Reinhold Messner veröffentlicht ein neues Buch mit dem Titel „Rettet die Berge“, in dem er auf die zunehmende Zerstörung der Bergwelt aufmerksam macht.

Als die Romantiker die Schönheit der Berge entdeckten, konnte niemand ahnen, dass dies der Beginn des alpinen Massentourismus sein würde. Heute sind ganze Bergregionen ein einziger Spielplatz mit kahlen Hängen. Biker, Kletterer, Trekker und Wintersportler erwarten ein perfektes – und sicheres –Vergnügen. Die Erhabenheit der Natur aber wird zusehends banalisiert.

Jeder kennt die Bilder vom „Stau am Everest“: Durch die immer weiter ausgebaute Infrastruktur am höchsten Berg der Welt verkommen dort die wilde Natur genauso wie das eigentlich erhabene Gefühl des Bergsteigens.

Bild: Nimsdai project possible

Doch bei weitem nicht nur in der Ferne des Himalayas, auch bei uns verdrängt der voranschreitende Massentourismus all das, wofür unsere Berge einst standen: Wildnis, Abenteuer und Respekt.

Kurz vor seinem 75. Geburtstag will Reinhold Messner uns wachrütteln und liefert einen eindringlichen Appell „Rettet die Berge“. Über Jahrzehnte hat er in den bekannten Bergregionen den Wandel der einstigen Kulturlandschaften hin zu „Action and Adventure Parks“ miterlebt. Wie kein zweiter kennt Messner die Gebirge der Welt und setzt sich für den Schutz der Wildnis ein. Auf pointierte, meinungsstarke Weise zeigt er, dass wir alle Mitverantwortung für den Fortbestand dieser Urlandschaft tragen: Denn genau das, was wir in den Bergen vermeintlich suchen, zerstören wir damit aktiv.

Das Buch von Reinhold Messner ist ab 22. August 2019 im Buchhandel erhältlich.

Reinhold Messners Werte-Charte für die Berge

Zehn Anregungen von Reinhold Messner, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Berggebieten zu ihrer wahren Bedeutung verhelfen:

1. Berggebiete sind überall als Summe von kleinräumiger Kulturlandschaft – jahrtausendelang von Menschenhand gestaltet und gepflegt – und von erhabener Hochgebirgslandschaft definiert.

2. Gepflegte Kulturlandschaft in den Berggebieten kommt allen zugute: Geht es doch um Umwelt- schutz, Erholungsraum sowie Produktion hochwertiger Nahrungsmittel.

3. Die zur Pflege der Kulturlandschaft unverzichtbare Bearbeitung setzt eine verantwortungsvolle Bevölkerung voraus. Nur wenn sich ihr Wirtschaften trägt, bleibt sie am Berg.

4. Die Hochgebirgsregionen hingegen – die erst seit der modernen Erschließung touristisch genutzt werden – beinhalten Werte wie Weite, Stille und Erhabenheit sowie auch Gefahr, die nicht ausgemerzt werden soll.

5. Diese Naturlandschaften sind im Schwinden und somit zu schützen. Die Hochgebirgswelt als Erfahrungsraum muss unverändert bleiben, ein Erschließungsstopp ist also Pflicht. Bestehende Verbauung bleibt, da oft viele Arbeitsplätze daran hängen.

6. Ein weiteres Vordringen in die Hochgebirgsregionen darf nicht mit Seilbahnen, Straßen und mo- derner Technik erleichtert werden. Wer in Eigenverantwortung und ohne Spuren zu hinterlassen ins Hochgebirgegeht,lernt,dieseUrnaturzurespektierenundfürweitereGenerationenzuverteidigen.

7. Nur eine dezentral nachhaltige Nutzung der Kulturlandschaften sichert die Grundlage für das Bleiben junger Generationen, mögliche Erholung und zugleich Naturerfahrung. Transitstrecken sind so zu gestalten, dass Umweltbelastungen aller Art minimal bleiben.

8. Die Verzahnung von gepflegter Kulturlandschaft und einer infrastrukturfreien Naturlandschaft ist der Schlüssel zum Schutz der Berggebiete. Gemeinsam erbringen Berglandwirtschaft und Tourismus nachhaltige Entwicklung.

9. Nur regionales Kulturgut, intakte Kulturlandschaft und die jeweils einmalige Gebirgslandschaft darüber garantieren Nachhaltigkeit sowie das Selbstverständnis der Bergbevöl- kerung.

10. Bergregionen und Ballungszentren brauchen einander. Eine räumlich ausgewogene Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur erfordert von der Politik die Berücksichtigung der Peripherie. Es wäre negativ, wenn sich weiterhin Berggebiete entvölkerten und Stadtregionen anwüchsen.

Über den Alpinisten Reinhold Messner

Reinhold Messner ist der berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Als Kletterer, Grenzgänger und „Philosoph in Aktion“ hat er immer wieder neue Massstäbe gesetzt: Er bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender und durchquerte zusammen mit Arved Fuchs die Antarktis zu Fuss. Heute kämpft er für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Natur, bewirtschaftet Bergbauernhöfe und gestaltet an sechs Standorten das Messner Mountain Museum. Zudem widmet er sich nun dem Bergfilm als Autor, Regisseur und Produzent. Am 17. September feiert er seinen 75. Geburtstag.

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Credits: Bild und Text zVg

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