Nachruf auf Laura Dahlmeier: Olympiasiegerin und Alpinistin 

Sie war eine der erfolgreichsten Biathletinnen, ambitionierte, alpine Allrounderin, Bergführerin und Sportwissenschaftlerin mit dem Herz in den Bergen. Wir trauern um eine Kämpferin, die in im Karakorum tödlich verunglückt ist.  

Love the life in the mountains all over the world.

Laura Dahlmeier

Am 28. Juli 2025 befand sich die 31-jährige Laura mit ihrer Seilpartnerin Marina Krauss im Abstieg vom Gipfel des Laila Peak (6.069 m). Während eines Abseilmanövers auf 5.700 Metern wurde sie von einem Steinschlag erfasst. Krauss setzte sofort einen Notruf ab und versuchte über Stunden selbst zu Laura vorzudringen, was aufgrund des anhaltenden Steinschlags und des steilen Geländes nicht möglich war. In den Nachtstunden konnte sie kein Lebenszeichen mehr von Laura Dahlmeier wahrnehmen und entschied sich zum Rückzug aus der Gefahrenzone. 

Leila Peak Pakistan Gipfelwand
Blick in das steile Gelände am Leila Peak – Aufnahme von 2022; Foto: Thomas Taubmann

Zwei Tage lang versuchten Rettungskräfte vor Ort die Athletin zu bergen. Auf Grund der Abgeschiedenheit des Gebiets konnten Rettungshubschrauber die Unfallstelle erst am Dienstagmorgen erreichen und schafften es nicht zu Dahlmeier vorzudringen. Am Mittwoch unternahm eine Rettungsmannschaft aus vier Bergsteigern – unter ihnen Thomas Huber – und zwei Bergträgern in zwei Teams einen weiteren Versuch Laura zu retten, jedoch blieb auch dieser erfolglos. Am 30. Juli wurde bekanntgegeben, dass Laura Dahlmeier am Laila Peak tödlich verunglückt ist.  

Dahlmeiers Management meldete außerdem, dass es ihr ausdrücklicher Wunsch war, ihren Leichnam im Falle eines tödlichen Unfalls am Berg zurück zu lassen. Dahlmeier wollte nicht, dass jemand sein Leben riskierte, um sie zu bergen. Ihre Angehörigen bitten darum, Lauras letzten Wunsch zu respektieren.

Sie ist an einem Ort gestorben, der für sie Zuhause bedeutete: in ihren geliebten Bergen.  

Ein Kind der Berge 

Laura wuchs am Fuß des höchsten Bergs Deutschlands, der Zugspitze, auf. «Hier fühle ich mich zu Hause», schreibt sie in ihrem Buch und erzählt von Almwiesen, Gipfeln und Felswänden, die ihre Kindheit prägten. Ihre Eltern waren ebenfalls immer schon sportlich unterwegs und so wuchs sie zwischen Bergtouren und Mountainbike-Strecken auf.  

Ich bin in den Bergen aufgewachsen, Bergsteigen, Klettern und Skibergsteigen bzw. Skifahren gehörten schon immer zu meinem Leben dazu.

Laura Dahlmeier «Wenn ich was mach, mach ich’s gscheid»
Blick auf die Zugspitze in Garmisch-Patenkirchen | Bild: Adobe Stock
Blick auf das Bergpanorama in Garmisch-Patenkirchen | Foto: Adobe Stock

Biathlon-Star und Ausnahmeathletin 

Als Wintersportlerin eroberte Laura die Weltbühne: Sie begann bereits im Alter von sieben Jahren mit dem Biathlon und startete früh für den SC Partenkirchen. Ihre ersten Erfolge feierte sie 2013 bei den Juniorenweltmeisterschaften in Obertilliach, wo sie drei Goldmedaillen gewann und damit ihre beeindruckende Karriere einleitete.  

Ich werde oft auf meine frühe Leistungssportphase angesprochen und fast bemitleidet, dass ich das schon so jung machen musste. Aber ich musste gar nichts – mir hat das Spaß gemacht! Und ich würde es genauso wieder tun.

Laura Dahlmeier

In den folgenden Jahren etablierte sie sich schnell in der Weltspitze. In der Saison 2016/17 gewann sie den Gesamtweltcup und holte bei der WM in Hochfilzen fünf Medaillen – darunter drei goldene.  

2018 erreichte sie bei den olympischen Winterspielen den Höhepunkt ihrer Biathlon-Karriere: Sie gewann zweimal olympisches Gold: im Sprint und in der Verfolgung.  

Ich wusste nur, ich hatte mein großes Ziel verwirklicht, und mehr als einen Olympiasieg konnte ich im Biathlon eigentlich nicht mehr erreichen.

Laura Dahlmeier

Insgesamt wurde sie siebenfache Weltmeisterin, gewann zwei olympische Goldmedaillen sowie eine Bronzemedaille im Einzel. In ihrer Karriere sammelte sie 33 Weltcupsiege (20 Einzelsiege) und stand 55 Mal auf dem Podest. 

Nach dem Erfolg – Freiheit 

Nach ihrem Olympiasieg wurde sie nachdenklich, schrieb sie selbst in ihrem Buch «Wenn ich was mach, mach ich’s gscheid». Sie war ganz oben angekommen und stellte sich die Frage, ob das Feuer noch so sehr brannte wie zuvor. Laura Dahlmeier trat noch eine letzte Saison lang an und verließ die Szene 2019 mit einem letzten Weltcup in Östersund.  

Ich betreibe Bergsport nicht als Leistungssport. […] Ich brauche meine Freiheit, denn ich habe noch so viel zu entdecken. 

Laura Dahlmeier

Laura war bekannt für ihren Abenteuergeist, ihre bewussten Entscheidungen und ihren Respekt vor den Bergen. Immer wieder fand sie herausfordernde Projekte – oder diese Projekte fanden sie – und immer wieder nahm sie das Abenteuer an. So beging sie unter anderem das «Zugspitz-Quattro», suchte sich eine Abfahrt von der Zugspitze ins Höllental, kletterte die Directe Amércaine an der Petite Dru, bestieg gemeinsam mit den Huber-Brüdern den Mont Blanc über den Brouillard Pfeiler und setzte einen Speed Rekord der Damen an der Ama Dablam. 

Immer wieder betonte Laura, dass die Berge für sie Freiheit bedeuten. Sie beschrieb das Gefühl, wie es sie in den Fingern juckte und wie sie von der Abenteuerlust gepackt wurde. Gleichzeitig wusste sie auch zu jedem Zeitpunkt ganz genau welche Gefahren in den Bergen lauerten und welche Risiken sie mit jeder Tour einging. Ein ganzes Kapitel ihres Buches widmete sie diesem Thema.  

In den Bergen unterwegs zu sein bedeutet für mich einfach die pure Freiheit. Und das Schönste, das ich mir vorstellen kann, ist, wenn ich mit lieben Menschen draußen am Berg bin. Dann bin ich vollkommen zufrieden. Das ist für mich das pure, echte Leben. Und ich bin nicht bereit dazu, das aufzugeben, nur um jedes Risiko maximal zu minimieren.

Laura Dahlmeier

Ein Verlust für die Welt des Bergsports 

Lauras reflektierte, willensstarke und selbstbestimmte Persönlichkeit wird allen Freund*innen, Fans und allen Menschen, die ein Stück ihres Weges mit ihr gehen durften, in Erinnerung bleiben. Ihr Talent, Situationen ruhig und ohne Panik abzuwiegen und intelligente, sicherheitsbewusste Entscheidungen zu treffen, war bemerkenswert und sie ist zu früh am Berg geblieben. Sie wird uns fehlen, nicht als Athletin, sondern als Mensch, der die Freiheit und Schönheit der Berge liebte. 

Die gesamte Redaktion von Lacrux.com möchte Lauras Familie, ihren Freundinnen und Freunden sowie ihrer Seilpartnerin, die dieses Unglück hautnah miterleben musste, unser tiefes Beileid aussprechen. Wir wünschen euch allen alle Kraft der Welt in dieser traurigen Zeit. 

Laila Peak im Karakorum | Bild: Adobe Stock
Laila Peak im Karakorum | Foto: Adobe Stock

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Credits Titelbild: Laura Dahlmeier Instagram

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