Mit ihren Sieg im Bouldern darf sich die Slowenin Janja Garnbret als Doppeleuropameisterin feiern lassen. Adam Ondra setzte sich im Lead-Final der Herren durch und ist jetzt nicht nur frisch gebackener Vater, sondern auch frisch gebackener Europameister.

Die Slowenin Janja Garnbret sicherte sich in der Disziplin Bouldern auf dem Königsplatz in München ihre zweite EM-Goldmedaille innerhalb von zwei Tagen.

Nach ihrem ersten Sieg bei der gestrigen Europameisterschaft im Leadklettern holte die starke Slowenin im Bouldern ein weiteres EM-Gold. Um auf die oberste Stufe des Podiums zu gelangen, musste sie jedoch zuerst ihren verhaltenen Start wieder gutmachen.

Während die Lokalmatadorin Hannah Meul und die Französin Oriane Bertone beide den ersten Boulder bezwangen, konnte Garnbret nur eine Zone für sich beanspruchen. Das zweite Problem war jedoch eine ganz andere Geschichte. Die Französin Fanny Gibert erreichte dort nur die Zone. Als Janja Garnbret am Zug war, flashte sie das Problem kurzerhand und verliess die Matte an der Spitze des Rankings. Ein weiterer Flash an Boulder drei und eine Zone am Boulder vier sicherten ihr die Medaille.

«Heute war es hart. Ich hatte einen ziemlich schlechten Start mit dem ersten Boulder, den ich nicht geschafft habe. Ich bin aber nicht in Panik geraten. Ich habe mir einfach gesagt: Schau, du hast drei Boulder vor dir, da kann alles passieren, und ich hatte weiter Spass.»

Janja Garnbret

Nachdem Hannah Meul schon im Halbfinale überzeugen konnte, startete sie als Dritte der Vorrunde in den ersten Damenboulder. Diesen kletterte sie im zweiten Versuch – beachtlich, schließlich erreichte neben ihr nur Oriane Bertone den obersten Griff.

Obwohl die Rheinländerin mit dieser komfortablen Ausgangssituation sogar noch weiter nachlegte, blieb es bis zum Ende spannend: Nach der vorletzen Tour war ihr dann das Podium fast nicht mehr zu entreissen. Lediglich die Zone musste sie im letzten Boulder-Problem schaffen. Diese erreichte sie mit Leichtigkeit und landete am Ende auf Platz 2. Direkt hinter der unschlagbaren Slovenin Garnbret.

Podium-Boulder-Frauen
Die glücklichen Gewinnerinnen des Boulder-Finals: Hannah Meul, Janja Garnbret und Oriane Bertone. Bild: Jan Virt/IFSC

«Ich habe jede Minute an der Wand und auf den Matten genossen, vor diesem riesigen Publikum», schwärmte die Vize-Europameisterin. Es sei super aufregend, sich Europameisterschafts-Silbermedaillengewinnerin zu nennen. «Es ist verrückt. Es hört sich unglaublich an und ist bei mir noch gar nicht richtig angekommen.»

«Es sei super aufregend, sich Europameisterschafts-Silbermedaillengewinnerin zu nennen.»

Hannah Meul

Mit gerade einmal 17 Jahren trat Oriane Bertone gegen viel erfahrenere Wettkampf-Kletterinnen an. Aber das schien das Jungtalent nicht zu stören. «Es ist ein tolles Gefühl, sagen zu können: Okay, ich bin gut genug, um Bronze zu gewinnen», so die Französin. Und sie habe das Gefühl, gut genug gewesen zu sein, um Silber gewinnen zu können. «Ich weiss. nicht, ob Gold machbar gewesen wäre, aber ich will Gold gewinnen, also werde ich zurück ins Training gehen und das im Hinterkopf behalten.»

Rangliste Boulder Finale Frauen

Rangliste-Frauen-Boulder-Europameisterschaft

Nach Boulder-Bronze gibts Lead-Gold für Adam Ondra

Nach einem eher traditionell geschraubten Halbfinale überlegten sich die Routenbauer für die Runde der besten Acht eine eher boulderlastige Route, mit Sprüngen, Kompressionszügen und Kopfüber-Passagen. Yannick Flohé kam als Dritter aus der Call-Zone und legte mit 29+ gut vor, zwischenzeitlich Platz 1. Sein Teamkollege Alexander Megos hinter ihm erhöhte auf 30+. Doch leider hielt die Bestmarke der beiden Kletterstars nicht lange genug.

«Mit der Goldmedaille im Leadklettern habe ich mein Saisonziel erreicht. An diesen Wettkampf werde ich mich noch lange erinnern. München war super.»

Adam Ondra

Eng im Rennen um die Goldmedaille wurde es für den Tschechen Adam Ondra: Er kletterte bis Zug 37+, genauso weit wie Luka Potocar. Normalerweise würde nun die Platzierung im Halbfinale entscheiden. Doch auch dort hatten beide die gleiche Wertung. Aufgrund der geringeren Zeit, die Ondra in der Route bis zu seinem Sturz benötigte, schob er sich im Ranking vor den Slowenen.

Adam Ondra im Interview über den Europameistertitel im Leadklettern (Audio)

Bild Petr Chodura

Als letzter betrat Weltmeister Jakob Schubert die Bühne. Was würde der Österreicher in dieser boulderlastigen Lead-Route ausrichten können? Nicht genug, wie sich herausstellte: Er fiel bei Zug 34+ und landete damit auf dem unglücklichen vierten Rang.

Podium-Lead-Herren
Das Podium der Herren: Luka Potocar, Adam Ondra und Alberto Gines Lopez. Bild: Jan Virt/IFSC

Besonders bitter aus Schweizer Sicht endete die Europameisterschaft für Sascha Lehmann in der Disziplin Lead. Nach einer souveränen Qualifikation, die der 24-Jährige auf Rang 5 beendet hatte, zeigt der Europameister aus dem Jahr 2020 auch im Halbfinale eine solide Leistung. Doch leider fehlt am Schluss ein halber Zug, um es unter die besten acht Athleten zu schaffen. «Das Glück war heute nicht auf meiner Seite. Dass es so knapp nicht für das Finale reicht, ist frustrierend», sagt ein sichtlich enttäuschter Sascha Lehmann.

Als zweiter Schweizer Halbfinalist blieb Nino Grünenfelder bei seinem ersten Auftritt an einer EM auf Position 25 chancenlos. «Es ist sehr cool, dass ich ins Halbfinale geklettert bin. Die Qualifikation konnte ich richtig geniessen und für die Züge kämpfen. Dies ist mir trotz der grossen Unterstützung des Publikums im Halbfinale leider nicht mehr gelungen.»

Rangliste Lead Finale Männer

Rangliste-Finale-Lead-Herren

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Credits: Titelbild:  Dimitris Tosidis/IFSC, Text: IFSC, DAV, SAC

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