Für ihr Projekt schlossen sich die baskischen Profikletterer erneut mit dem Peruaner Micher Quito zusammen. „Bonus Track“ (WI7/M6/6c/1.060 m) am 6.162 m hohen Ranrapalca bezeichnen sie als ihre bisher schwerste Alpinroute.
Dem Trio aus Eneko Pou, Iker Pou und Micher Quito ist schon wieder eine bemerkenswerte Erstbegehung in den Anden gelungen: An der Gebirgskette Cordillera Blanca am Ranrapalca (6.162 m) etablierten sie die Route „Bonus Track“. Mit mehr als einem Kilometer Kletterstrecke, schwierigen und teils steilen Mixed-Eis-Passagen sowie anspruchsvoller freier Kletterei ist es die schwerste Linie, die die Pou-Brüder in der längsten Gebirgskette der Welt bislang etabliert haben – von insgesamt 22.
Extrem schwer und ausgesetzt über Eis, Fels und Mixed-Terrain. Die Route bietet überhaupt keine Möglichkeit zum Ausruhen.
Eneko und Iker Pou
„Wir waren nicht sicher, ob wir es wirklich schaffen“
Nicht nur die unglaubliche Länge von „Bonus Track“ (WI7/M6/6c/1.060 m) macht die neue Route zu einem der schwierigsten Vorhaben, das Eneko und Iker Pou gemeinsam mit Micher Quito je unternommen haben. Denn das Trio blieb bei der Begehung auch dem reinen Alpinstil treu – ohne vorab präparierte Route oder Hilfe von außen und in einem Zug vom Basislager zum Gipfel und zurück.
Fünf Tage verbrachten sie dafür am Ranrapalca, wo sie 2023 bereits „Ya Pe Cholo“ (6b, 80°, 1.200 m) etabliert hatten. Dabei kletterten sie mehrfach in eine Sackgasse – und jedes Mal wurden die Zweifel lauter, ob sie es wirklich bis nach oben schaffen würden.
Trotz unserer Erfahrung und Intuition mussten wir mehrmals wieder abseilen und neu ansetzen.
Eneko und Iker Pou



Fünf Tage in Fels und Eis: die Erstbegehung von „Bonus Track“ | Bilder: Eneko & Iker Pou
Eisfall, Frost und Schlafentzug
Neben den Schwierigkeiten bei der Wegfindung wurden die Pous und Quito in der ersten Nacht auch noch von einem unerwarteten Schneesturm überrascht. „Nach zwölf Stunden Klettern ohne Pause haben wir die Nacht in einer Felsspalte verbracht und sind völlig durchnässt und zitternd aufgewacht“, erinnern sich Eneko und Iker Pou. Beim zweiten Biwak schneite es zwar nicht, aber die drei mussten sitzend über einem Abgrund übernachten.
Mit nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kämpfte sich die Seilschaft innerhalb von fünf „Marathon-Tagen“ bis zum Gipfel auf über 6.000 Metern. Am dritten Tag mussten sie einen mehrere Stunden dauernden Eissturz ausharren.
„Wir haben uns noch in keiner Route so lebendig gefühlt und so viel ertragen müssen“, betonen die Pou-Brüder. Die beiden Kletterer aus dem Baskenland sind sich sicher: Die phänomenale Teamarbeit mit Micher Quito war ausschlaggebend für den letztlichen Gipfelerfolg.




Unten: Topo von „Bonus Track“ | Bilder: Eneko & Iker Pou
Weitere alpine Projekte für Herbst geplant
Während sich Eneko und Iker Pou noch körperlich von der Expedition „Bonus Track“ erholen, geht die Planung für September und Oktober schon weiter. Denn im Herbst wollen die Brüder erneut in die peruanischen Anden reisen und sich einigen neuen Großprojekten widmen. Welche das genau sind, ist aber derzeit noch geheim.
Video: Erstbegehung von „Bonus Track“ am Ranrapalca
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Credits Titelbild: Hermanos Pou

