben Uhr am Abend erreichten sie endlich ihr Camp am Paso Superior. Die Vorfreude auf das dort deponierte Essen und eine Mütze Schlaf war riesig. Doch sollte es nicht soweit kommen.

Unser Zelt hatte fliegen gelernt und war weg, weggeweht.

Laura Tiefenthaler

So blieb ihnen nichts anderes übrig, als bei starkem Wind und Regen den Weg zurück nach El Chaltén anzutreten. So dauerte ihr ihr «kleiner Ausflug» insgesamt 70,5 Stunden. «Disaster-Mode in Reinform», resümiert Laura Tiefenthaler. Trotz, oder vielleicht gerade wegen solcher Eskapaden, gefalle ihr das Leben hier in Patagonien so gut. «Einfach pures Klettern.»

Auf den Spuren von Dean Potter und Stephanie Davis

Mitte Januar machte sich die Innsbruckerin, diesmal zusammen mit Tad McCrea, zu einem neuen Abenteuer auf. Diesmal stand die Dean-Potter (400m 75˚ 7a C1) in der Nordwand der Aguja Poincenot auf dem Programm.

Laura Tiefenthaler und Tad McCrea
Gemeinsam mit Tad McCrea wiederholt Laura Tiefenthaler in der Poincenot-Nordwand die anspruchsvolle Dean-Potter-Route.

Die Route, welche das amerikanische Kletterpaar Dean Potter und Stephanie Davis im März 2001 eröffnete, kletterten Tiefenthaler und McCrea in einem Zug: 35 Stunden ab El Chaltén und wieder zurück.

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Credits: Titelbild Laura Tiefenthaler

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