Der Österreicher Jakob Schubert zeigt keine Ermüdungszeichen und das trotz anstrengender Wettkampfsaison, inklusive Olympiateilnahme. Während seines jüngsten Klettertrips ins Deep-Water-Soloing-Paradies Mallorca gelang ihm eine der schwersten Routen dieser Art: Alasha. Im Interview verrät Schubert, was ihm die Begehung bedeutet und wie er die Route anging.

Jakob Schubert in Interview

Glückwunsch Jakob zur ersten Wiederholung von Alasha. Wie war es?

Es war ein geniales Erlebnis! Ich war bisher erst einmal auf Mallorca, im Urlaub mit meiner Freundin und da kletterte ich nur eine 7c. Das ist also mein erster richtiger Deep-Water-Solo-Trip und es ist einfach genial hier. An den Felsen hoch über dem Wasser alles zu geben ist sehr aufregend.

Und was sagst du zu Alasha, der Route, die du klettern konntest?

Was für eine Linie, was für eine Route! Die Felsqualität ist einfach unglaublich und das Boulderproblem hat einige der coolsten Griffe! Die Route beginnt mit 10 Metern Kletterei im siebten Franzosengrad bevor es in die Schlüsselstelle übergeht. Diese Stelle befindet sich in einer Höhe von rund 15 Metern und liegt im Bereich 8a (Fontainebleau-Skala). Zu wissen, dass niemand die Route wiederholen konnte, seit der Erstbegehung durch Chris Sharma vor sechs Jahren hat der ganzen Sache natürlich die nötige Prise Salz verleiht.

Jakob Schubert bei der Begehung von Alasha. (Bild Sebastian Marko)
Jakob Schubert bei der Begehung von Alasha. (Bild Sebastian Marko)

Wie bist du vorgegangen beim Projektieren der Route?

Als wir ankamen, wollte ich mir Alasha gleich mal anschauen, da hieß es, dass die Klettersaison im Norden der Insel früher zu Ende geht als unten im Süden., Nach einer ersten Session an gemütlichen Spots wie Cala Varques sind wir nach Soller gefahren, wo wir das Glück hatten, eine Boottour mit Sebastian von Rock and Water Mallorca zu machen. Er zeigte uns Spots, was uns einen guten Eindruck der Nordküste vermittelte.

Du warst noch nicht lange auf der Insel. Es fühlt sich an, als ob die Begehung schnell kam.

Ja, ich bin zweimal von unten her zur Schlüsselstelle geklettert, bevor ich mir die Züge vom Seil aus angeschaut und und ausprobiert habe. Ich hatte das Glück, dass Jernej Kruder da war. Er kannte sämtliche Abfolgen und teilte seine Lösung mit mir. Beim nächsten, also vierten Versuch, konnte ich Alasha klettern.

Jakob Schubert klettert Alasha in lediglich vier Versuchen (Bild Sebastian Marko)
Jakob Schubert klettert Alasha in lediglich vier Versuchen (Bild Sebastian Marko)

Jernej hatte Alasha schon nach seiner Wiederholung von ‚Es Pontas‘ probiert, wie weit ist er von der Begehung der Route entfernt?

Sein Versuch vor meiner Begehung war sehr knapp. Ich hoffe, dass die Bedingungen so bleiben, damit auch er Alasha klettern kann.

Was sagst du zum Schwierigkeitsgrad von Alasha?

Wenn ich mich richtig erinnere, hat Chris Sharma nie eine Bewertung für Alasha oder Es Pontas abgegeben, sondern verglich den Prozess eher mit einigen seiner härtesten Sportklettertouren und so gelangten Schwierigkeitsgrade in die Medien. Vor allem denke ich, dass die Sportklettergrade nicht ideal für das Free-Solo-Klettern. Insbesondere im Falle von den sehr hohen und schwierigen Routen, bei denen mehr Faktoren ins Spiel kommen als nur die Fähigkeit, schwierig zu klettern. Auch wenn man sich einige Abschnitte einer DWS-Route am Seil anschauen kann, so unterscheidet sich der Ganze Prozess doch stark vom klassischen Sportklettern. Bei üblichen Sportkletterrouten hat man sämtliche Möglichkeiten, Bewegungen und Sequenzen unzählige Male einzustudieren, ohne jemals weite Stürze in Kauf nehmen zu müssen.

Ich kann sagen, dass ich während der Begehung von Alasha physisch den Eindruck hatte, eine Route im Bereich 8c+ zu klettern. Wenn man Faktoren wie das Commitment und die Angst miteinbezieht, so denke ich liegt der Grad bei 9a. Aber im Mittelpunkt einer Begehung einer solchen Linie liegt was anderes. Wer einfach nur schwierig klettern will, der geht anderswo hin. Nach der diesjährigen Wettkampfsaison mit den Olympischen Spielen und den Weltmeisterschaften hatte ich Lust auf Abenteuer und Erlebnisse draussen in der Natur. Davon habe ich hier reichlich.

Video der Erstbegehung von Alasha durch Chris Sharma

Hast du die Route Es Pontas auch probiert?

Ja, ich habe bereits ein paar Sessions in die Route investiert. Der Spot und die Linie sind so atemberaubend, wie es die Videos, die man im Internet findet, zeigen. Ich fühle mich gut in der Route, aber der Dynamo gelang mir noch nicht.

Was hast du für den Rest deines Aufenthaltes geplant?

Ich möchte noch Routen wie Hupolup Kempf in Cala Sa Nau und einige neue Linien bei Soller klettern und natürlich das grösste Projekt, Es Pontas, abschliessen.

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Credits: Titelbild Sebastian Marko/Alpsolut

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