Marcel Remy klettert Mehrseillängentour im Alter von 94 Jahren

Es ist seine Lieblingsroute: Die 450 Meter hohe Nordwestwand des berühmten Miroir de l’Argentine, der Hochburg der Kletterer in der französischen Schweiz. Zum über 200. Mal erklimmt Marcel Remy, Vater der beiden Schweizer Kletterikonen Yves und Claude Remy, am 22. August 2017 gemeinsam mit seinen Söhnen den Klassiker. Im Alter von 94 Jahren.

Beim Namen Remy denken Kletterer zuerst an Claude und Yves. Seit einem halben Jahrhundert widmen die beiden Brüder ihr Leben dem Klettern. Die Anzahl der von ihnen erschlossenen Routen beläuft sich auf die Tausende und machte sie zu Ikonen ihrer Sportart in der Schweiz.

Klettern und Bergsteigen war bei der Familie Remy früh Programm

Die Leidenschaft für das Klettern gab ihnen ihr Vater mit. In den 1960er Jahren nahm Marcel Remy seine Söhne erstmals mit zum Bergsteigen. Jetzt macht der selbst von sich Reden. Als der mittlerweile 94-jährige im Mai 2017 mit der Idee zu seinen Söhnen Claude und Yves kommt, seine Lieblingsroute am Miroir l’Argentine noch einmal zu durchklettern, sehen sie nicht nur die Begeisterung und Entschlossenheit ihres Vaters, sondern auch die Risiken, die das Vorhaben mit sich bringt. Im Schweizer Alpenclub, Sektion Les Diablerets (Lausanne) ist Marcel mittlerweile das älteste Mitglied.

Marcel Remy: Vater von Yves und Claude Remy
Marcel Remy bezwingt Miroir de l’Argentine mit 94 Jahren.

Intensive Vorbereitungen vor der Begehung

Zwar klettert er bis heute, dennoch bedarf es für diese Tour der perfekten Vorbereitung und des passenden Trainings: Minutiös planen die Brüder die Begehung und stellen ein passendes Programm für ihren Vater zusammen. Dazu zählen mehrere Kletterhallen-Routen hintereinander im fünften Schwierigkeitsgrad, weitere anspruchsvollere Touren und Bergwanderungen sowie die Routen Foxie (5a A0) am Grimselpass und F.O.S.L. (5c) in Leonidio, Griechenland.

Der Tag der Wahrheit im Sommer 2017

Dann ist es soweit: Am 21. August 2017 bricht Marcel gemeinsam mit seinen beiden Söhnen zum Miroir de l’Argentine auf. Dem Klassiker, den er 1946 zum ersten Mal bezwang. Noch am selben Tag erreichen sie über den steilen Pfad des Miroir ein Biwak am Fusse des Berges. Am Morgen des nächsten Tages bewältigen sie die ersten drei Seillängen bis auf 1850 Meter, um dann auf die Direktroute zu wechseln, welche in 12 Seillängen im Grad 5b+ zum Gipfel führt. Um 15.15 Uhr des 22. August kommt Marcel Remy zum über 200. Mal am Ausgang der Route an. Erschöpft, aber glücklich. Nach einigen letzten Höhenmetern in Richtung des Gipfels des Haute Corde auf 2325 m gelangt er von seiner Abflugstelle mit dem professionellen Gleitschirmflieger Jérémy Péclard per Tandemflug zurück ins Tal.

Eine beeindruckende Leistung – und zweifelsfrei ein besonderes Erlebnis zwischen Vater und Söhnen Remy.

Miroir de l'Argentine - Diese 450 Meter Wand hat Marcel Remy durchstiegen
Miroir de l’Argentine – Diese 450 Meter Wand hat Marcel Remy durchstiegen

Video von Marcel Remy in der Mehrseillängentour Miroir de l’Argentine

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Credits: Bild und Text Mammut

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