Vor einigen Tagen publizierte Hansjörg Auer ein Video einer Abseilaktion an der Achplatte im Öztal (LACRUX berichtete). Als Abseilpunkt diente Hansjörg ein kleiner festgefrorener Stein. Das Video löste enorm viele Reaktionen aus. Einige forderten die Löschung des Films, andere bezeichneten Hansjörg als dumm oder sind ganz einfach schockiert. Wir haben mit Hansjörg über die Gründe der Abseilaktion und seinem Verhältnis zu Gefahren gesprochen.
Interview mit Hansjörg Auer
Wann warst du in der Wand?
Ich kletterte diese dünne und seltene stehende Eislinie am 28. Februar 2018. Es war vermutlich eine Erstbegehung.
Wie heisst die Wand und wo ist sie?
Es ist die Südwand der Achplatte im Ötztal. Es ist im Sommer eine eher gefährliche Wand, da sich in den letzten Jahren im linken Wandteil immer wieder Felsmaterial gelöst hat. Die ersten Routen entstanden hier in den 70er Jahren durch Reinhard Schiestl. Ich meinerseits habe ich Jahr 2005 eine neue Route in der Wand geklettert.
Die von Hansjörg Auer begangene Südwand der Achplatte im Ötztal (Bild Hansjörg Auer)
Die Abseilaktion an diesem kleinen Stein sieht ziemlich wackelig und gefährlich aus. Warum hast du dort abgeseilt?
Ich wollte eigentlich überhaupt keine zusätzliche Ausrüstung (Seil, Gurt, Eisschraube) mitnehmen, da am Ende der Wand über ein Band nach rechts zum Abstieg gequert werden kann. Beim Losgehen habe ich mich aber doch entschieden das Seil einzupacken, da die Eisauflage mit dem Fernglas sehr, sehr dünn aussah.
Nach dem Zustieg, kletterte ich dann los. Nach recht einfachen, verschneiten Platten wurde das Gelände etwas steiler und die Kletterei anspruchsvoller. Die Eislinie war dann großteils mehr angefrorener Schnee als Eis. Die letzten zehn Meter waren solo nicht ganz einfach, aber ich dachte mir, dass es bald wieder etwas leichter werden wird. Und plötzlich stand ich auf einem kleinen Absatz und konnte weder vor noch zurück, vor allem auch deswegen, da ich ja solo unterwegs war. Gottseidank habe ich dann diesen winzigen kleinen Stein gefunden, der eingefroren auf Höhe des kleinen Absatzes war. Ich entschied mich daran 30m abzuseilen. Ich habe dann einen leichteren Weg weiter links gefunden und bin die Linie zu Ende geklettert.
Warum hast du keine Hilfe angefordert?
Natürlich wollte ich mich selbst aus dieser Situation befreien. Und das Abseilmanöver erschien mir möglich. Zudem konnte ich ja nicht ewig auf diesem abschüssigen, kleinen Absatz einfach stehen bleiben.
Du bist bekannt für waghalsige Begehungen. Wie gehst du bei der Einschätzung von Risiken vor?
Im Grunde finde ich, dass man sich auf das Risiko einstellen und seine Sinne schärfen kann, wenn man sich des Risikos bewusst ist. Es ist eher problematisch, wenn man in vermeintlich leichtem Gelände unachtsam ist oder durch die Routine unachtsam wird. Deshalb stehe ich für Qualität statt Quantität bei meinen Aktionen. So ist man nicht dauernd im roten Bereich unterwegs.
Was ist dein Antrieb/deine Motivation, dich auf einem schmalen Grat zu bewegen?
Die Möglichkeit ein intensives Leben zu führen sehe ich als Privileg. Und wenn man dann noch die persönliche Erfüllung in seinen Projekten findet, dann gibt es nichts Auszusetzen.
Wenn dir ein Kletterer sagen würde, du seist lebensmüde. Was wäre deine Antwort.
Dass mich viele Leute als „crazy“ einstufen finde ich eigentlich nicht cool. Ich habe vielleicht einen anderen Zugang zum Risiko und denke manchmal über alpinistische Ideen nach, die andere sofort verwerfen würden. Aber deswegen bin ich noch lange kein Verrückter. Ich habe den folgenden Satz heuer einmal geschrieben und denke der passt gut zu diesem Thema.
„To enjoy the undreamt intensity of life again and again is one thing that drives me to set off for new adventures.“
Aber dafür muss man eben über die Komfortzone hinaus gehen und es können Situation wie an der Achplatte Südwand entstehen.
Hast du ein grosses Ziel oder ein Projekt, das du eines Tages in Angriff nehmen möchtest?
Ich plane heuer im Sommer wieder in Pakistan unterwegs zu sein. Ein großartiges Projekt an einem 7000er.
Herzlichen Dank, Hansjörg, für deine ausführlichen Antworten. Wir sind gespannt auf dein Projekt in Pakistan. Gutes Gelingen!
Das Video von Hansjörg Auers Abseilaktion an der Achplatte
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[…] haarsträubende Abseilaktion des österreichischen Alpinisten Hansjörg Auer. Im anschliessenden Interview erhielten wir Einblicke in die Beweggründe von Hansjörg und seine Motivation, sich immer wieder […]
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