Jonas Schild und Anja Bacchetto haben am Scheideggwetterhorn eine neue alpine Mehrseillängenroute eröffnet. „DüDaDo im Nirgendwo“ (8a+) führt in neun Seillängen über den Epp-Pfeiler. Im September gelang Schild die freie Begehung.
Drei Sommer am Epp-Pfeiler
Begonnen haben Jonas Schild und seine Partnerin Anja Bacchetto im Sommer 2024. Sie erschlossen die Linie von unten, verteilt auf drei Sommer, durch kompakten hochalpinen Kalk in der Nordwand des Scheideggwetterhorns. Rund 400 Meter misst die Route. Die Schlüsselstelle führt über ein Dach in eine technisch anspruchsvolle Platte – vorgeschlagen ist 8a+.

Im Sommer 2026 bekam das Projekt eine zweite Ebene: Schild und Bacchetto erfuhren, dass sie Eltern werden. Trotz fortschreitender Schwangerschaft richteten die beiden im August gemeinsam die neunte und letzte Seillänge ein. Für einen gemeinsamen Durchstieg reichte die Zeit danach nicht mehr. Im September kehrte Schild zurück – verteilt auf zwei Tage kletterte er alle neun Seillängen frei.
[Die Route] ist das Ergebnis von drei Jahren gemeinsamer Arbeit, vielen Tagen in dieser Wand und einer Zeit, in der sich auch unser eigenes Leben verändert hat
Jonas Schild
Ein altes Foto als Startpunkt
Die Wand kennt Schild seit 2010. Mit 18 Jahren gelang ihm mit Nicolas Hojac die erste Wiederholung von „Into the Wild“ (7b+, 450 m). Nicolas Zambetti und Deni Burdet hatten die Route ein Jahr zuvor mit Gefährten eröffnet. Schild kletterte damals alle Seillängen frei. Jahre später stieß er beim Vorbereiten eines Vortrags wieder auf die Bilder von damals und entdeckte links von „Into the Wild“ einen kompakten Kalkpanzer. Der Rest ist die Geschichte dieser Route.

Der Name der Linie kommt aus der Abgeschiedenheit. Hoch über der Großen Scheidegg ist der Signalton der Grindelwald-Busse oft das Einzige, was von der Zivilisation heraufdringt. Dieses „DüDaDo“ begleitet einen vom frühen Morgen bis zum letzten Bus am Abend – mitten im Nirgendwo eben.
Absicherung nach Berner-Oberland-Art
Die Absicherung ist stellenweise spärlich. Schild und Bacchetto vergleichen sie mit modernen alpinen Mehrseillängen im Berner Oberland wie „La Svizzera“, „Infinite Jest“ oder „Paciencia“.
Die Route auf einen Blick:
- Gebiet: Scheideggwetterhorn (3.360 m), Nordwand, Epp-Pfeiler
- Länge: ca. 400 m, neun Seillängen
- Schwierigkeit: bis 8a+
- Erschließung: 2024–2026, Jonas Schild und Anja Bacchetto
- Freie Begehung: Jonas Schild, September 2026

Die Bewertungen sind ein Vorschlag. Bestätigen müssen sie die ersten Wiederholerinnen und Wiederholer. Bis dahin bleibt das DüDaDo aus dem Tal der einzige Kommentar zur Route.
Das könnte dich interessieren
- Erstbesteigung des Südwestgrats des 6000ers Bhagirathi III
- Glatthard, Wahli und Schild befreien kompromissloses Riss-Testpiece GWS-Direct (5 SL, 8a+)
+++

