Der für seine kühnen Klettereien bekannte Schotte Dave MacLeod holt sich die dritte Wiederholung der Trad-Linie Lexicon. Die Route im Lake District ist mit E11 bewertet und zählt damit zu den schwierigsten Trad-Routen Englands.

Routen im Grad E11 sind nichts für schwache Nerven. Das gilt auch für das Trad Testpiece Lexicon von Neil Gresham. Zum potenziellen 25-Meter-Whipper in der Route meint der Erstbegeher im Rahmen der Brit Rock Film Tour: „Wenn du dich dazu entschieden hast, dich in eine gefährliche Position zu bringen, dann ist es das Sicherste, keine Angst zu bekommen.“

„Wenn du dich dazu entschieden hast, dich in eine gefährliche Position zu bringen, dann ist es das Sicherste, keine Angst zu bekommen.“

Neil Gresham

Dave MacLeod lässt sich nicht zweimal bitten. „Letzten September las ich davon, dass Neil Grasham eine neue E11 an der Pavey Ark geklettert war. Es hatte keinen Sinn, mir etwas vorzumachen, ich konnte genauso gut gleich entscheiden, dass ich nächste Woche zum Lake District reisen würde.“

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Dave MacLeod in Lexicon, einer Trad-Linie mit einem riesigen Runout. Bild: Chris Prescott

Erschütternder Abflug

Gesagt, getan. Am Feld angekommen, trifft Dave MacLeod zufällig auf zwei Altbekannte: Erstbegeher Neil Gresham sowie Steve McClure, der Lexicon ebenfalls unbedingt ausprobieren wollte. „Es war toll, mit ihnen zusammenzusitzen und über das Klettern und das Leben im Allgemeinen zu plaudern.“

Die drei tun sich zusammen und nach einer kurzen Taktikbesprechung beginnt MacLead die Route auszuchecken. Der erste Versuch verläuft vielversprechend. „Ich machte alle Züge auf Anhieb.“ In einer steilen und ausdauernden Route wie dieser bedeute dies aber nicht viel. Wenig später legt er aufgrund der warmen Temperaturen eine Pause ein und beobachtet Steve McClure am scharfen Ende des Seils.

Video: Steve McClure über das Sturzpotenzial in Lexicon (E11)

Smooth steigt er bis zur Schlüsselstelle ganz oben in der Headwall hoch. Und dann passiert es. Der 51-Jährige rutscht aus und fliegt ab. Sein Sturz endet unangenehm nahe am Boden. „Er schoss praktisch die gesamte Höhe des Felsens herunter und kam mit einem harten Aufprall etwa drei Meter über den Boden zu stehen“, erinnert sich Dave Macleod. Erschüttert, aber nicht entmutigt, kehrt Steve McClure nur zwei Tage später zurück, um seine offene Rechnung mit Lexicon zu begleichen.

„Er schoss praktisch die gesamte Höhe des Felsens herunter und kam mit einem harten Aufprall etwa drei Meter über den Boden zu stehen.“

Dave MacLeod

Akribische Vorbereitung

Dave MacLeod kehrt Anfang Oktober zurück, um zwei Tage lang seine Beta im oberen Wandteil sowie die Sicherungen zu optimieren. Obwohl die Nut und der Skyhook, die er in einem kleinen Riss direkt unter der Crux versenkt, von fragwürdiger Qualität sind, glaubt er an deren psychologische Wirkung. „Es ist beruhigend, das Seil irgendwo eingehängt zu haben. So würde ich mich oben in der Headwall definitiv weniger einsam fühlen.“

„Es ist beruhigend, das Seil irgendwo eingehängt zu haben. So würde ich mich oben in der Headwall definitiv weniger einsam fühlen.“

Dave MacLeod

Dave MacLeod klettert Lexikon sechsmal sauber durch, bevor er zurück in den Norden reist. „Da wusste ich, dass die Route möglich ist.“ Seine Hoffnung einer Rotpunktbegehung wird jedoch vom Wintereinbruch zunichte gemacht. In den Wintermonaten bis März verfolgt er ein hartes Trainingsregime und zieht Boulder bis 8b+.

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Dave McLeod an der Stelle, wo Steve McClure einen riesigen Abflug hinlegte. Bild: Chris Prescott

Ende März kehrt Dave MacLeod in den Lake District zurück. Nach einem letzten Toprope mit klammen Fingern beschliesst er, dass die Zeit gekommen ist. Nach einem Ruhetag gilt es erst, auch wenn die Bedingungen leicht zu warm sind.

„Es gibt viele Kletterer, die die Züge machen könnten, aber vermutlich nur wenige, die dies auch im Vorstieg machen würden.“

Dave MacLeod

„Ich bin bei Weitem nicht alle schweren Trad-Routen in England oder Wales geklettert, aber doch einige, und Lexicon ist härter als jede von ihnen“, resümiert Dave MacLeod im Anschluss an seinen Durchstieg. Neil Greshams Leistung bei dieser Erstbegehung sei aussergewöhnlich. „Es gibt viele Kletterer, die die Züge machen könnten, aber vermutlich nur wenige, die dies auch im Vorstieg tun würden.“

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