Hierzulande gibt es zwar kein Yosemite Valley, aber Europas unzählige Klettergebiete können in punkto Qualität und Geschichte problemlos mit den legendären Wänden dieser Welt mithalten. Ein Überblick über unsere Top 10 der besten Sportklettergebiete Europas mit allen Infos zur besten Saison, Auswahl und örtlichen Besonderheiten.
Nach unserem Ranking der besten Bouldergebiete Europas sammeln wir auch unsere Traum-Reiseziele für den nächsten Kletterurlaub. Sich auf nur zehn europäische Klettergebiete festzulegen schien am Anfang schier unmöglich – probiert haben wir es natürlich trotzdem.
Nach der Top 10 haben wir eine kleine Auswahl »ehrenhafter Erwähnungen« ergänzt, die tolle Kletterei abseits der beliebtesten Hotspots bieten. Ihr findet sie ganz unten im Artikel.
Platz 10 – Frankenjura, Deutschland
Das Frankenjura ist Deutschlands größtes und bekanntestes Klettergebiet und bietet über 1.000 Felsen mit mehr als 7.000 Routen in nahezu allen Schwierigkeitsgraden. Genau hier zückte einst Kurt Albert den roten Pinsel und erfand das Rotpunktklettern, das heute zum Standard geworden ist.
Die »Fränkische Schweiz« ist mit malerischer Natur, kurzen Zustiegen und einer riesigen Auswahl an Sportkletterrouten ein ideales Ziel für einen Kletterurlaub im Herzen Europas. Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten in urigen Gasthöfen und die vielen Optionen für Wander- und Radtouren runden auch an Ruhetagen das Erlebnis ab.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 4 bis 9b
- Hauptsaison: ganzjährig

Platz 9 – Osp, Slowenien
Rund um das kleine Dorf Osp an der slowenischen Mittelmeerküste liegen einige der bekanntesten Sportklettergebiete des Landes. In Osp und Mišja Peč warten über 400 Routen in allen Schwierigkeitsgraden, viele davon fußläufig vom Campingplatz erreichbar. Ergänzt wird das Angebot durch Črni Kal, das besonders in den leichten und mittleren Graden punktet.
Osp lockt mit einer besonderen Kombination aus entschleunigter Dorfatmosphäre, imposanten Kalksteinwänden und mildem Meeresklima. Seit den 1970er-Jahren zieht es Kletter*innen immer wieder hierher. Dank der zentralen Lage sind auch Tagesausflüge nach Italien oder Kroatien problemlos möglich.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 4a bis 9a+
- Hauptsaison: ganzjährig

Platz 8 – Dolomiten, Italien
Wer gerne mit spektakulärem Ausblick in alpiner Landschaft ein paar mehr Klettermeter zurücklegt als in der Halle, ist in den Dolomiten genau richtig. Auf Norditaliens größtem »Abenteuerspielplatz« kommen vor allem Fans von Alpin- und Bigwallklettern voll auf ihre Kosten.
Die vielen gut abgesicherten und einsteigerfreundlichen Klettersteige und Mehrseillängentouren (teils auch geführt) sind ideal, um Anfänger*innen an das alpine Gelände heranzuführen. Wer ein bisschen Zeit und Ausdauer mitbringt, dem sei die »4-Pässe-Tour« über das Sellajoch, Grödner Joch, Campolongo Joch und das Fedaia Joch empfohlen.
Zu den beliebtesten Gebieten der Dolomiten gehört die Region rund um das Bergdorf Cortina d’Ampezzo – ein echten »Heidi-Dorf« umbegeben von imposanten Granitwänden. Durch die hohe Lage kann lässt es sich in den Dolomiten gerade im Hochsommer bei angenehmen Temperaturen aushalten. An Ruhetagen lohnen Ausflüge nach Bozen oder Trient.
- Gesteinsart: Dolomit (Sediment aus Kalkstein)
- Schwierigkeiten: 3a bis 8b
- Hauptsaison: April bis Oktober

Platz 7 – Siurana, Spanien
Siurana gehört zu den Top-Kletterspots von Katalonien im Nordosten Spaniens. Hier stehen mehr als 1.700 Routen zur Auswahl, die nicht nur mit kurzen Zustiegen locken, sondern auch mit reizvollen Kalkformationen in allen möglichen Farben und Formen. Es gibt zwar auch viele Einsteiger-Touren (z.B. bei »Can Marges de Baix«), aber die Steilhänge Siuranas setzen eine gewisse körperliche Fitness voraus. Dafür sind die meisten Routen relativ gut abgesichert.
Im Frühling und Herbst zieht Siurana mit seinem riesigen Angebot Scharen an internationalen Kletter*innen an, was für ein ganz besonderes internationales Flair am Fels sorgt. Mit etwas Glück trifft man hier auch Profikletter*innen wie Chris Sharma, Adam Ondra oder Alex Megos an.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 3c+ bis 9b+
- Hauptsaison: Frühling & Herbst

Platz 6 – Verdon, Frankreich
Die Verdon-Schlucht im Süden Frankreichs beeindruckt auch Nicht-Kletterer mit seinen bis zu 100 Meter hohen Kalksteinwänden, zwischen denen sich der Fluss Verdon schlängelt. Die »Gorges du Verdon« liegt vor atemberaubender Naturkulisse zwischen Marseille und Nizza und bietet mehr als 1.600 Routen an sehr guter Gesteinsqualität.
Nicht nur Kletterprofis wie Jules Marchaland, Laura Rogora oder Seb Bouin schauen hier regelmäßig vorbei. Gerade in Frankreich gilt die Verdon-Schlucht als historisch wichtiger Kletter-Spot, für den man allerdings halbwegs schwindelfrei sein sollte. Denn die meisten Kletterrouten starten eher mittig in der Wand, weshalb eine Abseil-Aktion im Vorfeld oft dazugehört. Wer auf Mehrseillängen steht, ist hier ebenfalls genau richtig.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 3a bis 9c
- Hauptsaison: Frühling, Sommer & Herbst

Platz 5 – Arco, Italien
Arco ist das Sportklettergebiet Italiens – und das ist während der Hochsaison auch spürbar. Wer außerhalb von Ferien und Feiertagen reist oder bereit ist, etwas zu recherchieren, findet aber auch ruhigere Sektoren abseits der Klassiker wie Massone & Co. Nicht umsonst bietet kaum ein anderes Klettergebiet eine derart hohe Dichte an gut abgesicherten Sportkletterrouten in den leichten bis mittleren Graden.
Die Lage am nördlichen Gardasee macht den Klettertrip nach Arco auch abseits vom Fels zu einem richtigen Italien-Urlaub – mit vielen Wander-, Radfahr- und Bademöglichkeiten und tollen kulinarischen Angeboten. Auch Mehrseillängentouren und Klettersteige sind in Arco und Umgebung geboten.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 4a bis 9b+
- Hauptsaison: Frühling & Herbst

Platz 4 – Kalymnos, Griechenland
Die griechische Insel Kalymnos macht seit einigen Jahren Mallorca als beliebteste Kletter-Insel Europas Konkurrenz. Hier liegen kurz vor der türkischen Küste mehr als 80 eindrucksvolle Felsen mit rund 4.600 Routen, von denen viele in riesigen Höhlen und an imposanten Stalaktiten zu finden sind.
Die meist überhängende Kletterei an gelb-orangenem Kalkstein ist durch den 3D-Charakter des Felses in allen Graden spannend. Kalymnos ist als Klettergebiet ist vergleichsweise jung; die Routen sind vielfältig, gut abgesichert und für alle Schwierigkeitsgrade geeignet.
Durch die Nähe zur Küste herrscht auf Kalymnos ein mildes maritimes Klima, das vor allem im Winter eine willkommene Abwechslung zu Kälte und Nässe ist. Weil Meer und Fels direkt aufeinandertreffen, lässt sich hier ein Kletterurlaub perfekt mit Entspannung am Strand verbinden.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 2a bis 9a+
- Hauptsaison: Frühling, Herbst & Winter

Klettern boomt – wohin mit den Besucher-Massen?
In vielen beliebten Klettergebieten wird immer wieder um Lösungen gerungen, damit die steigenden Besucherzahlen für Anwohner*innen und die Natur verträglich gestaltet werden kann. Ein jüngstes Beispiel aus Margalef zeigt, wie komplex die Thematik auf den zweiten Blick sein kann. Ein Gastbeitrag von Marina Abello Buyle.
Platz 3 – Finale Ligure, Italien
Mit mehr als 1.000 Routen ist Finale Ligure das größte Klettergebiet Italiens – noch vor dem ebenfalls beliebten Hotspot Arco. Das Gebiet liegt direkt am Mittelmeer in der Provinz Savona und bietet auf etwa zehn Quadratkilometern vielfältige, eher etwas steilere Kletterei in den leichten und mittleren Schwierigkeitsgraden.
Durch die Lage mitten in grünen Tälern zieht Finale Ligure neben Kletter*innen auch viele Mountainbiker*innen an. Die Atmosphäre in der historischen Altstadt Finalborgo verbindet dabei mühelos einen internationalen Outdoor-Vibe mit italienischer Dolce Vita. Ein Besuch lohnt vor allem im Frühling, Herbst oder Winter – im Hochsommer wird es hier schnell zu heiß.
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: 2a bis 8c+
- Hauptsaison: Frühling, Herbst & Winter

Platz 2 – Margalef, Spanien
Margalef ist neben Siurana das wichtigste und auch größte Sportklettergebiet Kataloniens – und liegt auch nur anderthalb Stunden Fahrtzeit entfernt. Mit seinen weitläufigen und bugigen Wänden lockt Margalef mit Routen, die steil anfangen und in vertikalem oder sogar plattigem Gelände enden.
Zwar kommen regelmäßig Top-Kletter*innen nach Margalef, um sich an den schwersten Routen der Welt zu versuchen. »Normalos« sollten sich von dem Kletter-Niveau der Profis aber nicht abschrecken lassen: Denn mit 1.500 Linien, verteilt auf über 80 Sektoren, kommt hier jeder auf seine Kosten – vor allem in Sektoren wie Can Pesafigues oder Cingles del Molí.
Neben einem breiten Routenangebot bietet der beliebte Kletterspot in Katalonien außerdem einzigartigen, Konglomerat-artigen Fels. Dank der vielen Fingerlöcher dürften sich Frankenjura-Kletter*innen wohl wie zu Hause fühlen – und auch die Routen sind mit bis zu 20 Metern eher kurz. Die Kletterei in Margalef gilt außerdem als Technik-Schmiede in allen Schwierigkeitsgraden: In den vielen griffigen Platten ist neben Fingerstrom auch präzise Fußarbeit gefragt.
- Gesteinsart: Konglomerat-Kalkstein
- Schwierigkeiten: 3a bis 9b+
- Hauptsaison: Frühling, Herbst & Winter

Platz 1 – Céüse, Frankreich
Céüse ist ein Klettergebiet der Extreme. Damit sind nicht nur seine kletterhistorisch bedeutsamen Routen wie »Biographie« (der ersten 9a+ der Welt) oder »Bibliographie« gemeint, sondern auch seine spektakuläre Lage. Denn die Kalkkrone von Céüse thront auf 2.000 Metern Höhe über dem Ort Sigoyer, etwa 100 Kilometer südlich von Grenoble.
Dass Céüse nur etwas für Spitzenkletterer ist, lässt sich wie schon in Margalef mit Blick auf das Routenangebot schnell widerlegen. Von den über 600 Linien des Gebiets sind rund 120 in Graden mit maximal 6a+ bewertet, hinzu kommt eine riesige Auswahl im oberen sechsten Franzosengrad. Die meisten der leichteren Routen liegen in den Sektoren auf der Westseite.

Zugegeben: Der Zustieg nach Céüse hat es mit etwa 40 Minuten Fußmarsch in sich. Dafür wird man, einmal angekommen, mit herausragender Gesteinsqualität belohnt. Außerdem ist das Klettern hier durch die Gebietsausrichtung nach Westen, Süden und Osten das meiste Jahr über möglich. Nur im Winter wird es hier aufgrund der Höhe schnell zu kalt.
Warum ist Céüse unsere Nummer 1? Weil das Gebiet einfach alles vereint: die einzigartige Lage, ein breites Angebot für alle und eine Atmosphäre, in der immer ein Stück Klettergeschichte mitschwingt. Der französische Profikletterer Jules Marchaland bringt es auf den Punkt: »Céüse is die schönste Felswand der Welt. Man kann hier stundenlang Routen beobachten, ohne überhaupt zu klettern.«
- Gesteinsart: Kalkstein
- Schwierigkeiten: von 4 bis 9c
- Hauptsaison: Frühling, Sommer & Herbst
Wer es ruhiger mag: Klettern abseits der (größten) Massen
Es gibt natürlich noch viele weitere Gebiete in Europa, für die sich ein Kletterurlaub lohnt. Weil wir hier nicht alle nennen können, haben wir »ehrenhafte Erwähnungen« abseits der Top 10 gesammelt. Diese Gebiete bieten – je nach Saison – einzigartige Kletterei abseits der beliebten Hotspots.
- Sa Gubia, Mallorca: Spektakuläres Gebiet mit diversem Kletterangebot (Sport, Trad, Mehrseillänge), vor allem für Einsteiger und Fortgeschrittene. Seit 2013 braucht man eine Genehmigung, um das Naturschutzgebiet zu betreten.
- St. Léger du Ventoux, Frankreich: Lange und technische Routen für eher fortgeschrittene Kletter*innen (ab 6b) an einem der schönsten Kletter-Spots im Süden Frankreichs.
- Sächsische Schweiz, Deutschland: Die Wiege des Freikletterns ist nichts für schwache Nerven. Wer kein Problem mit Knotenschlingen hat und auf Chalk verzichten kann, bekommt am sächsischen Sandstein ein einzigartiges Klettererlebnis geboten.
- Tessin, Schweiz: Eigentlich als Bouldergebiet (zurecht) extrem beliebt – aber auch für Seilkletter*innen gibt es hier eine feine Auswahl an Routen.
- San Vito lo Capo, Sizilien: Das mit Abstand beliebteste Klettergebiet der Insel mit 1.200 Routen, die meist sehr gut abgesichert sind. Ideal für die Kombination aus Strand- und Kletterurlaub.
- Tirol, Österreich: Die Tiroler Alpen bieten mehr als 130 Sportkletterspots, unzählige Mehrseillängentouren und viele Klettersteige. Vor allem rund um Innsbruck locken viele talnahe und einsteigerfreundliche Südwände.
- Flatanger, Norwegen: Trotz spektakulärer Optik und Lage nicht in unserer Top 10 – aus dem einfachen Grund, dass der Fels hier nur für sehr erfahrene Kletter*innen eine gute Auswahl bietet. Wer sowieso in der Ecke unterwegs ist, sollte sich einen Besuch in der berühmten Hanshelleren-Höhle allerdings nicht entgehen lassen (auch ohne Seil).
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